Lernen ist wichtiger als Wissen

Wer innovative Produkte in kurzer Zeit entwickeln will, muss das im Unternehmen vorhandene Wissen effizient nutzen. Wissensmanagement ist zu einem Wettbewerbsfaktor geworden.

» Von Jörg Dirbach, 16.12.2011 06:32.

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Der Druck auf Unternehmen, innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, steigt. Dies gilt nicht nur für die Schweiz – hier spielt zusätzlich der starke Franken eine Rolle –, sondern für die gesamte westliche Wirtschaft. Nur wer vorne dabei ist, kann in einer globalisierten Welt erfolgreich sein. Dafür ist es sehr wichtig, das im eigenen Unternehmen vorhandene Wissen zu nutzen, auszutauschen und ständig weiterzuentwickeln.

Wissen externalisieren…

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, Wissen auszutauschen: Bei der Kodifizierungsstrategie wird das Wissen der Mitarbeiter externalisiert, das heisst in Dokumenten, Wikis etc. unabhängig vom Mitarbeiter festgehalten und verfügbar gemacht. Damit wollen sich viele Unternehmen von einzelnen Wissensträgern unabhängig machen.
Umsetzbar ist diese Strategie jedoch kaum. Schon lange ist bekannt, dass der grösste Teil des Wissens an die Mitarbeiter gebunden ist und nicht externalisiert werden kann (vgl. Frank Leistner: Mastering Organizational Knowledge Flow, 2010). Dennoch haben in der Vergangenheit zahlreiche Unternehmen darauf gesetzt und Lehrgeld bezahlt. Dies ist ein Grund, weshalb der Ruf des Wissensmanagements heute negativ geprägt ist.

… oder personifizieren?

Mehr Erfolg verspricht die Personifizierungsstrategie. Sie geht davon aus, dass sich Wissen nur sehr eingeschränkt externalisieren lässt, und setzt darauf, den persönlichen Austausch zwischen den Mitarbeitern zu verbessern. Dazu muss Transparenz herrschen. Das heisst, die Mitarbeiter müssen wissen, wer welches Know-how trägt. Zudem sollten moderne Kommunikationsmittel den Austausch vereinfachen.
Die Erfahrung zeigt, dass Mitarbeiter gerne Wissen weitergeben, wenn das Unternehmen auch in ihre Weiterbildung investiert. Entscheidend ist, dass das Lernen höher gewertet wird als Wissen: Ein Mitarbeiter, der sich nicht weiterent­wickeln kann, ist versucht, seinen Status zu bewahren und sich unverzichtbar zu machen. Sein Wissen wird zum Machtfaktor, er gibt es nur ungern weiter. Wenn die Unternehmenskultur jedoch das Lernen in den Mittelpunkt stellt, profitiert jeder vom gegenseitigen Austausch, und das Wissen wird ständig erneuert. Die Mitarbeiter lernen voneinander und sind oft auch ausserhalb des Unternehmens in sozialen Netzwerken aktiv. Bei Zühlke sind an diversen Standorten über 400 Mitarbeiter tätig, die alle ihr Wissen austauschen. Damit ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass für fast jedes Problem irgendwo ein Mitarbeiter eine Lösung kennt.

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