Zu wenig Nachwuchs in der IT-Branche

Bis ins Jahr 2020 fehlen in der Schweiz 25000 Fachkräfte, vor allem, weil zu wenige ausgebildet werden. Doch wer soll dafür die Verantwortung übernehmen? Das Gerangel ist gross: Die Grundschulen sollen nicht, FH und Uni können nicht und die Grossunternehmen wollen nicht.

» Von Fabian Vogt , 17.10.2012 08:43.

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Sie ist jung, intelligent und ein IT-Profi: Stefanie Wehrle hat eine glänzende Zukunft vor sich. Erstmals schloss mit der 21-Jährigen eine Frau die ICT-Berufsbildung in Zürich als Jahrgangsbeste ab und kann so vielleicht eine Vorreiterrolle für das weibliche Geschlecht einnehmen, das mit einem Anteil von 13 Prozent im ICT-Beruf nach wie vor stark untervertreten ist.

Damit ist Wehrle einer von geschätzt 1500 jungen Menschen, die in diesem Jahr eine IT-Lehre abgeschlossen haben. Und der Markt braucht sie. Bis ins Jahr 2020 werden der ICT bis zu 25'000 Fachkräfte fehlen, prognostiziert eine im Herbst erscheinende Studie von ICTswitzerland, dem Dachverband der wichtigsten Verbände und Organisationen des schweizerischen Informatik- und Telekomsektors.

Das in einer Industrie, die für die Schweiz immer wichtiger wird: 177'000 Personen gehen gemäss der Studie aktuell einer Tätigkeit im ICT-Bereich nach und generieren dabei eine Wertschöpfung von 28,3 Milliarden Franken pro Jahr. Das sind knapp 5 Prozent der gesamten Schweizer Volkswirtschaft und deutlich mehr als beispielsweise in der chemischen Industrie (21,3 Milliarden Franken). Betrachtet man die Rolle der IT über die reinen Spezialisten hinaus, wird der Sektor sogar noch wesentlich wichtiger: «Knapp drei Viertel aller Berufstätigen in der Schweiz sind Informatikanwender», sagt Carl August Zehnder, emeritierter Professor für Informatik der ETH Zürich.

Verwässerung des Problems

Es gibt auf den ersten Blick einige Möglichkeiten, dem Arbeitskraftmangel entgegenzuwirken, doch bei genauerem Hinschauen verschieben diese das Problem nur. Beispielsweise bringt es nichts, flächendeckend IT-Spezialisten aus dem Ausland mit hohen Löhnen zu locken, dann fehlen die Fachkräfte einfach dort. Denn es ist nicht so, dass es dem Ausland in dieser Hinsicht besser geht. Informatikanwender zu IT-Spezialisten umzuschulen, bringt nur in Einzelfällen wirklich etwas. Insgesamt gibt es aber noch immer zu viele Quereinsteiger in der Informatik und diese adaptieren neue Entwicklungen weitaus lang­samer als diejenigen, die über ein breit gestreutes Fachwissen verfügen. Zudem fehlt vielen von ihnen die Grundausbildung, was ihre Berufsmöglichkeiten später schmälert.

Am kosteneffizientesten, nachhaltigsten und damit sinnvollsten ist es, den Markt mit jungem, gut ausgebildetem IT-Nachwuchs zu stärken. Dieser würde nicht nur ein aktualitätsbezogenes Wissen mitbringen, sondern sich dank seines Backgrounds auch in der schnelllebigen Technikwelt besser zurechtfinden – etwas, das vielen «Alteingesessenen» schwer fällt. Salopp gesagt: Sie wären nicht nur jünger, sondern wüssten auch besser Bescheid – und würden erst noch weniger kosten.

Diese Tatsache wurde bereits vor einiger Zeit erkannt, seit Jahren diskutieren darum Politiker, Unternehmen und Behörden darüber, wie man junge Menschen für die IT begeistern kann. Bei diesen Diskussionen ging es jedoch zu lange um Schuldzuweisungen und dabei wurde eines verkannt: Die IT-Ausbildung in der Schweiz hat ein Strukturproblem, das in der Grundschule beginnt, sich in der restlichen Schulzeit fortsetzt und in den Unternehmen vorgelebt wird.

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