Fehler, die Firmen beim Rekrutieren begehen. Und wie die sich rächen.

Läuft der Recruiting-Prozess schlecht, bekommen Bewerber einen negativen Eindruck von der Firma - und geben ihn weiter.

» Von Bettina Dobe, Tecchannel.de *, 02.12.2014 15:39.

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Dieser Artikel wurde ursprünglich in unserer Schwesterpublikation «Tecchannel.de» veröffentlicht.

Vier von fünf Bewerbern erzählen im Bekanntenkreis von ihren Recruiting-Erlebnissen, und jeder Vierte teilt die Erfahrung auf Facebook, Twitter und Co. mit. Auch Arbeitgeberbewertungsplattformen wie kununu sind eine beliebte Möglichkeit, dem Frust - oder der Begeisterung - Raum zu geben. "«Eine überdurchschnittlich positive Candidate Experience steigert die Imagewahrnehmung, wohingegen eine negative Candidate Experience das Arbeitgeberimage massiv schädigen kann.» Diesen Schluss ziehen die Unternehmensberatung meta HR und das Jobportal Stellenanzeigen.de in der «Candidate Experience Studie 2014», an der 1379 Personen teilnahmen. Wissenschaftlich begleitet wurde sie von der HTWK Leipzig.

So verliert man Talente

Gute Bewerber würden sich wegen negativer Candidate Experience erst gar nicht für das Unternehmen interessieren. «Andere Kandidaten nehmen von sich aus Abstand von ihrer Bewerbung und ziehen diese zurück. Alles in allem kostet dies die Unternehmen Geld, und die Talente wenden sich Wettbewerbern zu», heisst es in der Studie. Nur 13 Prozent derjenigen, die den Bewerbungsprozess als negativ bewerten, würden sich bei dem betreffenden Unternehmen noch einmal bewerben. Egal, wie gut das Employer-Branding-Konzept ist: Je negativer die Erfahrungen im Bewerbungsprozess, desto weniger Bewerber hat ein Unternehmen auf freie Stellen.

Eine Recruiting-Abteilung hat viele Möglichkeiten, den Kandidaten ein gutes oder aber auch schlechtes Bild der Firma zu vermitteln Als negativ werden etwa Online-Bewerbungsformulare wahrgenommen: Jeder zehnte Bewerber lehnt sie ab und verzichtet im Zweifel auf eine Bewerbung, so die Studie.

Für einen positiven Eindruck sorgt dagegen Geschwindigkeit: Je rascher eine Stelle besetzt wird, desto positiver kommt das beim Bewerber an. Je länger sich der Bewerbungsprozess hinzieht, desto höher ist die Gefahr, dass beim Bewerber ein negativer Eindruck entsteht und bleibt. So schreibt einer der Umfrageteilnehmer: "Einfach zu lange keine Antwort vom Arbeitgeber. Deswegen habe ich meine Bewerbung zurückgezogen." Das ist kein Einzelfall: Laut Studie sind 21 Prozent der Befragten schon einmal von einer Bewerbung zurückgetreten, weil es ihnen schlicht zu lange gedauert hat, bis man sich um sie gekümmert hat. Auch wenn Entscheidungen über Stellenbesetzungen nicht immer rasch getroffen werden können, sollte man die Bewerber per Mail über den Zwischenstand informieren.

Die Kunst des Absagens

Klar ist, dass eine Absage nicht positiv aufgenommen wird und sie automatisch die Meinung des Bewerbers beeinträchtig. Aber die Art, wie eine Absage mitgeteilt wird, ist für das Arbeitgeber-Image entscheidend. Standardabsagen zerstören mit am stärksten den Ruf des Unternehmens. "Gerade nach absolviertem Assessment Center finde ich ein Standard-Ablehnungsschreiben als gering wertschätzend", schreibt ein Studienteilnehmer. Am wenigsten schlimm empfanden es die Bewerber, wenn sie einen individuellen Brief bekamen, in dem die Gründe für die Ablehnung persönlich erläutert wurden. Werden ihnen die Ablehnung per Mail oder Anruf mitgeteilt, haben die Betroffenen immer noch einen recht positiven Eindruck vom Unternehmen.

Der grösste Fehler, den Unternehmen begehen können, ist es allerdings, den Bewerber gar nicht zu informieren und keine Absage zu schicken. Laut Studie ist das mehr als jedem vierten Bewerber schon passiert.

Unternehmen geben sich, so ein weiteres Ergebnis der Studie, nur selten Mühe, Bewerber in ihren Bedürfnissen zu verstehen oder zu respektieren. Nur 14 Prozent der deutschen Unternehmen fragen Kandidaten, wie zufrieden sie mit dem Recruitingprozess sind. Dabei empfinden es die meisten Bewerber als wertschätzend, wenn sie um ein Feedback zum Bewerbungsverfahren gebeten werden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: 5 Tipps für eine gute Candidate Experience

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