Legacy Systeme: Wie regle ich die Nachfolge?

Das Ablösen oder Erneuern von Legacy-Systemen ist ein zentrales Thema in den Führungs­etagen. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie sich die grössten Hürden meistern lassen.

Das Ablösen oder Erneuern von Legacy-Systemen ist ein zentrales Thema in den Führungs­etagen. Wie geht man es am Besten an?

» Von Stefan Zumbrunn und Richard Gafner, 04.05.2012 14:00.

Stefan Zumbrunn ist Business-Unit-Leiter bei Zühlke; Richard Gafner ist dort Principle Management Consultant.

Viele Unternehmen arbeiten mit Applikationen, die über Jahre gewachsen sind. Solche Legacy-Systeme – auf Deutsch Altsysteme – basieren häufig auf Grossrechnern und wurden individuell für das Unternehmen entwickelt. Mittlerweile sind jedoch die Betriebs- und Entwicklungs­-um­gebungen veraltet, die Software ist unzureichend dokumentiert, sehr komplex und verfügt über zahlreiche verschiedene Schnittstellen. Eine Transformation wird unverzichtbar, die Unternehmens-Software muss durch ein neues System abgelöst werden. Dabei gibt es einige Hürden zu überwinden. Die Erfahrung aus der Praxis hat gezeigt, dass dabei folgende Faktoren entscheidend sind:

1. Anforderungen klären

Ein Ablöseprojekt unterscheidet sich nicht grundlegend von einer Neuentwicklung. Trotzdem gilt es, einige Punkte zu beachten, zum Beispiel beimRequirements Engineering. Denn bei Ablöseprojekten sind die Anforderungen oft implizit in der bestehenden Applikation versteckt. Folgende Fragen  helfen, die Anforderungen auf den Punkt zu bringen:

  • Muss jedes Feature erhalten bleiben oder werden manche gar nicht mehr genutzt?
  • Was versteckt sich unter der Oberfläche? Sind alle notwendigen Features und Use Cases auf dem Radar?
  • Welche wichtige Funktionalität fehlt im Altsystem?

Ohne die bestehende Applikation genau zu kennen, ist die Planung der Ablösung mit grossen Risiken behaftet. Erst wenn klar ist, wodurch sich die abzulösende Applikation auszeichnet, worin die genauen Benutzeranforderungen bestehen und wo das Verbesserungspotenzial liegt, ist eine realistische Schätzung und Planung möglich.

Wie wichtig die genaue Abklärung der Anforderungen ist, zeigt das Beispiel einer führenden Anbieterin von Finanz- und Versicherungsprodukten. Die bestehende Applikation zum Erstellen von Offerten sollte durch eine neue Lösung ersetzt werden, die sich besser erweitern und einfacher bedienen lässt. Erst im Verlauf des Projekts zeigte sich, dass auch Aktuare und Underwriter – sie zeichnen die Risiken und schliessen Verträge ab – mit der Applikation arbeiten. Dies erweiterte die Anforderungen mit entsprechenden Folgen für den Projektplan. Nur weil Verbesserungen und Veränderungen von Beginn an eingeplant waren, konnte diese unerwartete Hürde trotzdem gemeistert werden: Ein Usability-Spezialist analysierte mit den Benutzern die bestehende Applikation und erarbeitete ein neues Konzept – ohne den Terminplan zu verzögern.

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