Krankenkassen: Patientendaten als Rettung?

Dem Schweizer Gesundheitssystem droht gemäss einer Studie der Kollaps. Das Auswerten von Patientendaten könnte eine Rettung für die Krankenkassen sein, sagt EY Schweiz.

» Von Mark Schröder , 01.02.2017 14:30.

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Bis 2030 werden die Gesundheitskosten in der Schweiz voraussichtlich um über 60 Prozent steigen. Gründe sind einerseits hausgemachte Faktoren wie Fehlanreize und Ineffizienzen sowie andererseits externe Faktoren wie der medizinische Fortschritt, die Überalterung der Gesellschaft und die Zunahme chronischer Erkrankungen. Wie der Beratungskonzern EY Schweiz in der neuen «Krankenversicherungsstudie» weiter schreibt, sei eine Besserung für das Gesundheitssystem nicht in Sicht.

Der massive Kostenanstieg führe unter den aktuellen Rahmenbedingungen zur Verdopplung der Versicherungsprämien bis 2030. Anstatt heute im Durchschnitt 396 Franken müssen dann weit über 800 Franken bezahlt werden. «Ein Grossteil der Bevölkerung kann dann die Prämien nicht mehr tragen. Ohne einschneidende Gegenmassnahmen ist ein finanzieller Kollaps der Grundversicherung mittelfristig nicht ausgeschlossen», sagt Yamin Gröninger, Leiterin Insurance Business Development bei EY Schweiz.

Patientendaten als Rettung?

Laut EY Schweiz verfügen die Krankenversicherer über umfangreiche Datenbestände, auf deren Basis sich Prävention, Früherkennung und Behandlung von Krankheiten verbessern lassen. «Die geltenden Datenschutzvorschriften gewähren den Krankenversicherern genügend Spielraum, um die Daten zu nutzen. Sie können bereits heute die Daten der Versicherten für personalisierte Beratungen nutzen, wenn diese einwilligen», sagt Gröninger.

Zusätzlich wachse die verwertbare Menge an Gesundheitsdaten dank allgegenwärtiger Apps und Wearables rasant an. Laut der Studie zeichnet heute rund die Hälfte der Versicherten freiwillig Gesundheitsinformationen auf. Sie wären offenbar durchaus bereit, die Daten mit der Krankenkasse zu teilen – wenn sie einen Anreiz bekommen. Rund 60 Prozent würden ihre Gesundheitsdaten herausgeben, wenn sie im Gegenzug Prämienrabatte oder eine individuelle Gesundheitsberatung erhalten. «Wachstums- und Wertschöpfungschancen bieten sich zum Beispiel durch die Analyse und Aufbereitung von Gesundheitsdaten. Die Einführung des elektronischen Patientendossiers begünstigt diese Entwicklung», sagt Gröninger.

Die digitale Verfügbarkeit von Patientendaten ruft laut EY Schweiz allerdings auch neue, potenzielle Konkurrenten für die Versicherungen auf den Plan. Die technologische Entwicklung erlaube es auch branchenfremden Unternehmen wie Apple, Google und Migros oder Start-ups, Gesundheitsdaten zu sammeln und aufzubereiten. Auf diesen Wettbewerb seien die Krankenversicherer kaum vorbereitet. «Digitale Angebote hatten bis anhin primär Marketingcharakter. Die Versicherer könnten ihre gute Ausgangslage verspielen und es verpassen, sich von Kassen für Kranke zu Gesundheitspartnern zu entwickeln», sagt Alexander Lacher, Co-Leiter Krankenversicherungen von EY Schweiz.

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KOMMENTARE

Peter Schmid: 02-02-17 20:23

Die Begründungen für die Kostensteigerung wegen der Überalterung der Gesellschaft kann ich überhaupt nicht teilen. Ich halte dies für eine Behauptung, um die hohen Prämien zu rechtfertigen. Zum einen bezahlen alle diese Senioren ebenfalls Prämien und das nicht zu knapp und zum andern ist das Gesundheitsbewusstsein gerade bei dieser Altersklasse sehr ausgeprägt, was sich darin äussert, dass sie länger gesund bleiben und so das Gesundheitswesen kaum belasten. Demgegenüber findet gesundheitsschädigendes Verhalten bei der jüngeren Generation keine Beachtung, welche sich in entsprechenden Prämien niederschlägt.

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