Do's and Don'ts bei Social-Media: mit dem Chef muss man nicht befreundet sein

Was ist zu tun, wenn der Chef eine Freundschaftsanfrage bei Facebook schickt? Arbeitsrechtler Wedde erklärt, wie man sich bei Social Media verhält, ohne die Kündigung zu riskieren.

» Von Bettina Dobe, Tecchannel.de *, 20.10.2014 12:21.

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* Dieser Artikel erschien ursprünglich in unserer Schwesterpublikation «Tecchannel.de». Die Resultate und Urteile sind deshalb auf Deutschland bezogen, allerdings auf die Schweiz übertragbar.

Über Freundschaftsanfragen bei Facebook, Kontaktanfragen bei Xing oder neue Follower bei Twitter freut sich fast jeder. Aber was, wenn sich auf einmal Arbeit und Privates vermischen? Wenn der Chef - oder der neue Mitarbeiter - einem die Freundschaft anbietet? Plötzlich befindet man sich auf dünnem Eis, denn Fehlverhalten auf Social-Media-Plattformen kann sogar in einer Kündigung enden. Den Chef ganz zu ignorieren, kann gefährlich sein.

Für viele Berufstätige ist die Sachlage klar: Insgesamt würden 57 Prozent der in Social-Media-Netzwerken Aktiven eine entsprechende Anfrage ihres Chef auf keinen Fall (37 Prozent) oder wahrscheinlich nicht (20 Prozent) annehmen. Dies ergab eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom unter 430 Internetnutzern.

Darf der Chef das?

Vielen ist die Situation unangenehm. Aber darf der Vorgesetzte überhaupt eine Freundschaftsanfrage bei Facebook schicken? Arbeitsrechtler und Experte für Datenschutzrecht Professor Peter Wedde hat da so seine Zweifel: «Das liegt im klassischen Graubereich.» Der eigene Facebook-Account ist privat, und eine Freundschaftsanfrage könnte so aufgefasst werden, als würde man den Mitarbeiter unangemessen behelligen. Aber entscheidender ist: «Der Mitarbeiter ist in gewisser Weise vom Chef abhängig», sagt Wedde. «Eine Freundschafsanfrage schafft deshalb eine unangenehme Kommunikationssituation. Ein guter Chef sollte auf solche Anfragen verzichten.» Auch wenn es rechtlich gesehen kein echtes Verbot gibt.

Zwar gibt es die Möglichkeit, den Chef als Freund hinzuzufügen und ihn nicht alle Statusupdates sehen zu lassen - oder die Anfrage einfach zu ignorieren. Auch dabei wird es knifflig. Wenn ein Chef schon so übergriffig ist und nicht erkennt, dass eine Freundschaftsanfrage an einen Mitarbeiter fehl am Platz ist, kann es passieren, dass eine Nachfrage kommt á la: «Sie haben mich ja immer noch nicht hinzugefügt.» Da könne man nur auf eine Art reagieren, rät der Arbeitswissenschaftler: «Chef, bitte sei mir nicht böse, aber ich will mein Privatleben von meinem Beruf trennen.» Gute Chefs verstehen das.

Ablehnen geht oft nicht

Gleichzeitig, fügt Wedde abwägend hinzu, könne nicht jeder Mitarbeiter so reagieren. «Die Frage ist: Wie sicher ist man in seinem Job?» Wer um seinen Job bange oder in der Probezeit sei, mache alle möglichen Dinge, die nicht gerade weise seien, sagt Wedde. Dazu gehört auch, den Chef bei Facebook hinzuzufügen. Die Umfrageergebnisse der Bitkom-Studie geben dem Datenschutzexperten Recht. Fünf Prozent der Befragten sind bereits mit ihrem Chef auf Facbeook und Co. befreundet, neun Prozent würden wahrscheinlich einer Anfrage zustimmen und ganze 15 Prozent geben in der Umfrage an, dass sie nicht wissen, was sie täten, wenn der Vorgesetzte eine Anfrage stellt.

Sollte ein Mitarbeiter seinem Chef eine Freundschaftsanfrage schicken? Das hänge davon ab, was man bei Facebook kommuniziere, meint Wedde. «Wenn ich mein Profil professionell ausrichte, ist es kein Problem.» Wenn man es allerdings als «universelles Kommunikationsmittel» auch für den privaten Bereich benutze, sollte man eher davon absehen. Wedde gibt ein Beispiel: Postet ein Freund auf der Facebook-Seite Sprüche wie «Du hast aber gestern ganz schön gesoffen» und man ist in der Arbeit am nächsten Tag tatsächlich nicht leistungsfähig - oder gar nicht anwesend -, kann das Konsequenzen haben, wenn der Chef es sieht.

Wer mit Kollegen, nicht mit dem Chef, befreundet sein möchte, sollte bedenken: Was passiert mit der Freundschaft, wenn der Kollege auf einmal befördert wird? «Dann stellt sich die Frage, ob man den neuen Chef nicht doch aus der Freundschaftsliste entfernen sollte, denn als Chef sollte man bestimmte Sachen einfach nicht von seinen Mitarbeitern wissen», sagt Wedde. Viele Arbeitnehmer posteten auf Facebook schon mal Kommentare wie «Genervt vom Büro» oder Fotos von ausufernden Partys, sagt Wedde. «Aber all das geht den Chef nichts an - zumal es auch rechtliche Konsequenzen haben kann.»

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