Fitness-Apps als Datensammler: Was sagt das Recht?

Tracken von Fitness- und Gesundheitsdaten liegt voll im Trend. Doch das Datensammeln ist gerade im Gesundheitsbereich rechtlich nicht ganz unbedenklich. Hersteller und Nutzer sollten wissen, was erlaubt ist.

» Von Claudia Keller, 14.04.2015 12:57.

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Die Autorin ist seit 2006 Anwältin bei der Zürcher Kanzei Wenger & Vieli, ist v.a. im Immaterialgüter-, Marken- und Datenschutzrecht sowie im Bereich «Neue Medien» tätig. Sie publiziert und referiert regelmässig zu diesen Themen.

Das Jahr 2015 läutet die Ära der «Wearables» ein. Im März stellte Apple endlich seine mit Spannung erwartete Smartwatch vor, und der Schweizer Uhrenhersteller Swatch hat – nach anfänglichem Dementi – ebenfalls eine eigene Smartwatch präsentiert, andere Anbieter sind schon länger auf dem Markt, darunter Pepple, Samsung, Motorola, Sony, LG und viele mehr. Das Marktforschungsunternehmen GfK schätzt, dass 2015 weltweit 51 Millionen Smartwatches und sogenannte HF-Geräte (Health and Fitness Trackers) verkauft werden.

Das Einsatzgebiet der Wearables in der Schweiz ist primär im Bereich Lifestyle und Sport anzusiedeln, denn am populärsten sind laut GfK die den Unterkategorien Health and Fitness Trackers, Smartwatches und Wrist Sport Computer zuzurechnenden Geräte, für die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten durchschnittlich ganze 160 Franken auszu­geben bereit sind. Der Accenture Technology Report 2015 verweist zudem auf die steigende Vernetzung mobiler Devices (Stichwort «Internet of Things»), gerade auch durch Wearables, die es den Unternehmen erlauben, ihre Angebote mehr und mehr zu personalisieren.

Im Ausland ist die Nutzung längst in andere Bereiche wie Spitäler und Versicherungen vorgedrungen. In den USA nehmen zum Beispiel führende Krankenhäuser an einem Pilotprojekt teil, das die Nutzung von Gesundheits-Apps zur Überwachung der Körperfunktionen von Patienten beinhaltet, und die Generali-Versicherung hat unter dem Brand «Vitality» neue Produkte lanciert, die einen gesunden Lebensstil durch Partnerprogramme (Ernährungsexperten, Fitnessstudios etc.) oder Prämienvergünstigungen belohnen. Auch dies ist eine Form der stärkeren Personalisierung von üblicherweise standardisierten Dienstleistungen.

Ein Fall für den Daten- und Patientenschutz?

Wearables und damit einhergehende neue Angebote diverser Dienstleister sind nicht nur aus technischer Sicht interessant. Im Zusammenhang mit dem Angebot und der Nutzung solcher Geräte und der damit verbundenen Dienstleistungen stellen sich auch einige rechtliche Fragen und Herausforderungen.

Diese gründen einerseits in den kommer­ziellen Interessen an den durch Wearables gesammelten Daten. Häufig handelt es sich dabei zudem um im Ausland ansässige Anbieter. Es stellt sich hier die Frage, wer die Herrschaft über diese Daten haben muss, kann oder soll und wie in Bezug auf solch sensible Daten der Datenschutz gewährleistet werden kann. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB), Hanspeter Thür, hat an einer Datenschutztagung mit dem sinnigen Titel «Verfolgt auf Schritt und Tritt» bezüglich Wearables und Gesundheitsdaten seinen Bedenken hinsichtlich der Wahrung der Privatsphäre und des informationellen Selbstbestimmungsrechts des Einzelnen Ausdruck gegeben. Im EDÖB-Blog schreibt er: «Experten rechnen damit, dass in vier Jahren jeder vierte Fitness Tracker von Arbeitgebern, Versicherungen oder Sportstudios gratis abgegeben werden wird. Dass es sich bei Gesundheitsdaten um hochsensible Informationen handelt und viele Gesundheits-Apps einen unzureichenden Datenschutz bieten, sind wir uns oft zu wenig bewusst.» Welche datenschutzrechtlichen Bestimmungen gelten also für Smartwatches und andere Trackers? Auf Ebene der Hersteller und Anbieter solcher Wearables und Gesundheits-Apps stellt sich andererseits die Frage, ob es sich bei den Produkten um Medizinprodukte handeln könnte, die spezifischen Regelungen unterworfen sind.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Datenschutzrecht

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