23.02.2012, 11:44 Uhr

Foxconn lüftet den Schleier

Eine TV-Reportage zeigt, unter welchen Bedingungen iPhone & Co. montiert werden. Und warum sich viele Arbeiter um diese Jobs reissen.
Der US-TV-Sender ABC hatte erstmals Einblick in die Foxconn-Produktionshallen
Der ABC News wurde die Ehre zuteil, als erster Fernsehsender die Arbeitsbedingungen bei Foxconn zu filmen – ganz offiziell, versteht sich. Der chinesische Zulieferbetrieb geriet in den letzten Jahren wegen seiner Arbeitsbedingungen ins Kreuzfeuer der Kritik. Die schlechte Publicity färbte auch auf Apple als wichtigsten Kunden ab. Nun zeigt eine Dokumentation des Journalisten Bill Weir, wie es dort wirklich zu und her geht.

Die Arbeit bei Foxconn ist beileibe kein Zuckerschlecken. So dauert eine Schicht zwölf Stunden, inklusive einer zweistündigen Mittagspause. Es gilt die Sechstagewoche, der Stundenlohn beträgt umgerechnet etwa zwei Dollar. Doch etwas befremdlich sind nicht nur die Löhne, sondern auch die Lebensumstände. Die Mitarbeiter werden direkt auf dem Firmengelände in Massenschlägen untergebracht, in denen jeweils sechs bis acht Personen zusammen hausen. Für diese Unterbringung bezahlt man umgerechnet etwa 7.50 Dollar pro Monat. Auch das Essen gibts nicht umsonst, sondern für etwa 70 Cent pro Mahlzeit.

Mit diesen Löhnen macht man auch in China keine grossen Sprünge. Selbst wer sich mit Überstunden noch etwas dazuverdient, kann mit seinem Lohn keine Familie ernähren. Bei diesen Gehältern verwundert es auch nicht weiter, dass die Automation in den Foxconn-Werken scheinbar keine grosse Rolle spielt. Jedes iPhone wird fast ausschliesslich in Handarbeit zusammengesetzt. Für den gesamten Prozess sind 141 Arbeitsschritte nötig, die in winzigen Arbeitseinheiten auf die Belegschaft verteilt werden. Ein iPad wird zum Beispiel innerhalb von fünf Tagen montiert, wobei nicht weniger als 325 Mitarbeiter involviert sind! Entsprechend monoton sind die einzelnen Arbeitsschritte: So berichten Arbeiter, dass sie pro Tag bis zu 3000 Mal dieselben wenigen Handgriffe ausführen. Lesen Sie auf der nächsten Seite: Trotz allem grosser Zulauf

Trotzdem ist es für die Arbeiter fast unmöglich, sich mit dem Produkt zu identifizieren. Vor laufender Kamera erkannte eine junge Mutter ein fertiges iPad kaum wieder, schliesslich ist sie nur dafür zuständig, dem ausgefrästen Apple-Logo an der Rückseite den letzten Schliff zu verpassen. Vielleicht rührte ihre Verwirrung aber auch daher, dass ihr der Reporter ein altes iPad 1 in die Hand drückte, während sie den Rücken der aktuellen Version 2 bearbeitete.

Und trotzdem wollen alle dabei sein

Obwohl die Fabriken hell, sauber und aufgeräumt wirken, lässt sich die Trostlosigkeit nicht verbergen – gemessen an unseren Ansprüchen in der Schweiz. Doch in China ticken Leute und Wirtschaft anders. Foxconn geniesst bei den potenziellen Arbeitern ein hohes Ansehen, weil es hier einfach besser ist als bei vielen anderen Fabriken im Land. Dass die Löhne durch den Druck von Apple und der Öffentlichkeit in den letzten Monaten massiv erhöht wurden, hat der Beliebtheit auch nicht geschadet.

Kurz, die vielbeachtete Reportage von ABC-News zeigte interessante Einblicke in den Alltag bei Foxconn – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Skandale und Sensationen blieben aus. Stattdessen wurde den Zuschauern deutlich vor Augen geführt, dass sich die Erste Welt und China nicht vergleichen lassen. Aber das haben wir bereits vorher geahnt. Auf YouTube findet sich das Originalvideo von ABC:



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