Jobprofil - der neue CIO

Die IT befindet sich in Zeiten des Umbruchs: CIOs übernehmen Business-Verantwortung, CFOs führen die IT-Abteilung. Wie bereiten sich IT-Verantwortliche am besten auf ihre neue Rolle vor und an welchen Kompetenzen müssen sie noch feilen, wenn sie in Zukunft erfolgreich sein wollen?

» Von Michael Kurzidim , 18.07.2012 11:30.

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Fakt ist: Die Rolle des CIOs in Schweizer Unternehmen wandelt sich. Der neue Chief Information Officer ist – idealerweise – ein multidimensionaler, hybrider Tausendsassa. Man könnte auch sagen, er sitzt zwischen allen Stühlen und soll auf allen Hochzeiten tanzen. Business Alignment, reibungsloser IT-Betrieb, innovative Geschäftsmodelle und Cloud-Kompetenz – das sind nur einige der Eckpfeiler, zwischen denen der oberste Technikchef tagtäglich seinen akrobatischen Drahtseilakt aufführt. Fakt ist aber auch: Die IT-Abteilung eines Schweizer Unternehmens ist immer noch eine technische Geschäftseinheit. Viele CIOs haben eine technische Ausbildung absolviert oder ein Diplom in Informatik erworben. Joe Tucci, Chef des Speichergiganten EMC, begann seine Karriere als Assembler-Programmierer. Das ist alte, harte und arbeitsreiche Schule, denn tiefer in die Innereien der Technik hinabtauchen kann man nicht mehr.

Aufbruch über den Tellerrand

Trotzdem hat sich seit Tuccis erfolgreichem Karrieresprint an die Spitze von EMC einiges geändert. Assembler-Programmierern wird nachgesagt, sie sähen den Wald vor lauter Bäumen nicht – was in gewisser Weise stimmt. Mit dem Prozessor per Du, das funktioniert heute nicht mehr. Den Luxus, sich tief in ein Problem hineinzuwühlen, selbst Hand anzulegen, wenn es nötig ist, kann sich der IT-Chef nicht mehr leisten. Er muss stattdessen den Überblick wahren, alternative Beschaffungsmodelle in Erwägung ziehen, Geschäftsprozesse optimieren und sein Team motivieren.

CIOs, die von Technik wenig Ahnung haben, werden Optionen falsch einschätzen, in Folge Fehlentscheide fällen und letztlich kläglich scheitern.

Technikhäuptlinge, die auf dem Business-Auge blind sind, aber auch. Denn sie sehen alles zweidimensional. Assembler-, C- oder Java-Programmierung schadet nicht, Hardware-Klempnerei nützt, ist nicht obsolet, sondern eine unverzichtbare Voraussetzung. Aber das reicht nicht mehr, hat eigentlich zu
keiner Zeit gereicht, um die Karriereleiter zu erklimmen. Wo also liegt der relevante Unterschied zwischen gestern, heute und morgen?

Ray Wang, Chef des Marktforschers Constellation Research, spielt kreativ mit dem Akronym «CIO» und arbeitet so vier Rollen heraus, die IT-Entscheider künftig beherrschen müssen. Der CIO der Zukunft ist zuallererst «Chief Infrastructure Officer», das heisst, die IT muss laufen. Viele Technikoberhäupter spielen in dieser klassischen Rolle, etwa 65 bis 70 Prozent der IT-Budgets gehen dafür drauf. Die zweite Rolle nennt Wang «Chief Integration Officer». Sie versucht, bewährte Legacy- und On-Premise-Systeme mit den neuen Cloud-Initiativen zu verheiraten – oft mehr eine Vernunft- als eine Liebesheirat. Der dritte Gefährte im Bunde, der «Chief Intelligence Officer», muss mit durchschnittlich 10 bis 15 Prozent aus dem IT-Gesamttopf auskommen und behält Trends wie «Big Data» und Business Intelligence im Auge. Der «Chief Innovation Officer» schliesslich setzt selbst Trends im eigenen Unternehmen und bekommt dafür rund 5 bis 10 Prozent vom Gesamtbudget. Nach Wang ist der CIO der Zukunft alles zugleich.

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