Bereit zum Abheben

» Von *Bernd Reder, 20.03.2017 07:00.

weitere Artikel

Inspizieren und vermessen

«Wir sehen die Haupteinsatzgebiete von Drohnen im kommerziellen Bereich hauptsächlich in der Inspektion und Vermessung», erläutert Matthias Beldzik, Senior Marketing Manager bei Intel. «Allein, wenn wir uns die vorhandenen kartografischen Daten ansehen, fällt auf, dass ein grosser Teil von ihnen in den letzten Jahren mithilfe von Drohnen erstellt wurden.» Beldzik geht davon aus, dass sich Drohnen insbesondere bei der Vermessung schwer zugänglicher oder grossflächiger Gebiete bewähren, ebenso bei der Analyse der Felder weitläufiger Agrarbetriebe.

Ein Beispiel, wie sich Drohnen für die Inspektion von Gebäuden nutzen lassen, ist die Seestadt Aspern, ein neuer Stadtteil Wiens. Dort setzt Siemens Corporate Technology im Rahmen eines Feldversuchs Drohnen der Intel-Tochter Asctec für die Überwachung des Baufortschritts ein. Die Fluggeräte machen Aufnahmen der Gebäude und erstellen zudem ein 3D-Modell der gesamten Umgebung. Diese Informationen werden mit den Plandaten abgeglichen. Auf diese Weise können Bauplaner, Architekten und die beteiligten Baufirmen Fehler identifizieren, etwa ein fehlendes Fenster oder eine Wand mit einer falschen Ausrichtung. Vorteile der Inspektion mittels Drohne sind, dass sich solche Arbeiten schnell und ohne die Gefährdung von Arbeitern durchführen lassen. Das macht beispielsweise Kletteraktionen auf Dächern überflüssig. Vergleichbare Einsatzfelder finden sich mittlerweile in diversen Bereichen. So werden Raffinerien, Industrieanlagen, Gebäude und Windkraftanlagen per Drohne überprüft. Damit müssen an Gefahrenstellen keine Menschen mehr eingesetzt werden. Ausserdem erspart eine Inspektion aus der Luft den Einsatz von Kränen und Liftsystemen.

Moderne Luftpost

Noch nicht klar ist, ob sich Drohnen als Pöstler etablieren werden. Die Paketdienste DHL und DPD haben in verschiedenen europäischen Ländern erste Versuche mit Drohnen hinter sich, ebenso der Onlinehändler Amazon. Die Schweizerische Post experimentiert seit 2015 mit Drohnen, um die Bedürfnisse und Möglichkeiten rechtzeitig und richtig einzuschätzen. Bislang sieht die Post einen Einsatz aber nur in speziellen Fällen als realistisch an. Etwa in Notsituationen, um nach einem Unwetter von der Umwelt abgeschnittene Siedlungen zu erreichen. Ebenfalls denkbar ist der Eiltransport höchst prioritärer Sendungen wie Laborproben. Bis im Sommer 2017 will die Post den ersten kommerziellen Dienst anbieten: Einen Luft-Shuttle, der zwei Standorte einer Firma verbindet.

Welche konkrete Anwendung sich durchsetzen wird, hängt auch davon ab, wie rasch die regulatorischen Voraussetzungen geklärt werden. Für die Zulassungsbewilligung soll die Post in engem Kontakt mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) stehen.

Drohnen, die als Paketzusteller und Transporter eingesetzt werden, haben ein Problem: Es wäre unwirtschaftlich, jedes System von einem eigenen menschlichen Drohnenpiloten steuern zu lassen. Die Lösung sind Systeme, die autonom den Zielort anfliegen, die Ware abliefern und zur Basis zurückkehren. Vor allem in Grossstädten ist das allerdings keine triviale Aufgabe. Dort sind viele Hindernisse vorhanden, von Gebäuden bis hin zu Lichtmasten. Hinzu kommt, dass GPS-Signale, die für die Navigation der Drohnen erforderlich sind, in Regionen mit Hochhäusern durch die Gebäude abgeschattet werden können.

Indoor-Drohnen

Drohnen sind nicht auf den Aussenbereich beschränkt: «Intelligent Flying Machines (IFM) hat auf Grundlage unserer TX1-Ent- wicklungsplattform eine Drohne für den Ein- satz in Lagerhäusern entwickelt», sagt Serge Palaric, Vice President Sales Embedded & OEMs bei Nvidia Europe. Die Anwendung im Inneren von Gebäuden stellt Drohnen vor besondere Herausforderungen: Sie müssen auf engstem Raum manövrieren, Hindernis- se in Echtzeit erkennen und diesen auswei- chen sowie zudem Barcode-Etiketten fehler- frei lesen und auswerten.

«Die Drohne von IFM identifiziert falsch einsortierte Waren und freie Lagerplätze. Ausserdem erkennt sie, ob Warenbestände aufgefüllt werden müssen», ergänzt Palaric. «Solche komplexen Aufgaben erfordern einen Supercomputer auf einem kompakten Modul, das in eine Drohne integriert wird.» Mit Jetson TX1 hat Nvidia ein solches Modul entwickelt. Der Hersteller greift dabei auf die Erfahrungen zurück, die er selbst beim Bau von Supercomputern gesammelt hat.

Nächste Seite: Smart Farming und Umweltschutz

Werbung

KOMMENTARE

Keine Kommentare

KOMMENTAR SCHREIBEN

*
*
*
*

Alles Pflichfelder, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.

Die Redaktion hält sich vor, unangebrachte, rassistische oder ehrverletzende Kommentare zu löschen.
Die Verfasser von Leserkommentaren gewähren der NMGZ AG das unentgeltliche, zeitlich und räumlich unbegrenzte Recht, ihre Leserkommentare ganz oder teilweise auf dem Portal zu verwenden. Eingeschlossen ist zusätzlich das Recht, die Texte in andere Publikationsorgane, Medien oder Bücher zu übernehmen und zur Archivierung abzuspeichern.