Wie Frauen an die IT-Spitze kommen - und dort bleiben

Nur langsam erobern Frauen Führungspositionen im IT-Umfeld. Woran liegt das? Fürchten sie sich vor der Macht? Oder beherrschen sie das Selbst-Marketing nicht? Vier erfolgreiche IT-Managerinnen erzählen, was sie von gängigen Vorurteilen halten und wie sie gelernt haben, sich durchzusetzen.

» Von Ingrid Weidner *, Tecchannel.de, 25.04.2014 11:40.

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* Ingrid Weidner ist freie Journalistin in München

Weder jeder ambitionierte Mann noch jede talentierte Frau schafft den Aufstieg, daran ändern auch Quoten und Netzwerke nichts. Es gibt einfach zu wenige Jobs an der Spitze. «Hindernisse gibt es für jeden, der Karriere machen möchte», weiss Anke Sax. Die promovierte Betriebswirtin leitet bei der Commerzbank in Frankfurt am Main die IT-Steuerung und bringt 25 Jahre Berufserfahrung im IT- und Bankensektor mit.

Es kommt immer wieder vor, dass selbst gut qualifizierte Frauen sich Chancen verbauen. «Frauen freuen sich über eine neue Aufgabe, fragen aber nicht nach mehr Gehalt.» Das sei ein typischer Fehler, der kaum einem Mann passiere, erzählt Anke Sax. Ausserdem zögerten immer noch viele qualifizierte Mitarbeiterinnen, ihre Karriere strategisch zu planen. «Leider gehen junge Frauen das Thema auch nicht forscher an», bedauert die Managerin. Einen Grund für dieses zögerliche Verhalten sieht Sax im gesellschaftlichen Rollenmodell. Während von Jungs erwartet werde, dass sie Karriere machen, gebe es für Mädchen immer noch die Familie als Alternative.

Interessante Positionen sind begehrt und wer lange zögert, ist schnell aus dem Rennen. «Die Tür für eine neue Aufgabe öffnet sich nur eine Zeitlang. Deshalb ist es wichtig, seine Ziele zu kennen und Chancen zu nutzen», gibt Annette Suckert zu bedenken. Seit 2009 hat sie die Position des CIO beim Energieversorger Badenova in Freiburg inne. Ausserdem gehört sie seit 2012 zur Geschäftsführung von E-MAKS, einem ausgegründeten Dienstleistungsunternehmen von Badenova, das Abrechnungen für Kunden erstellt.

Suckert lernte früh, für eigene Interessen zu kämpfen, denn mit einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder war sie es gewohnt, sich durchzusetzen. Ihre Eltern musste sie beispielsweise davon überzeugen, dass sie auf ein privates Mädchengymnasium wechseln durfte, das sie sich ausgesucht hatte. Nach der Schule entschied sie sich für eine Ausbildung zur Bauzeichnerin in der Bodenordnung, bildete sich kontinuierlich weiter und wechselte bei ihrem ersten Arbeitgeber, einem Energieversorger, in die EDV-Abteilung, wie das in den 1980er Jahren noch hiess.

Früh erkannte Annette Suckert, wie wichtig Netzwerke, aber auch Mentoren im Unternehmen sind. Als sich 1987 ein spannendes IT-Projekt und damit eine neue Herausforderung bot, griff sie zu. «Ich war damals diejenige, die hohe Ansprüche an sich selbst hatte, denn ich habe mich gefragt, ob ich wirklich gut genug bin.» Glücklicherweise ermutigte sie ihr Chef, denn der erfahrene Manager traute ihr die neuen Aufgaben zu. Mit Mitte 20 und als einzige Frau im IT-Umfeld übernahm sie bald ihre erste Teamleitung. Als sich keine neue Perspektive bot, kündigte Suckert und wechselte zu Badenova.

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