Apple Lisa feiert 35. Geburtstag

Erster Rechner mit grafischer Nutzeroberfläche

Apple unternahm unterdessen 1983 mit Lisa den ersten Versuch, die grafische Bedienoberfläche auf dem Massenmarkt einzuführen. In Anzeigen wurde der Rechner als "Maserati für Ihr Gehirn" beworben. "Lisa war der erste kommerziell vertriebene Computer, der über eine Maus und die für uns heute selbstverständliche Benutzeroberfläche mit Fenstern und Symbolen verfügte", sagt Andreas Stolte von Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn. "Zuvor mussten die Nutzer komplizierte Befehlszeilen eintippen, um den Computer auf Trab zu halten. So vereinfachte der nach Jobs Tochter benannte Computer die Bedienung enorm."

Die grafische Nutzeroberfläche des Apple Lisa war revolutionär.
Bildquelle: Apple Inc. - Selber gemacht, PD-Schöpfungshöhe, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=4982833
Apple wollte die Kunden mit sieben Büro- und Grafikprogrammen und dem damals beachtlichen Arbeitsspeicher von einem Megabyte für Lisa gewinnen. Allerdings war der Preis viel zu hoch, um die vielen Interessenten in Scharen tatsächlich zum Kauf zu bewegen. In den USA kostete der Computer knapp 10.000 Dollar, in Deutschland waren das rund 30.000 DM. Nicht einmal 30.000 Stück wurden verkauft.

Im April 1985 zog Apple die Reissleine und stoppte die Produktion. Unverkäufliche 2.700 Exemplare wurden heimlich auf einer Müllkippe in Utah vergraben. Das Prinzip der grafischen Bedienoberfläche landete aber nicht auf dem Müll der Computer-Geschichte, sondern setzte sich auf breiter Fläche durch. Im Januar 1984 brachte Apple dann den ersten Macintosh auf den Markt, der nicht so teuer wie Lisa war und sich nach einer schwierigen Startphase dann besser verkaufte. Im November 1985 lieferte Microsoft eine erste Version von Windows ebenfalls mit grafischer Benutzeroberfläche aus.


Die ersten kommerziellen Erfolge der Ära nach dem Apple II erlebte Steve Jobs aber nicht mehr in dem von ihm mitbegründeten Unternehmen. Im September 1985 wurde er in einem regelrechten Showdown mit dem damaligen Apple-CEO John Sculley vom Aufsichtsrat dazu gedrängt, die Firma zu verlassen. Erst im Dezember 1996 kehrte Steve Jobs dann als Retter wieder zu Apple zurück, nachdem sich das Unternehmen zuvor durch eine Serie von Fehlentscheidungen in eine Nische manövriert hatte.


1984: Der Ur-Macintosh mit 128 KB Speicher, integriertem 9-Zoll-Monitor und zwei 400-KB-Diskettenlaufwerken

In der Sonderausstellung "Digging Deep" (23. Februar bis zum 5. August 2018) im Heinz Nixdorf MuseumsForum sind neben Apple Lisa und anderen Flops auch Kostbarkeiten wie seltene Rechenscheiben aus dem 19. Jahrhundert oder aufwendig verzierte Registrierkassen ausgestellt. Aber auch bei uns kaum bekannte Rechner aus dem Osten und frühe Homecomputer sind dort zu sehen und stehen teilweise zum Spielen bereit.

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