Bereit zum Abheben

» Von *Bernd Reder, 20.03.2017 07:00.

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Datenverarbeitung

Das Beratungshaus PwC sieht zudem Nachholbedarf beim Erfassen und Übermitteln von Daten. PwC kritisiert, dass Systeme für die 3D-Abtastung auf Basis von LiDAR (Light detection and ranging) mehrere Hundert Euro kosten und den Einsatz in Drohnen erheblich verteuern. Zudem müssen speziell bei der Untersuchung von Feldern mehrere Techniken kombiniert werden: Multispektrale Sensoren, LiDAR-Komponenten und Sensoren, die das sichtbare Licht erfassen. All diese Komponenten in einer Drohne unterzubringen, ist aufwendig. Daher hält PwC Drohnen zumindest derzeit nur für eine Ergänzung zu Aufnahmen durch Satelliten, Flugzeuge und bemannte Helikopter.

Noch im Frühstadium befindet sich laut PwC das Angebot von Datendiensten. Sie werten die Informationen aus, die Drohnen sammeln. Anschliessend werden die Daten in Informationen «übersetzt», mit denen der Kunde etwa anfangen kann, etwa, welche Bereiche eines Feldes er mit mehr Dünger versorgen muss. Allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich solche Datendienste etablieren. Dabei werden Technologien aus dem IT-Bereich eine zentrale Rolle spielen, etwa Cloud-Services und Big Data. Das Genfer Start-up Gamaya – ein Spin-off der EPFL – ist auf solche Lösungen spezialisiert.

Wirtschaftlichkeit

Ein italienisches Forscherteam um Alessandro Matese vom Ins­titut für Biometeorologie in Florenz hat am Beispiel eines Weinbergs durchgespielt, welche Technik sich am besten für das Erfassen und Auswerten von Bilddaten in der Landwirtschaft eignet – Drohnen, Satelliten oder Flugzeuge. Drohnen lieferten die beste Bildqualität und punkteten bei Vielseitigkeit und Unabhängigkeit von Witterungsbedingungen. Im Vergleich zu Flugzeugen und Helikoptern wiesen sie aber eine geringere Robustheit und eine kürzere Reichweite auf. Punkto Wirtschaftlichkeit schlugen Drohnen ihre Konkurrenten aus dem Feld, allerdings nur in Weinbergen von 5 bis 50 Hektar. Für grössere Gebiete sind Flugzeuge und Helikopter nach Angaben der Forscher bislang wirtschaftlicher.

Im Bereich Logistik kommt eine Studie des Beratungshauses ARK Invest zum Ergebnis, dass sich für den Onlinehändler Amazon die Auslieferung einer Ware per Drohne selbst dann rechnet, wenn er nur 1 Dollar für den Lieferservice verlangt. Der Kunde erhält die Ware dann in weniger als 30 Minuten. Zum Vergleich: Bei Amazon Prime und einer Auslieferung innerhalb von 24 Stunden belaufen sich die Kosten auf rund 6 Dollar.

Einige Fachleute monieren jedoch, diese Berechnungen beruhten auf «spekulativen Vorgaben». Eine sei, dass ein Drohnenoperator mindestens zehn Systeme steuern müsse. Aus­serdem seien täglich mindestens 30 Lieferungen pro Drohne erforderlich, um auf diese niedrige Summe zu kommen. Müssen mehr Piloten eingesetzt werden, steigen die Lieferkosten auf 10 bis 17 Dollar. Letztlich werden Praxiserfahrungen zeigen müssen, ob der Lieferdienst ein lohnenswertes Einsatzgebiet von Drohnen ist.

Mehr Intelligenz

Eine der wichtigsten Aufgaben vor allem der Software-Entwickler besteht darin, die Systeme schlauer zu machen. «Einige unserer Kunden arbeiten bereits an KI-Lösungen, die sich beispielsweise bei der Inspektion von Industrieanlagen und in der Lagerhaltung einsetzen lassen», sagt Serge Palaric von Nvidia. «Wer den Aspekt der künstlichen Intelligenz vernachlässigt, wird bald das Nachsehen haben.» Das von Nvidia entwickelte Modul Jetson TX1 erlaubt es, KI-Funktionen in Drohnen, Roboter und intelligente Transportfahrzeuge zu integrieren. Mithilfe solcher KI-Module in Verbindung mit neuronalen Netzen, so Palaric weiter, lassen sich einige der Probleme wie das Erkennen von Objekten und Hindernissen lösen. Letztlich müssen Drohnen selbstständig Kollisionen vermeiden können.

Damit Drohnen Hindernisse, aber auch andere «Dinge» wie Barcode-Etiketten oder Geländestrukturen zweifelsfrei identifizieren können, spielen zudem Technologien wie Deep Learning eine zentrale Rolle. «Die gute Nachricht ist», so der Nvidia-Manager, «dass die Informationen über solche Technologien frei verfügbar sind und Unternehmen somit beginnen können, solche neuen Ansätze einzusetzen.»

*Bernd Reder ist freier Autor bei unserer Schwesterzeitschrift «com! professional»: www.com-magazin.de

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