Rechtstipp – Urheberrecht: Was geht, was nicht?

Darf man im Netz gefundene Bilder alle einfach mit Quellenangabe verwenden? Warum ist das Filmen im Kino nicht verboten? Und was will eigentlich das Urheberrecht?

» Von Simon Schlauri, 08.08.2016 14:30.

Kürzlich wurde ich gefragt, ob ein Unternehmen für Offerten zur Dekoration Fotos aus dem Internet verwenden könne. Eine Mitarbeiterin hatte sich an der schon seit Jahren geübten Praxis gestört. Vom Chef erhielt sie auf ihre Bemerkung hin die Antwort, sie solle bitte pragmatisch sein, und überhaupt sei das gar keine urheberrechtlich verbotene Verwendung der Fotos, denn man gebe ja die Quelle an.

Als Jurist finde ich, dass es für Unternehmen selbstverständlich sein sollte, sich über die rechtliche Situation bei der Verwendung von Bildern und anderen Werken Gedanken zu machen. Die «Schnauze tief!»-Reaktion des Chefs passt nicht ganz in dieses Bild. Und obendrein ist seine Meinung, die Verwendung der Fotos sei bei Angabe der Quelle erlaubt, schlicht falsch. 

Aber fangen wir vorne an: Wozu gibt es überhaupt Urheberrecht? Und wie funktioniert es?

Es gibt zwei wesentliche Gründe für das Urheberrecht: Zum einen geht es um sogenannte Urheberpersönlichkeitsrechte, und zum andern um wirtschaftliche Aspekte.

Die Idee der Persönlichkeitsrechte ist recht naheliegend: Wenn Sie Autor eines Buchs sind, möchten Sie über wichtige Dinge bestimmen können. So etwa über den Zeitpunkt, zu dem Ihr Werk veröffentlicht wird. Denn die Veröffentlichung eines unfertigen Entwurfs kann unangenehm sein. Das Recht zur Erstveröffentlichung ist, neben dem Recht auf Anerkennung der Urheberschaft, eines der zentralen Urheberpersönlichkeitsrechte. 

Aus wirtschaftlicher Sicht geht es beim Urheberrecht zudem darum, Anreize zu schaffen, kreativ zu sein: Wenn wir kein Urheberrecht hätten, könnte jedermann Werke verwerten, die von Dritten geschaffen wurden. Damit hätten diese Dritten weniger Anreiz, kreativ zu sein, was wiederum gesamtwirtschaftliche Nachteile hätte. Um dies zu verhindern, hat man den Urhebern Verwertungsrechte in die Hand gegeben: Hier geht es zum Beispiel um das Recht, Kopien eines Werks herzustellen (der Jurist spricht von Werkexemplaren), um das Recht, das Werk zu verbreiten, aufzuführen (etwa im Theater), zu senden oder zugänglich zu machen. 

Wichtig im Kontext des Internets ist vor allem das Zugänglichmachen: Wer ein Werk, etwa ein Bild, ins Internet stellt, macht dieses für Dritte zugänglich. Auch das Recht, Werkexemplare herzustellen, spielt in der digitalen Welt eine grosse Rolle: Wenn ich mir beispielsweise ein Musikstück aus dem Netz herunterlade, erstelle ich damit ein Werkexemplar auf meiner Festplatte. 

Die Konstruktion des Urheberrechts scheint auf den ersten Blick etwas fremdartig. Der Laie  würde vielleicht erwarten, dass im Gesetz steht, was verboten ist. Das ist aber nicht so: Das Gesetz regelt, dass die genannten Urheber- und Verwertungsrechte allein dem Urheber zustehen, und dass man ohne die Einwilligung des Urhebers diese Rechte nicht ausüben darf. 

Natürlich soll der Urheber seine Rechte nicht nur höchstpersönlich ausüben können; das wäre nicht praktikabel. Er kann seine Rechte daher an Dritte übertragen, wie zum Beispiel verkaufen. Danach kann der neue Rechteinhaber die Rechte geltend machen, wie wenn er selber Urheber wäre. Im Weiteren kann der Urheber die Rechte auch Dritten lizenzieren: Eine Lizenz ist – einfach gesagt – ein Vertrag, in dem der Rechteinhaber darauf verzichtet, sich gegen die Nutzung durch den Dritten zu wehren. 

Nächste Seite: So entstehen Urheberrechte

Werbung

KOMMENTARE

Keine Kommentare

KOMMENTAR SCHREIBEN

*
*
*
*

Alles Pflichfelder, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.

Die Redaktion hält sich vor, unangebrachte, rassistische oder ehrverletzende Kommentare zu löschen.
Die Verfasser von Leserkommentaren gewähren der NMGZ AG das unentgeltliche, zeitlich und räumlich unbegrenzte Recht, ihre Leserkommentare ganz oder teilweise auf dem Portal zu verwenden. Eingeschlossen ist zusätzlich das Recht, die Texte in andere Publikationsorgane, Medien oder Bücher zu übernehmen und zur Archivierung abzuspeichern.