Schweiz hat Vorbildpotenzial

Ken Schwaber gilt als Pionier der agilen Software-Entwicklung. Seine Vision: Die Scrum-Methode als generelle Arbeits- und Denkweise zu verankern. Im Rahmen der Java-Entwickler-konferenz Jazoon, deren Medienpartner Computerworld ist, erklärt er, wie er dies erreichen will.

» Von Rainer Grau, 17.01.2011 06:00.

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Der Autor ist Manager Education Center und Partner von Zühlke Engineering AG

Sie haben letztes Jahr scrum.org gegründet. Was wollen Sie damit erreichen?

In erster Linie möchte ich damit die derzeitigen Probleme in der Software- und Produktentwicklung angehen. Scrum wird heute von vielen Unternehmen eingesetzt, in der Praxis sind auch fundierte Kompetenzen vorhanden. Wir haben jedoch auch Mängel geortet – insbesondere in den Bereichen Risikomanagement und Qualitätskontrolle. Zudem scheint es für viele Entwickler und Manager noch schwierig zu sein, die Werkzeuge richtig einzusetzen. Ich möchte mit der Community der Software-Entwickler zusammenarbeiten, um die professionelle Software-Entwicklung zu verbessern. Dies ist dringend notwendig, denn die Anforderungen an unseren Berufsstand und an unsere Gesellschaft nehmen zu. Die Bevölkerungszahl steigt, die Komplexität wächst, wir orientieren uns zunehmend international, arbeiten enger zusammen und die Produkte werden immer ausgereifter und komplexer. Wenn wir in diesem Umfeld Produkte von hoher Qualität entwickeln wollen, müssen wir unsere Kompetenzen weiter verbessern.

Sind Sie mit dem Erfolg zufrieden?

Ich habe gemischte Gefühle. Scrum ist keine schnelle Autobahn. Wir befinden uns vielmehr auf einer langen Reise. Ich bin sehr glücklich über die breite Akzeptanz und die Erfolge, die verschiedene Projekte und Organisationen damit verzeichnen konnten – und erschüttert über die Misserfolge. Vielen Unternehmen ist es nicht gelungen, die Vorteile von Scrum zu nutzen. Zudem sind viele Organisationen trotz ihrer Erfolge wieder in alte Praktiken zurückgefallen – sie haben Scrum offenbar als reines Werkzeug verstanden. Doch hinter dem Konzept steckt weitaus mehr. Scrum hat massgebliche Auswirkungen auf unsere Kultur. Die Anwendung der Methode transformiert die industrielle Gesellschaft in eine komplexe, integrierte Gesellschaft, die von einer engen Zusammenarbeit geprägt ist. Dies bedingt neuartige Strukturen, eine veränderte Denkweise und andere Formen der Arbeitsorganisation. Die Situation erinnert mich an die Zeit von Abraham Lincoln. Er dachte, wenn er die Probleme der Rassendiskriminierung löst, könne er das Land zusammenhalten. Doch der Prozess der kulturellen Veränderung hält immer noch an. Ähnlich verhält es sich mit Scrum, ganz nach dem Motto von Sherlock Holmes: «Das Spiel ist im Gang.»

Sie haben erwähnt, dass es oft am Qualitätsmanagement und am richtigen Einsatz der Werkzeuge mangelt. Was tun Sie dagegen?

Gemeinsam mit Fachkräften, die über hohe Kompetenzen in der Produkt- und Software-Entwicklung verfügen, entwickeln wir Programme und bieten sie einer breiten Community an. Die Entwickler liefern das spezifische Wissen im Engineering, wir bringen das Scrum-Know-how ein. So wollen wir das Wissen anderer Organisationen nutzen, um eine Hebelwirkung zu erzielen. Damit können wir unsere Kompetenzen vertiefen und erweitern.

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