Entspannter arbeiten: So sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus

Arbeiten kann eine Last sein, aber auch grossen Spass machen. So steigern Sie die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter, erhöhen die Produktivität und verbessern die Unternehmensbilanz. Einige Anregungen zur Arbeitswelt 2.0.

» Von Michael Kurzidim , 18.12.2014 08:54.

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Das Gehalt ist für die meisten Schweizer nur ein Hygienefaktor; das bestätigen Studien immer wieder. Natürlich soll es beim Arbeitsentgeld halbwegs fair und gerecht zugehen. Letztlich entscheidend aber sind andere Faktoren. Besonders bei jungen Menschen, den Top-Shots von morgen, rangiert ein überdurchschnittlich hoher Verdienst auf der Skala der persönlichen Prioritäten erst an 17. Stelle. Viel wichtiger sind ihnen eine sinnvolle und erfüllende Arbeit, eine gute Arbeitsatmosphäre und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Denkt man an den chronischen Fachkräftemangel, den demografischen Knick und die allgemein niedrige Arbeitslosigkeit, dann haben Arbeitnehmer in der Schweiz einen starken Stand und können Forderungen stellen. Schweizer Unternehmen stellen sich darauf ein und locken hoch qualifizierte Mitarbeiter mit Lohnnebenleis­tungen, sogenannten «Fringe Benefits». Gratisgetränke, vergünstigte Mittagessen in der Betriebskantine und kostenlose Smartphones gehören dabei fast schon zum Standardrepertoire.

Kuschel-HP - lohnt sich das?

HP Schweiz hat vor einem Jahr massiv in das Wohlbefinden seiner Angestellten investiert und bietet seitdem Massagen und Lifekinetik-Kurse an – während der Arbeitszeit wohlgemerkt. Die Ansprüche der derart gehätschelten Mitarbeiter steigen jedoch. Die erwünschte Mitarbeiterbindung der Fringe Benefits verpufft, sobald eine andere Firma noch etwas drauflegt. Der Zuschuss von 150 Franken zum Generalabonnement sei etwas zu gering, meint etwa Sabine Do-Thuong, die als Senior Software Engineer bei AdNovum arbeitet. Ihr vorheriger Arbeitgeber habe zusätzlich fast die komplette Krankenkassenprämie für sie bezahlt.

Spass als Erfolgsfaktor

Eine als sinnvoll erlebte Arbeit, grosser Gestaltungsspielraum, Nebenleistungen und insgesamt ein attraktiver Arbeitsplatz mausern sich zum Wettbewerbsfaktor im Kampf um die Talente. Nur mit den Scheinchen zu wedeln, reicht nicht mehr. «Auch für eine Million Franken möchte ich nicht jeden Tag einer Arbeit nachgehen, die mir keinen Spass macht», meint Software-Ingenieurin Do-Thuong. Ein attraktiver Arbeitsplatz aber fängt bei ganz elementaren Dingen wie der Raumausstattung und -aufteilung an. Bereits dort kann man vieles falsch machen.

«Im Home Office besteht die Gefahr, sich selbst auszubeuten»

Philip Vanhoutte rät, den Arbeitsplatz auf die Tätigkeit abzustimmen, und nennt seine vier «C»: Communicate (kommunizieren/zusammenarbeiten), Contemplate (nachdenken/erholen), Collaborate (besprechen/Ideenfindung) und Concentrate (konzentrieren/fokussieren). Je nach anstehender Arbeit sieht der ideale Arbeitsplatz ganz anders aus; Mitarbeiter müssen je nach Tätigkeit wechseln dürfen. Vanhoutte ist Senior Vice President bei Plantronics und berät in der Schweiz zusammen mit seinem Team die Credit Suisse, die Zürich Versicherungen, die Glarner Kantonalbank und Medtronics bei der Optimierung ihrer Büro­landschaften.

Das nervt am meisten

Studien des Fraunhofer Instituts IAO haben ergeben, dass sich die Mehrheit der Büroarbeiter durch Hintergrund­sprache und Telefonklingeln besonders gestört fühlen. Die Geräuschkulisse schränkt die kognitive Leistung ein und wirkt sich ausserdem negativ auf das Langzeitgedächtnis aus. Am meisten stört ein Sprachsignal mit 55 Dezibel, kombiniert mit einer hohen Sprachverständlichkeit. Verständ­liche Hintergrundsprache verführt dazu, sich auf die ungewollt mitgehörten Gespräche zu konzentrieren und seine kognitiven Aufgaben zu unterbrechen. Sprachsignale mit geringer Sprachverständlichkeit beeinflussen die Leistung dagegen weniger negativ.

Vanhoutte empfiehlt daher so praktische Dinge wie schalldämpfende Decken, Stellwände und Teppiche statt Parkett, um die Lärmbelästigung auf ein erträgliches Minimum zu reduzieren. Denn Lärm ist der Produktivitätskiller Nummer eins. Zusammen mit einem Bündel weiterer das Büro optimierender Massnahmen, die Vanhoutte gemeinsam mit dem Wirtschaftsjournalisten Guy Clapperton im «Smarter Working Manifest» niedergelegt hat, zahlen sich derartige Investitionen für Unternehmen auch finanziell aus.

Der Headset-Anbieter Plantronics hat «Smarter Working» seit 2010 schrittweise in die Tat umgesetzt. Seitdem sind die freiwilligen Kündigungen von 15 auf 3,2 Prozent zurückgegangen, die Fluktuationsrate sank von 12 auf 2 Prozent, die Fehlzeiten gingen von 12,7 auf 3,5 Prozent zurück. Durch die konsequente Einführung von Home Office und Mobile Office konnte die Plantronics-Niederlassung in Grossbritannien ihre Büroräume von 4407,3 auf 1965,3 Quadratmeter reduzieren und dadurch pro Jahr 400000 US-Dollar an Immobilienkosten einsparen (vgl. Vanhoutte/Clapperton, Das Smarter Working Manifest, Seite 246f).

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