Cloud-Standardisierung: einheitliche Normen fehlen

Standards in der Cloud erleichtern beispielsweise den Providerwechsel. Doch Standards verdienen ihren Namen nur, wenn sie auch vereinheitlicht und koordiniert werden. Hier besteht Handlungsbedarf.

» Von Stefan Volmari, 23.02.2015 10:23.

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Der Autor ist Manager Systems Engineering Cloud & Networking bei Citrix.

Standards spielen im Cloud Computing eine wichtige Rolle. Denn wo Netz­werk-, Rechen- und Storage-Dienste in die Wolke verlagert werden, haben wir es mit äusserst komplexen Systemen aus verschiedensten Angeboten zu tun. Sie stehen im Umfang einer internen Infrastruktur in nichts nach. Hinzu kommt ein immer grösserer Anteil an Open-Source-Lösungen, die mit eingebunden werden sollen. Von Cloud- über Software-Anbietern bis hin zu Hardware-Herstellern: Das Netz aus Dienstleistern und Lieferanten ist ohne verlässliche und übergeordnete Standards schlicht nicht zu bewältigen.

Vorgaben vereinheitlichen

Auch in Cloud-Umgebungen tummeln sich in der Regel Anbieter mit Produkten für alle sieben Schichten des OSI-Modells. Jeder dieser Provider verlässt sich bei seinen Lösungen auf gängige Standards. Nur so wird Kompatibilität über die verschiedenen Schichten hinweg überhaupt möglich. Wer sich alle Optionen offen­halten möchte und mehrere Dienste unterschiedlicher Hersteller parallel nutzen will, kommt also an einer Vereinheitlichung der Standards nicht vorbei. Zudem haben Cloud-Infrastrukturen häufig globale Auswirkungen: Sobald Niederlassungen in mehreren Ländern involviert sind, werden internationale Standards und Normen unerlässlich.

Internationale Bestrebungen

Die meisten weltweit agierenden IT-Konzerne fokussieren sich daher immer mehr auf internationale Vorgaben wie ISO (International Organization for Standardization) oder ITU-T (ITU Telecommunication Standardization Sector). Deutlich wird dies anhand einiger konkreter Beispiele:

- Das Netzwerkkonzept Network Function Virtualization (NFV) – hier arbeitet das European Telecom Standards Institute (ETSI) zusammen mit verschiedenen Herstellern und grossen Telekommunikationsanbietern auf Basis bestehender Standards an neuen Proof of Concepts.

- Im Bereich der Software Defined Networks (SDN) spielt die Open Network Foundation eine wichtige Rolle bei der Standardisierung.

- Was Standards für Cloud-APIs betrifft, so gibt es hier derzeit noch eine stark wachsende und sich entwickelnde Zahl an Vorgaben. Citrix ist etwa Mitglied der Distributed Management Task Force (DMTF). Viele DMTF-Mitglieder wiederum sind in Open Stack involviert oder in den Open Stack Communities aktiv.

- Der recht neue Standard WebRTC erlaubt die Echtzeitkommunikation innerhalb von unterstützten Browsern. Mit mehr und mehr unterschiedlichen Kollaborationslösungen auf dem Markt sollten Anwender derartige Standards künftig im Auge behalten. Nur so ist auch in Zukunft eine nahtlose Kommunikation über verschiedene Lösungen hinweg und mit möglichst vielen Kontakten möglich.

- Das NIST (National Institute of Standards and Technology) der US-Verwaltung nimmt eine Vorreiterrolle unter den Standardisierungsgremien ein. Hier wurde die erste Standardisierungs-Roadmap für Cloud Computing erarbeitet.

Die Mehrheit der internationalen Gremien richtet ihren Fokus hingegen erst zögerlich auf Standards für Cloud Computing. Auf europä­ischer Ebene besitzen EuroCloud und das ETSI den grössten Einfluss.

Es gibt noch viel zu tun

Bei der Standardisierung im Cloud Computing gibt es derzeit noch viele Baustellen. Viele neue Standards, die explizit für die Cloud entwickelt werden, sind bislang noch nicht genügend ausgereift. Das Zusammenspiel des Rechts­rahmens und der Standardisierung im Cloud Computing ist ein weiterer wichtiger Aspekt, der aber bislang überwiegend auf den Datenschutz reduziert wird. Es existieren auch noch keine ausreichend umfassenden Standards für einzelne Geschäftsmodelle mit der Cloud, ebenso wenig für Managementmodelle oder vertragliche Regelungen.

Gerade in einem derart dynamischen Umfeld wie dem Cloud Computing werden auch die Standards selbst immer einem gewissen Wandel unterworfen sein. Wer sich aber als Unternehmen nicht dauerhaft an einen Anbieter binden möchte, dem bleibt mittelfristig nichts anderes übrig, als sich an Richtlinien und internationalen Normen zu orientieren. Nur so können Dienste und Lösungen unterschiedlicher Anbieter problemlos untereinander kommunizieren – und bei Bedarf ohne Einfluss auf die restliche Infrastruktur jederzeit ausgetauscht werden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Ziele für Standardisierungen

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