Tools für Teams: Stärken und Schwächen von Microsoft, IBM, Facebook & Co.

Globale und Schweizer Firmen bieten Plattformen für die Office-Zusammenarbeit an. Computerworld zeigt, welche Bürohelfer Zeit sparen.

» Von Mark Schröder , 22.06.2015 15:22.

Der Arbeitspsychologe Michael Aamodt von der Universität Radford skizziert in seinem Buch «Industrial and Orga­nizational Psychology: An Applied Approach» die diversen Faktoren, die heute die tägliche Arbeit beeinflussen. Ein wichtiger Punkt taucht dabei immer wieder auf: «Wer am Arbeitsplatz mit veralteten Arbeitsmitteln und Methoden arbeiten muss, der wird weniger produktiv sein.»

Die Firmen in der Schweiz und weltweit haben das Potenzial moderner Bürohilfsmittel mehrheitlich erkannt. «Bis zum Jahr 2016 werden 50 Prozent der Grossunternehmen ein Face­book-ähnliches Netzwerk besitzen», sagte Gartner-Analyst Nikos Drakos vor zwei Jahren. Damals eine gewagte Prognose, die aber nach heutigem Stand vermutlich zutreffen wird. Drakos Nachsatz «30 Prozent der Netzwerke werden dabei genauso unentbehrlich sein, wie es heute E-Mail und Telefon sind», ist noch gewagter. Es sei denn, man erfindet die traditionellen Kommunikationsmittel komplett neu. Die marktführenden Hersteller und einige lokale Anbieter gehen einen Mittelweg: E-Mail wird anders aufbereitet, Social-Tools ersetzen teilweise das Telefon. Zudem strebt auch Facebook selbst ins Business.

Microsoft: Umbau bei Office und Apps

Microsoft baut sowohl seine Produktivitäts-Tools für die lokale Installation als auch das Cloud-gestützte Office 365 um. Die meisten Neuerungen betreffen die einfachere Colla­boration und das Automatisieren von Routinearbeiten. Im kommenden Outlook 2016 und in den Apps für Android, iOS und Windows Phone bekommen die User schneller einen Überblick über aktuelle Diskussionen sowie laufende Projekte und können diese umgehend bearbeiten. Der Clutter-Algorithmus von Outlook soll wichtige und unwichtige E-Mails für den Nutzer aussortieren. In Excel lassen sich wie in den üb­rigen Office-Anwendungen auch Dateien für die Teamarbeit freigeben. Anwender können dann in Echtzeit mitverfolgen, welche Änderungen die Kollegen anbringen.

Als neues Mitglied der Office-Suite hat Micro­soft die Anwendung «Delve» lanciert. Das Tool soll ein Dashboard für jeden Angestellten werden, das teils manuell zu pflegen ist, teils aber auch anhand des Benutzerverhaltens selbstständig dazulernt. Der Delve-Algorithmus – exklusiv in Office 365 – präsentiert dem Nutzer beispielsweise Aktivitäten, Termine, Profile und Dokumente von Kollegen, die ihm in aktuellen Projekten helfen können.

Während Delve in der Cloud residiert, funk­tionieren Word & Co. auch künftig lokal. Die als neu angepriesenen Funktionen der On-Pre­mises-Produkte sind allerdings in Office 365 mehrheitlich schon umgesetzt oder werden demnächst geliefert. Mit dieser Strategie will es Microsoft den Kunden schmackhaft machen, ein Abo für die Cloud zu lösen.

IBM: Collaboration statt E-Mail

Das Collaboration-Konzept von IBM dreht sich um die Anwendung «Verse». Mit dem Tool will «Big Blue» nichts weniger als die E-Mail-Bearbeitung abschaffen. «Ein durchschnittlicher Anwender verbringt täglich vier Stunden in der Inbox», skizziert IBMs Bob Picciano den Produktivitätsverlust. Diese «tägliche organisatorische Bürde» soll Verse tragen helfen. Auf der Ober­fläche fliessen E-Mails, Terminkoordinaten, Adressbuchinhalte, Messaging und Social Feeds zusammen. Was für den User wichtig ist, identifiziert Verse selbst, indem die Software Hierarchieinformationen aus der Organisation ausliest, Gruppen in E-Mail-Verteilern erkennt und das Antwortverhalten des Users protokolliert. Das Arbeiten mit Verse ist weniger auf klas­sische E-Mail als auf Messaging allgemein aus­gelegt. Wie ein User einen Kontakt oder eine Gruppe anspricht, entscheidet er je nach Art der zu transportierenden Botschaft. Die unterschiedlichen Kommunikationskanäle sind in «Verse» direkt eingebunden – etwa Chat, Fileshare, Instant Messaging und Video.

Bei der Promotion von Verse wählt IBM einen ungewöhnlichen Weg: Die Software funktioniert nach dem «Freemium»-Modell, ist also zunächst kostenfrei. Jedermann kann sich einen Zugang zum Webtool besorgen und die Funktionen mit den eigenen Inhalten testen. Diese Praxis ist eher von Start-Ups bekannt und im Enterprise sogar verpönt – Stichwort Schatten-IT. Womöglich findet Verse so aber neue User auch in Unternehmen, die ihre Angestellten mit unzeit­gemässer Software frustrieren. Den vollen Funktionsumfang und den ganzen Nutzen bietet die Lösung erst dann, wenn sie in Firmennetzwerke eingebunden und in Teams ver­wendet wird, etwa mit Hierarchiedaten und Verteilerinformationen.

 

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KOMMENTARE

M. S.: 24-06-15 07:01

Das heisst dann wohl IBM Verse im Fazit, statt IBM Delve...
3. Zeile nach der Überschrift "Grenzen verschwimmen"

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