Wenn die nächste Generation übernimmt: 10 Tipps zur Nachfolgeregelung

Die Nachfolgeregelung beschäftigt besonders Schweizer KMU stark. Je fünf Tipps für die abtretende und die auftretende Generation, um den Machtwechsel so speditiv und produktiv wie möglich zu gestalten.

» Von Weka / Markus Weishaupt, Yasmine Brunoni *, 27.09.2016 14:13.

  * Der Artikel wurde ursprünglich auf «weka.ch» publiziert. Markus Weishaupt ist geschäftsführender Gesellschafter von Weissman Suisse, Italia und Austria sowie Berater, Autor und Referent. Yasmine Brunoni ist Projektmitarbeiterin bei der WeissmanGruppe.

Das älteste Familienunternehmen der Welt kommt aus Japan und beherbergt seit dem Jahr 718 Gäste: das Hoshi Ryokan, ein traditionelles japanisches Hotel, befindet sich zurzeit in der 46. Generation und ist fast 1300 Jahre alt. Aber auch in der Schweiz gibt es einschlägige Beispiele, unter anderem das 1552 gegründete Weingut «Fonjal-laz» in Lavaux am Genfersee oder das älteste Schweizer Uhrengeschäft in Zürich Beyer Chronometrie, 1760 gegründet. In Österreich kennt man die Glasmanufaktur Riedel (seit 1756), das 682 Jahre alte Romantikhotel Gmachl, in Deutschland das Unternehmen Prym, das für seine Knöpfe bekannt ist. In Italien gibt es mit die ältesten Unternehmen der Welt: Glockengiesserei Ponteficia Fonderia Marinelli (über 1000 Jahre alt), Barone Ricasoli (1141 gegründet) und Antinori, die seit 1385 Wein produzieren.

Irgendwie schaffen es bestimmte Unternehmen zu überdauern, sie überleben, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Was sie vereint: das Unternehmen überdauert immer seine Unternehmer. Es überlebt, auch wenn seine Unternehmer sich irgendwann den Naturgesetzen beugend das nicht schaffen. Traditionen werden zu Lebzeiten gelebt, Prinzipien verinnerlicht und Einstellungen vererbt. Die kritische und konstruktive Auseinandersetzung mit der «Nachfolge», dem Prozess des Übergebens und Übernehmens, ist sicherlich allen langlebigen Unternehmen gemein. Dazu nachfolgend einige wenige Tipps für die Geber- und Nehmergenerationen, die sehr hilfreich sein können, egal ob das Unternehmen Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte alt ist.

Fünf Tipps für die Senior-Generation

1. Die Schaffung eines attraktiven, anziehenden Unternehmens

Mitarbeiter wollen in einem Unternehmen arbeiten, welches sichtbar Erfolg hat. Dasselbe gilt für die Nachfolgegeneration: warum sollte jemand ein Unternehmen übernehmen, welches seit Jahren schlechte Zahlen schreibt, wo Kunden und Lieferanten das Weite suchen und die Mitarbeiter und Führungskräfte ungern zur Arbeit gehen? Wenn das Unternehmerleben sichtlich und erlebbar Spass macht und erfolgreich ist, dann steigt auch die Chance, dass die nachfolgende Generation das Ruder übernimmt und den Bestand des Familienunternehmens für eine weitere Generation sichert.

2. Ehrlichkeit bei der Beurteilung der Fähigkeit der eigenen Kinder

 «Kompetenz vor Blut», das ist die erste wichtige Aussage, die die Auswahl des Nachfolgers betrifft. Denn die Führung eines Unternehmens ist nicht für sich selbst, sondern vor allem für das Wohlergehen aller Mitarbeiter verantwortlich. Ohne unternehmerisches Geschick und entsprechende Kompetenzen, Kenntnisse und Fähigkeiten, kann kein Nachfolger dieser Verantwortung nachkommen. Sollte nach reiflicher Überlegung und Analyse, Gesprächen und Abwägungen keine Familien-interne Nachfolge möglich, nützlich oder wünschenswert sein, liegt eine familienexterne Nachfolge nahe. Dabei kann das Unternehmen dennoch im Eigentum der Familie bleiben, auch wenn es eine Zeit lang oder vielleicht sogar generell von familienexternen Managern geführt und geleitet wird. Wer «Blut vor Kompetenz» stellt wird sich wohl auf risikoreiche Zeiten einstellen müssen.

3. Klare Verhältnisse – bei Führung und Beteiligung

Die Rollen der verschiedenen Familienmitglieder müssen geklärt werden, die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten transparent sein. Klare Verhältnisse braucht es hinsichtlich Vermögenswerten, Ausschüttungen, Bezügen und Entlohnungen, Übergabe von Anteilen, Vererbungsregelungen, Verkauf und Ankauf von Anteilen, Vorkaufsrechten, Erwartungen an Familienmitglieder in aktiven Rollen im Unternehmen, egal ob in Führungsrollen oder nicht, Eintrittsregeln für Familienmitglieder in das Unternehmen, Behandlung der Ehepartner in Bezug auf Mitarbeit und Beteiligung u.v.m.

4. Loslassen

Auch wenn es schwer fällt. Die Seniorgeneration muss der Versuchung widerstehen, auch nach dem Rückzug aus der Geschäftsführung eine Art «Ober-Geschäftsführung» spielen zu wollen und damit die Junior Generation in der Entwicklung zu hemmen. Loslassen wird nur dann möglich sein, wenn einerseits das Vertrauen und Zutrauen in die nächste Generation besteht, dass die Geschäfte gut geleitet werden, und andererseits, wenn die Seniorgeneration über das Unternehmen hinaus noch weitere Interessen hat und pflegen will.

5. Unabhängig sein

Der eigene Lebensstil sollte nicht von der Rendite des übergebenen Unternehmens abhängig sein. Wenn die Seniorgeneration von den Dividenden und von monatlichen Zahlungen aus der Unternehmenskasse abhängt, dann kann dies durchaus eine Hemmschwelle für das Loslassen werden. Vor allem dann, wenn der Juniorgeneration, gerechtfertigter oder ungerechtfertigter Weise, eine erfolgreiche Führung des Unternehmens nicht in vollem Masse zugetraut wird.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: 5 Tipps für die Junior-Generation

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