So schützen Sie Ihre IT vor einem Strom-Crash

Störungen oder Ausfälle der Stromversorgung können IT-Systeme empfindlich treffen. Eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) verhindert dann das Schlimmste.

» Von Stephan Lamprecht, «com-magazin» *, 31.08.2015 06:51.

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Versorgungsunternehmen und unabhängige Experten prophezeien als Preis für die Energiewende und einen verschlafenen Netzausbau instabile Netze und länger andauernde Stromausfälle. Bereits heute soll es in Ballungsräumen zu 15 Ausfällen jährlich kommen – mit Ausfallzeiten zwischen fünf Minuten und einer Stunde. Umso wichtiger wird für die elektronischen Systeme in Unternehmen eine «unterbrechungsfreie Stromversorgung», kurz «USV».

Folgenschwerer Stromausfall

Bereits der Ausfall eines Transformators in der Nähe oder die Abschaltung eines Teilnetzes in der Region kann die Unternehmens-IT empfindlich treffen. Wenn der Computer etwa während des Speicherns einer Datei plötzlich abgeschaltet wird und die Datei anschliessend unlesbar ist, kann sich die Arbeit von Stunden binnen Sekunden in nichts auflösen. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann auch teuer werden. Denn aus Gründen der «Compliance» müssen möglicherweise Änderungen an Dokumenten lückenlos protokolliert werden, was dann nicht mehr möglich ist. Bestimmte Daten müssen von Gesetzes wegen sogar ausdrücklich gegen unbeabsichtigte Veränderungen geschützt werden. Technisch bedingte Verstösse gegen die gesetzlichen Rahmenbedingungen können hohe Geldbussen nach sich ziehen.

Hinzu kommen die bei einem Stromausfall vorprogrammierten Datenverluste. Und selbst wenn man davon verschont bleibt, geht ein Ausfall der Stromversorgung ins Geld. Denn bis ein Server wieder ordnungsgemäss hochgefahren ist, stehen die Systeme nicht zur Verfügung – in dieser Zeit kann kein Umsatz gemacht werden, etwa weil die Kommunikation mit dem Online-Shop gestört ist.

Professionelle «USV» verhindern Geräteschäden

Die beschriebenen Schäden verhindern können Geräte, die eine unterbrechungsfreie Stromversorgung garantieren. Sie versorgen die angeschlossenen Verbraucher für einen eher kurzen Zeitraum mit Strom - Zeit, um das System ordnungsgemäss herunterzufahren.

Wie gross der Zeitraum ist, den die «USV» überbrücken kann, ist von der angeforderten Leistung und der internen Batteriekapazität abhängig. Die Laufzeit muss allerdings mindestens so lang sein, wie die verbundenen Systeme für das kontrollierte Herunterfahren benötigen. Ein E-Mail-Server mit einer Reihe von Konten benötigt dafür schon mal bis zu 20 Minuten.

Zu einer professionellen «USV» gehört eine Software, die den versorgten Server auch herunterfährt. Fehlt diese, verzögert die «USV» letztlich nur für die Dauer der Überbrückungszeit die Probleme, die sich durch den Stromausfall ergeben.

Die begrenzte Versorgungsdauer unterscheidet eine «USV» von einem Notstromaggregat, dessen Aufgabe die Stromversorgung über einen längeren Zeitraum ist. Dieser wird nur durch den zur Verfügung stehenden Treibstoff begrenzt, mit dem das Notstromaggregat betrieben wird.

Ein vollständiger Stromausfall ist das augenscheinlichste Problem mit der Stromversorgung. Auf die empfindliche Elektronik in IT-Systemen warten aber noch andere Gefahren. Werden die Verbraucher nicht gleichmässig versorgt, drohen Fehlfunktionen und sogar Schäden an der kostspieligen Mikroelektronik.

 

Gefahren, vor denen «USV» schützen

VFD (Offline-USV)

VI (Line-interactive)

VFI (Online-USV)

Netzausfälle über 10 Millisekunden

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Spannungsschwankungen

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Spannungsspitzen

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Unter-/Überspannungen

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Blitzeinwirkung

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Spannungsstösse

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Gefährlich sind unter diesem Aspekt sowohl Über- wie Unterspannungen. Blitzeinschläge in das (Haus-)Netz oder die unmittelbare Nachbarschaft lassen die Netzspannung binnen Millisekunden so stark ansteigen, dass angeschlossene Geräte dauerhaft Schaden nehmen. Durch sogenannte induktive Kopplungen können davon alle elektrischen Leiter innerhalb eines Gebäudes betroffen sein, also nicht nur die Stromversorgungsleitungen, sondern auch Daten- und Telefonleitungen. Das ist der Grund, warum nach einem Blitzeinschlag auch Systeme beschädigt sein können, die sich gar nicht im selben Stromkreis befunden haben.

Doch auch Schwankungen in die andere Richtung verursachen Pro­bleme. Eine Unterversorgung, die sich bei der klassischen Glühbirne in einem kurzen Flackern äussert, führt bei einem Computer zum Neustart oder Abschalten. Virtualisierte Systeme sind ab diesem Moment nicht mehr verfügbar, Datenverluste also unausweichlich. Eine zweite wichtige Aufgabe vieler «USV»-Systeme besteht deshalb darin, die Netzspannung für die angeschlossenen Geräte zu stabilisieren. Schwankungen, egal in welche Richtung, werden ausgeglichen.

Grundsätzlich sind für die Stromversorgung in den kommenden Jahren wenig technische Änderungen zu erwarten. Die Bedrohungen werden also im Wesentlichen die gleichen bleiben:

  • Stromausfälle
  • Spannungseinbrüche
  • Spannungsstösse
  • Unterspannung
  • Überspannung
  • Blitzeinwirkungen
  • Schaltspitzen

Vor diesem Hintergrund lautet die Fragestellung also nicht, ob die Unternehmens-IT eine «USV» benötigt, sondern wie ein wirkungsvoller Schutz aufgebaut wird.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: «Die drei Geräte-Klassen gängiger «USV»-Lösungen»

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