Business Value mit Wearables, IoT und Data Analytics in der Transportbranche

Wie tickt der Puls moderner Transportunternehmen? Wie können Wearables helfen diesen Puls zu treffen und den Ansprüchen des Just-In-Time-Managements gerecht werden? Welche Rolle spielen dabei neue Trends wie IoT und Data Analytics?

» Von Susanne Zech für Zühlke, 04.05.2015 10:29.

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Dies ist ein Blog-Eintrag von: zuehlke.ch

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Ausgehend von diesen Fragestellungen und den komplexen Anforderungen eines Transportunternehmens, wagen wir uns an die Skizzierung einer Vision, in welcher Wearables die Brücke zwischen Wertschöpfungskette und Technologie schlagen können. In unserem Beitrag möchten wir aufzeigen, wie wir den Einsatz von Wearables durch die Verbindung von Technologie, IoT und Data Analytics den Business Value in einem Transportunternehmen fördern können.

Unternehmen kämpfen mehr denn je in einem sich rasant verändernden Markt. Maximale Flexibilität bei minimalen Reaktionszeiten und Customisation statt Massenproduktion bieten neue Chancen aber auch Herausforderungen. Daneben öffnet die Globalisierung den Markt für neue Marktchancen aber auch eine breitere Konkurrenz. Gerade für Schweizer Unternehmen ist es wichtig, sich diesen Herausforderungen zu stellen und sich auf diesem sich ständig wandelnden Markt zu positionieren. Die aktuelle Situation der Finanzmärkte macht dabei deutlich, dass der Verkaufspreis längstens nicht der allein entscheidende Erfolgsfaktor ist. Innovationskraft, Qualität und Zuverlässigkeit, aber auch Service und Reputation stellen wesentliche Differenzierungsmerkmale dar.

Was bedeutet dies nun für ein Transportunternehmen in seiner Mittlerposition zwischen Unternehmen und Endkunden? Transportwege, Ressourcenmanagement und kontinuierliche Prozessoptimierung sind nur einige Aspekte, um den Kundenanforderungen im Güterverkehr durch qualitativ hochwertige Dienstleistungen gerecht zu werden.

Um unter diesen Bedingungen als Unternehmen Wettbewerbsvorteile zu generieren, ist eine möglichst hohe Flexibilität im Wertschöpfungsprozess unerlässlich. Kurze Reaktionszeiten und optimierte Prozesse stehen dabei jedoch immer im Spannungsfeld zwischen Kostendruck und kontinuierlicher Qualitätsverbesserung.

Ein wichtiger Aspekt ist hierbei das Erkennen und Korrigieren möglicher Fehlerquellen. Je später ein Fehler entdeckt wird, desto höher können die Folgekosten ausfallen. Nicht nur die Fehlererkennung, -analyse und entsprechende Korrekturmassnahmen verursachen hohe Kosten und binden Ressourcen. Ein Fehler führt auch zu massiven Reputationsschäden, wenn er erst vom Kunden bemerkt wird. Hier ist der direkte Impact auf die Marktstellung des Unternehmens klar erkennbar. In der Transportbranche liegt das Risiko in erster Linie bei verlorenen, verspäteten, falsch zugestellten oder beschädigten Waren.

Die Ursachen von Fehlern können dabei ganz unterschiedlich sein:

  • Menschlich: durch Irrtum, Unachtsamkeit, Unwissen oder fehlende Kenntnis, Stress oder Desinteresse, Über- oder Unterforderung
  • Technisch: technische Probleme, fehlende oder nicht richtig genutzte Technologien im Unternehmen
  • Informationstechnisch: falsche, unvollständige, verspätete Informationen
  • Aufgrund von Randbedingungen: hohe Arbeitsbelastung, unübersichtliche Arbeitsbedingungen, instabiles Umfeld

Ein Mitarbeiter, der bei seiner Arbeit mit einer schlechten Informationslage konfrontiert ist, kann schnell überfordert oder gestresst sein. Medienbrüche tragen dazu bei, diese Situation eskalieren zu lassen. Muss der Arbeiter seine Tätigkeit oft unterbrechen, um fehlende Informationen zu besorgen, und Daten in unterschiedlichen Medien erfassen (erst auf Papier, dann im Computer) kann schnell Stress oder Frust aufkommen. Die Mitarbeiterzufriedenheit sinkt, das Fehlerrisiko steigt an und die Produktivität wird beeinträchtigt.

Inwiefern können also nun neue Technologien wie Wearables (in die Kleidung integriertes oder unmittelbar am Körper getragene Computersysteme, welche auf den Nutzer oder dessen Umwelt bezogene Daten registrieren und verarbeiten), IoT (Internet of Things) und Data Analytics hier einem Unternehmen Unterstützung bieten? Wie lauten die Anforderung an eine solche neue Technologie, zu was sollte diese in der Lage sein?

Sie muss:

  • Reaktionszeiten auf allen Unternehmensebenen verkürzen
  • Mitarbeiter entlasten, um ihnen eine Konzentration auf ihre Kernaufgaben zu ermöglichen
  • Zeitraubende “Medienbrüche” während der Arbeitsausführung eliminieren
  • Fehlerquellen eliminieren und Fehler reduzieren
  • den Informationsfluss auf allen Ebenen unterstützen
  • Waren- und Informationsfluss synchronisieren, um eine optimale Ressourcenauslastung zu gewährleisten.

Entsprechend dem Statement von Google bei der Vorstellung von “Google Glass”: “We think technology should work for you — to be there when you need it and get out of your way when you don’t.”

In einer Transportunternehmung sind also einerseits die unterschiedlichen Daten- und Informationsflüsse zu optimieren und zu harmonisieren, andererseits aber auch die physischen Warenflüsse zu berücksichtigen. Hier scheint ein ideales Einsatzgebiet für Wearables zu liegen, welche die Aspekte von IoT und Data Analytics mit den Geschäftsanforderungen verbinden und effektiven Mehrwert in einem Transportunternehmen schaffen können.

Durch den professionellen Einsatz von Wearables ist ein effizienteres, sicheres und konzentriertes Arbeiten möglich. Der wichtigste Vorteil ist die Ausgabe über Anweisungen (Sprache) oder ein Display (z.B. Smartwatch), im Gegensatz zu einem Smartphone oder Tablett, das manuelle Bedienung/Halten erfordert. Der Fokus ist mit beiden Händen und direktem Blick auf die eigentliche Tätigkeit gerichtet. Wearables dienen den Mitarbeitenden als Unterstützung und nicht als Störfaktor.

Die Ablenkung durch nicht tätigkeitsbezogene Smartphone-Nutzung wird ebenfalls reduziert, wodurch sich einerseits die Fehlerquote reduzieren lässt und andererseits Arbeitszeit und damit Kosten eingespart werden.

Des Weiteren soll die Abstimmung und Zusammenarbeit der Mitarbeiter durch den Einsatz von Wearables deutlich verbessert werden. Sie ermöglichen einen kontinuierlichen Informationsfluss, der die Mitarbeiter in ihrer Kerntätigkeit unterstützt, und stellt gleichzeitig eine Unterstützung für die Planung und das Management des Wertschöpfungsprozesses dar. Daneben ist es vorstellbar, dass durch den Einsatz von Wearables auch die direkte Kommunikation der Mitarbeiter verbessert wird.

Nebst dem oben aufgeführten konkreten Leistungspotential, spielen Wearables eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Internet of Things. Teilnehmende Objekte können sich automatisch erkennen und Aufgaben zuweisen. Mittels Wearables können diese Informationen gezielt in Echtzeit an diejenigen Mitarbeitenden welche diese Informationen benötigen weitergegeben werden – ohne sie bei Ihrer Kerntätigkeit zu stören. Ziel dabei ist es, die Informationslücke zwischen der realen und der virtuellen Welt zu minimeren.

Doch um Wearables im unternehmerischen Kontext effektiv nutzen zu können, müssen folgende Disziplinen betrachtet werden

  • IoT → Online erfassen von Daten und Zuständen aus dem Arbeitsumfeld
  • Data Analytics → Sammeln und analysieren der erfassten Daten, Formulieren von Reaktionen auf Ereignisse
  • Complex Event Processing → Übersetzung von Ereignissen anhand von Regeln auf Reaktionen
  • Wearables → Echtzeit Kommunikationsverbindung mit den Mitarbeitern, Erfassen von kontextuellen Informationen und Aufgaben-Status-Änderungen

Vollständige und rasch abrufbare Daten sind damit ein nachhaltig wirksamer Vorteil beim Einsatz von Wearables in Unternehmen. Nicht zu unterschätzen scheint die Tatsache, dass Wearables auch einen neuen Datenstrom generieren, welcher Unternehmen völlig neuartige Einblicke in die Prozessabläufe bietet. Dies erlaubt es, Effizienzprobleme in Echtzeit zu erkennen, sowie Beiträge zur langfristigen Optimierung von Geschäftsabläufe zu leisten.

In allen Geschäftsbereichen, in welchen die Mitarbeitenden beide Hände zur Ausübung ihrer Tätigkeit benötigen, können beispielsweise Smart Glasses, Smart Watches oder Smarte Kleidung eingesetzt werden. Dies hat den Vorteil, dass sich die Mitarbeitenden besser auf ihre Arbeit konzentrieren können, da sie nicht immer wieder auf ein Smartphone oder Notebook schauen müssen. Doch auch Mitarbeitergruppen an Desktop-Arbeitsplätzen können in Zukunft von Wearables profitieren, zum Beispiel von Holo Lenses oder auch im Bereich der Gesundheitsförderung (mittels Gamification) von Mitarbeitenden.

Wie könnte der Einsatz von Wearables in naher Zukunft nun in einem Transportunternehmen aussehen? Wir haben uns gedanklich exemplarisch an einem typischen, vereinfachten Ablaufes eines Transportauftrags orientiert. Damit wollen wir einen Einblick in erste Einsatzmöglichkeiten geben:

  1. Eingang des Transportauftrags:
    Die Daten des Auftrags inklusive Stückzahl, Dimensionen, Gewicht, Inhalt sowie weitere wichtige Kriterien für Transport und Lagerung (z.B. Zerbrechlichkeit, Kühlung, Radioaktivität, Umweltverträglichkeit) werden auf unterschiedlichen Ebenen in das System des Transportunternehmens eingelesen.
  2. Planung des Transports:
    Eine aktuelle, komplette und fehlerfreie Datenlage unterstützt die Mitarbeiter in der Disposition. Schnelle Informationen über transportkritische Faktoren (Kühlung, Sicherheitsvorschriften, etc.) ermöglichen dem Unternehmen eine deutliche Effizienz-Steigerung. Die Verwendung von Wearables durch die Logistikmitarbeiter könnte dabei diese Daten valideren und ergänzen. Weiter kann auch eine optimierte Routenplanung durchgeführt werden, zum Beispiel indem zusätzliche Abholadressen umgehend an den richtigen Fahrer weitergeleitet werden. Die Rückmeldungen des Fahrzeugs über den Zustand (Position, Reichweite, Wartungszustand) lassen weitere Möglichkeiten zur Optimierung der Routen- und Einsatzplanung zu. Waren könnten letztendlich besser gruppiert und damit Aufwände reduziert werden. Durch eine Synchronisation der Daten mit den weiteren Systemdaten könnten Lagerungen ebenfalls optimiert werden.
  3. Abholung der Ware:
    Ein Fahrer könnte über Wearables die Ware bei der Abholung scannen und dadurch die Daten des Auftrags umgehend verifizieren und Anforderungen an den Lagerplatz bestätigen. Dies alles mit zwei freien Händen (kein Scanner, Tablet etc..). So können beispielsweise kurzfristige Änderungen direkt in das System eingegeben werden. Dieses Vorgehen kann insbesondere die Fehler bei der Abholung eliminieren (Ware falsch bezeichnet, verpackt, beschriftet). Hier wäre auch ein automatisches Fotoprotokoll denkbar.
    Ein Anspruch an Wearables ist jedoch auch, den Umgebungsbedingungen gerecht zu werden. Sie müssen robust sein, resistent gegen Regen, Wind, Öl, Staub, Schmutz, Stösse etc., und dürfen den Chauffeur weder beim Fahren ablenken, noch beim Be- und Entladen des LKWs beeinträchtigen.
  4. Einlagern der Ware:
    Eine Verbindung der Wearable- und Fahrzeugdaten ermöglichen eine optimale Planung der Ablade- und Einlagerungs-Prozesse. Für die Mitarbeitenden können so Wartezeiten oder Überlastung durch Priorisierung und Optimierung der Engpässe, welche beispielsweise beim Eintreffen mehrerer Fahrzeuge entstehen, vermieden werden. Der Warenfluss kann kontinuierlich, ohne fehlerbehaftete Standzeiten mit Hilfe des optimierten Informationsflusses gestaltet werden. Das Unternehmen kann so die Aspekte des Lean-Managements bei einer Reduktion des bis anhin damit verbundenen Risikos umsetzen.

In diesem Post haben wir versucht eine kleine Vision zu skizzieren, wie Wearables bei Unternehmen der Transportbranche eingesetzt werden könnten. Treibende Frage war dabei jeweils der Business Value bei der Verwendung solcher Tools. Fakt ist, dass Wearables wie sprachgesteuerte Systeme oder tragbare Barcode-Scanner in unterschiedlichen Branchen bereits erfolgreich eingesetzt werden. Gegenwärtig kommt nun aber eine neue Generation von Wearables auf den Markt. Diese Geräte kombinieren Spracherkennungstechnologie mit Smart Glasses sowie GPS, Scanning oder weiteren Fähigkeiten. Doch der Einsatz von Wearables allein generiert für ein Unternehmen noch keine konkreten Geschäftsvorteile. Erst die Verbindung dieser Technologien mit der Abstimmung, Steuerung und Auswertung von Informationen und Aktionen, stellt einem Unternehmen die individuellen Möglichkeiten zur Optimierung ihrer Marktposition zur Verfügung. IoT und Data Analytics werden somit zu zentralen Aspekten, die der jeweiligen Geschäftslogik Rechnung tragen und reellen Mehrwert für ein Unternehmen generieren.

Es bleibt zu überlegen, wie die Umsetzungsmöglichkeiten seitens IoT und Data Analytics anhand eines konkreten Beispiels aussehen könnten und welche Herausforderungen sich für den Wertschöpfungsprozess ergäben.

Quellen:

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