Überstunden: Seco weitet Kontrollen aus

Das Seco kontrolliert künftig wesentlich genauer, ob die Arbeitszeiterfassungspflicht der Unternehmen eingehalten wird. In der IT-Branche wird derweil diskutiert, ob die Kompensation in Lohn oder Freizeit erfolgen soll.

» Von Fabian Vogt , 06.05.2014 16:58.

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Die Schweiz, ein Volk von Krampfern? 40 Prozent aller Arbeitnehmer haben im März mehr gearbeitet, als vertraglich vereinbart, sagt eine Studie der Gewerkschaft Syna. Und 14 Prozent aller Arbeitnehmer hätten die Mehr­arbeit nicht entschädigt erhalten. Für Syna-Präsident Kurt Regotz ist dies ein Skandal. Er rechnet aus, dass die nicht bezahlte Mehr­arbeit, in Beziehung gesetzt zu Überstunden, dem Bruttomedianlohn und der betriebsüblichen Arbeitszeit, aufs Jahr gerechnet eine Milliarde Franken ergäbe, die Schweizer Arbeitnehmern vorenthalten bleibt. «Hier werden tausende Arbeitnehmende um ihre erkrampfte Entschädigung oder um die Kompensation von geleisteter Mehrarbeit gebracht! Und die AHV wird zudem um wichtige Einnahmen geprellt», sagt Regotz.

Die Syna fordert darum, dass die geplante Abschaffung der Arbeitszeiterfassung nicht umgesetzt wird. Arno Kerst, Vizepräsident Syna, sagt: «Nur wer seine Arbeitszeit erfassen kann, hat Anspruch darauf, gerecht und fair entlohnt zu werden. Notierte Arbeitszeit ist die Basis, um geleistete Mehrarbeit kompensieren zu können und Bedingung für eine faire Entlohnung und gesundes und sicheres Arbeiten.»

Mehrarbeit in der IT

Mehrarbeit ist auch in der IT ein Thema, das ist in unserer kürzlich erschienen Spezialausgabe «Swiss IT» nachzulesen. Laut Andrej Vckovski, CEO von Netcetera, erfassen die Mitarbeitenden der ICT-Branche ihre Mehrarbeit bereits. Er stellt jedoch die Frage nach der Art der Kompensation. «Ich denke, dass in der ICT weniger das Nichtbezahlen der Mehrarbeit ein Problem ist, als die damit einhergehende Mehrbelastung. Oftmals lässt der Projektdruck und Fachkräftemangel nur eine finanzielle Kompensation zu, was wiederum der Erholung abträglich ist.» Bei Netcetera würde darum durch konstantes Monitoring und Motivation zur Kompensation versucht, die Akkumulation von Überzeit zu verhindern. Aus­serdem könne die Erfolgsbeteiligung in der Regel auch in Form von zusätzlichen Ferientagen bezogen werden. Ruedi Noser, Chef von rund 500 Angestellten und Präsident von ICTswitzerland, stimmt Vckovski zu: «Mitarbeiter sollen ihre Zeit, in der sie arbeiten, aufschreiben und kompensieren können».

Strengere Kontrollen

Grund für die Diskussion ist eine Weisung des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Seit dem 1. Mai 2014 kontrollieren deren Inspektoren wesentlich genauer, ob Arbeitszeiten aufgeschrieben werden, Ausnahmen gibt es lediglich für bestimmte Kaderleute. Denn obwohl die Arbeitszeiterfassung gesetzlich schon längst vorgeschrieben ist, haben viele Firmen bisher darauf verzichtet. Der Aufwand ist ihnen zu gross. Wer definiert beispielsweise, ob ein Auslandsflug als Arbeitszeit zählt? Und wann beginnt die Arbeitszeit, wenn auf dem Smartphone sowohl private- wie auch berufliche Emails gelesen werden? Das Seco hat diese Problematik erkannt und beschlossen, die Weisung noch einmal zu überprüfen. Resultate werden nicht vor 2015 erwartet.

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