14.09.2017, 11:31 Uhr

UBS lanciert die Digital Factory

Die Grossbank UBS lanciert eine Digital Factory. In dem Grossraumbüro am Zürcher Paradeplatz wird in interdisziplinären Teams an neuen Banking-Lösungen gearbeitet.
Die UBS startet in die zweite Phase der Digitalisierung. Wurde bis anhin in verschiedenen Abteilungen an neuen Banking-Anwendungen gearbeitet, sollen nun interdisziplinäre Teams an einem zentralen Ort neue Lösung entwickeln. Dafür hat sich die Grossbank ihre Geschäftsstelle am Zürcher Paradeplatz ausgesucht. Die attraktive Lage des Standorts soll auch Talente anlocken, sagte Andreas Kubli von UBS Schweiz an einem Medienanlass vor Ort. In den Räumlichkeiten sind aktuell rund 100 Personen beschäftigt. Alle waren auch schon zuvor in den Projekten involviert – aber eben an verschiedenen Standorten und mit unterschiedlichen Berichtswegen. «Ein dutzende Seiten langes Spezifikationenheft war bis anhin oftmals die einzige Möglichkeit der abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit», sagte Stefan Arn, Head of IT EMEA von UBS. Seine Kollegen von der Informatik sassen zum Beispiel in Altstetten. Nun sind einige an den Paradeplatz gezügelt.
Arn und Kubli platzieren in der Digital Factory nicht nur Spezialisten von IT, Business, Design, Legal und Testing an einem Tisch. Sie setzen auch auf agile Methoden. Die Mitarbeiter haben die Freiheit, den Status Quo von Vorhaben zu hinterfragen sowie schnell und direkt vor Ort neue Entscheidungen zu treffen. Die beiden Manager wissen, dass die Methoden auch Nachteile haben: «Die multidisziplinären Teams sind weder billiger noch schneller. Aber sie vermeiden Fehler», sagte Arn. UBS gehe es ausschliesslich um hohe Qualität. Deshalb erwägt der IT-Chef auch, einige Angestellte aus fernen Standorten zurück in die Schweiz zu holen.

«Minimum Viable Product»

Die Teams arbeiten in der Factory an «Minimum Viable Products». Diese Anwendungen sind voll funktionsfähig, aber nur teilweise in das Informatik-Backend der Grossbank integriert. UBS geht es dabei auch um das Ermitteln von Kundenbedürfnissen. Allerdings auch um Pragmatismus. «Im Projekt beträgt der Aufwand für die Entwicklung des Frontends typischerweise 20 Prozent, die Integration ins Backend dann 80 Prozent», sagte Arn. Wenn Kunden bestimmte Funktionen einer App gar nicht nutzen, können sich die Entwickler auch die Integration sparen.
Am Beispiel der App für die elektronische Kontoeröffnung demonstrierte Arn den Prozess: Die App war im März 2016 lanciert worden. Eine Prozessautomatisierung und Backend-Integration gab es zunächst nicht. Im Hintergrund mussten UBS-Mitarbeiter noch manuell zuarbeiten. Mittlerweile ist die Integration geschehen. Für 2018 ist nun die Onboarding-Lösung auch in der traditionellen Geschäftsstelle verfügbar.  Nächste Seite: Das wollen die UBS-Kunden  Zukünftige Produkte entwickelt UBS nach den Worten von Andreas Kubli auch mithilfe der Kundendaten. Der Leiter Multichannel Management und Digitization und seine Kollegen analysieren dafür unter anderem, wie die verschiedenen (Digital-)Angebote der Bank genutzt werden. Beispielsweise ist im Vergleich mit 2015 die Anzahl der Kunden mit E-Banking von 43 auf 48 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum wuchs das Mobile Banking von 9 auf 13 Prozent. Verzeichnete die Bank 2015 noch rund 13,2 Millionen Logins pro Quartal, sind es heute 17,3 Millionen, sagte Kubli.
Die vermehrte Nutzung der elektronischen Kanäle hat Auswirkungen auf die Besuche in den Geschäftsstellen: Im Vergleich mit dem Vorjahr gab es 9 Prozent weniger Schalterkontakte und 6 Prozent weniger Bankomat-Transaktionen. Parallel ist allerdings auch 6 Prozent mehr Papier bedruckt worden und das Scanning-Volumen stieg um 2 Prozent. Laut Kubli sind die grösseren Volumen beim Papier und Scanning aber auch auf die komplexere Regulierung zurückzuführen. Teilweise müssten Vertragsdokumente dem Kunden auf Papier zugestellt werden, weil es das Gesetz verlangt. In der Digital Factory wird jedoch hauptsächlich am Computer dokumentiert.


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