IT-Projekte: Alles im Griff

Dass IT-Projekte mehr kosten und länger dauern als ursprünglich geplant, ist fast schon die Regel. Nicht wenige scheitern auf der ganzen Linie und werden niemals umgesetzt. Damit Ihr Unternehmen nicht unnötig Geld verpulvert, müssen CFO und CIO diverse Stolpersteine umgehen.

» Von Harald Schodl , 29.02.2012 10:18.

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Bei stolzen 71 Prozent der von uns befragten 300 Schweizer Finanzchefs sind bereits IT-Projekte aus dem Ruder gelaufen. 23 Prozent haben die Realisierung schon einmal komplett gestrichen, 34 Prozent mussten ein solches Vorhaben verschieben und bei 36 Prozent wurde der Plan zumindest verändert durch­geführt. Lediglich bei 29 Prozent lief bis jetzt immer alles reibungslos. Werden Projekte während der Durchführung geändert, kommt es häufig zu Anpassungen beim Budget: 35 Prozent der Befragten mussten die finanziellen Mittel erhöhen, immerhin 24 Prozent konnten dank der Änderungen die Kosten reduzieren (vgl. Grafik 1 und 2).

Gescheiterte Projekte führen, abgesehen von einer enormen Ressourcenverschwendung, oft auch zu Vorwürfen, gegenseitigen Schuldzuweisungen und im schlimmsten Fall zu Rechtsstreitigkeiten. Gescheiterte IT-Projekte haben schon so manches Unternehmen in den Ruin getrieben und Karrieren ruiniert. Die Summen, die dabei verpulvert werden, sind erschreckend hoch: Forscher der Universität Oxford und des Beratungshauses McKinsey haben zwei Jahre lang rund 1500 Projekte mit einem durchschnittlichen Volumen von 170 Millionen US-Dollar  ausgewertet und die Ergebnisse im vergangenen Herbst präsentiert. Das Fazit: Jedes sechste Projekt hat das vor­gegebene Budget um durchschnittlich 200 Prozent gesprengt – und zwar inflationsbereinigt. Der geplante  Zeitrahmen wurde in diesen Fällen durchschnittlich um  70 Prozent überschritten.  

Millionen in den Sand gesetzt

Im vergangenen Jahr haben weltweit zahlreiche IT-Projekte Schiffbruch erlitten. Beispielsweise hat die britische Regierung bei einem Vorhaben den Stecker gezogen, das wohl als eines der grössten öffentlichen IT-Projekte aller Zeiten gelten darf: Alle Bürger des Vereinigten Königreiches sollten eine elektronische Patientenakte erhalten. Trotz Ausgaben in Höhe von 12 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 17,6 Milliarden Franken, konnte jedoch nie ein funktionierendes System zum Laufen gebracht werden. Aber auch in der Schweiz scheitern regelmässig grosse IT-Vorhaben. Die Stadt Zürich musste etwa im Herbst 2011 das problembehaftete Projekt «Famoz» (Fallmanagement Modell Zürich) stoppen. Trotz einer Neulancierung unter dem  Titel «Elusa» (Elektronisch unterstützte soziale Arbeit), einer Turnaround-Phase sowie mehreren technischen und konzeptionellen Klärungen wären die Kosten für die Rettung zu hoch gewesen.

Das vom Stadtrat 2006 bewilligte Projekt hätte ursprünglich vier IT-Systeme ablösen sollen, die zuvor im Sozialdepartement für die Fallführung und Klientenbuchhaltung eingesetzt wurden. «Famoz» wies jedoch seit der Einführung Anfang 2008 gravierende Lücken sowie Mängel auf und führte zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der betroffenen Geschäftsprozesse. Der Kredit, der 2006 11,4 Millionen Franken betragen hatte, war mehrfach erhöht worden. Zuletzt belief er sich auf 29,3 Millionen Franken. 

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