Mobile Payment: das Ende des Bargelds

» Von Mark Schröder , 15.02.2016 08:00.

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Die Schweizer Detailhändler sind teils schon jahrelang parat für Mobile Payment – mit ihren eigenen Bezahl-Apps. Die meisten Lösungen lassen sich jedoch nur bei den jeweiligen Händlern nutzen, was die Zahl der Anwendungsfälle und den Kundenkreis einschränkt.

Manor: zahlen auf Rechnung

Laut eigenen Angaben ist Manor der Pionier beim Mobile Payment. Die Warenhauskette startete im Herbst 2013 das Bezahlen per Handy. Voraussetzung ist eine Manor-Kundenkarte und eine App, die an der Ladenkasse einen einmaligen, persönlichen Barcode generiert. Tatsächlich gezahlt wird dann Ende Monat, wenn die Kunden automatisch eine Rechnung mit der Liste ihrer Einkäufe erhalten. Für Falko May, Director Customer Relations bei Manor, steht dann auch die Kundenbindung durch die Payment-Funktion im Vordergrund. Ebenfalls in der Mobile Card App integriert sind Bonuschecks und Gutscheine.

Migros: doppelt gemoppelt

Die Migros-Gruppe ist mit zwei Lösungen für Mobile Payment in der Schweiz aktiv: Dem Zahlungsdienst «MobilePay P2P» und der Payment-Funktion innerhalb der Migros-App. Wie der Name schon sagt, dient MobilePay P2P dem Versenden und Empfangen von Geldbeträgen zwischen Privatpersonen – nach dem Prinzip von Paymit. Die Unterschiede: Geld kann via App und auch via mobiler Website (www.p2p.ch) gesendet und empfangen werden. Für weder die eine noch die andere Option ist eine Registrierung erforderlich. Die Handy-Nummer des Transaktionspartners genügt. Er bekommt eine SMS, anhand der er über den gesendeten Betrag verfügen kann oder mit der er zur Zahlung aufgefordert wird. 

Die Payment-Funktion der Migros-App setzt dagegen eine Registrierung voraus. Jenseits davon fällt die Lösung durch tiefe Einstiegshürden auf. Weder werden Funk-Terminals benötigt noch müssen die Verbraucher ihre Telefone umrüsten. Die Migros-App generiert per Knopfdruck einen QR-Code, in dem unter anderem Kundenname, Gerätekennung und Zahlungsmittel verschlüsselt sind. Dieser Code wird an der Kasse gescannt. Anschliessend prüft das Terminal im Markt die Gültigkeit des Einmal-Codes. Dann erfolgt die Belastung des hinterlegten Zahlungsmittels. Auf Anfrage nannte Migros weder die Zahl der heute aktiven Nutzer noch den durchschnittlichen Zahlungsbetrag.

Zuletzt kündigte Migros an, in seine App auch die Twint-Bezahlfunktion integrieren zu wollen. Auch das System soll mit einem QR-Code arbeiten, der an der Kasse gescannt werden kann. Geplant ist, die Integration bis Ende Jahr realisiert zu haben.

Starbucks: Bonus-App

Ausschliesslich von Teilnehmern am Bonusprogramm «My Starbucks Rewards» lässt sich die Bezahlfunktion der Starbucks-App nutzen. Dafür hinterlegt der Kunde entweder seine Kreditkartendaten im Onlineprofil des Rewards-Programms oder nutzt die Gutschriften, die er für den Konsum in den Filialen erhält. Auf dem Handy ist nur das Kundenkonto, aber keine Karteninformationen hinterlegt. Für den Bezahlvorgang scannt der User seinen individuellen Barcode an der Kasse. Der 2D-Code lässt sich entweder durch Tippen oder durch die «Shake to Pay»-Funktion auf das Display holen. Wie Starbucks Schweiz erklärt, sollen das Mobile Payment und das «Shake to Pay» hauptsächlich die Wartezeiten für den Kunden verkürzen. Die Bar- oder Kartenzahlungen seien mit hohem Aufwand für die Konsumenten und das Personal verbunden. Ein Ausbau des Diensts in der Schweiz ist aktuell nicht geplant, erklärt Starbucks.

Swisscom: ab 13 Jahren

Der Telefonkonzern leistete sich bis vor einem halben Jahr zwei Lösungen für das Mobile Payment: «Tapit» wurde mittlerweile zugunsten der Kooperation mit Paymit eingestellt, «Natel Pay» ist weiterhin am Markt. Wie beim Manor-Service lässt sich zwar am Telefon einkaufen, bezahlt wird anschliessend aber per Rechnung.

Ein Alleinstellungsmerkmal von Natel Pay ist die Nutzbarkeit auch für Minderjährige. Die Swisscom nennt als Mindestvoraussetzung einen Mobilfunkanschluss, ein Smartphone oder Tablet und ein Alter von 13 Jahren. Weder eine Kreditkarte ist erforderlich noch ein fester Vertrag – auch Prepaid-Kunden können via Natel Pay bezahlen, wenn sie genügend Guthaben besitzen. Wie Swisscom erklärt, wird von den tiefen Nutzungshürden rege Gebrauch gemacht: Kunden kaufen hauptsächlich für digitale Güter, beispielsweise Apps im Google Play Store oder iTunes-Guthaben. Seit letztem Jahr können auch Zalando-Gutscheine via Swisscom-Rechnung bezahlt werden. Dabei stossen die Nutzer aber rasch an die Grenzen, denn aktuell sind nur Einkäufe bis maximal 200 Franken möglich.

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KOMMENTARE

Ernst Weigele: 15-02-16 08:43

Klar verschwindet Bargeld. Und kurz danach auch die Stuern.

Sabine Obermoser: 15-02-16 08:40

Bargeld wird verschwinden? Das wüsst ich aber! Da hat der Stimmbürger auch noch was zu sagen!

Dietmer Damlin: 15-02-16 08:36

Das einzige mobile Device mit dem ich zahle und zahlen werde ist meine Brieftasche!
Ich sehe überhaupt nicht ein für NOCH eine Zahlweise NOCH mehr Gebühren zu zahlen. Und ausserdem geht eine KEINEN was an wofür ich mein Geld ausgebe.

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