swissICT Digital Performance Marketing Breakfast 07.06.2019, 10:40 Uhr

Von eigentlich logischen Überraschungen

Das Bauchgefühl stimmt häufig, aber nichts führt an klaren Fakten vorbei. Und Studienresultate zu reflektieren lohnt sich. Das zeigte sich am jüngsten Digital Performance Marketing Breakfast von swissICT.
An was arbeiten IT-Entscheider wirklich und was sind nur Hypes? Darüber diskutierten die Teilnehmer des jüngsten DPM-Breakfast von swissICT.
(Quelle: swissICT)
«Welches sind bei den Schweizer Firmen die wichtigsten ICT-Trends?» Mit dieser Frage werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Digital Performance Marketing Breakfasts vom 9. Mai in den Räumlichkeiten von swissICT gleich zu Beginn auf die Probe gestellt. Sie pinnen die Themen mit Post-it-Klebern an die Wand. Heraus kommen gleich mehrfach KI, IoT oder die Cloud. Einmal Security, Agilität oder Business Software.
Gegenüber stehen zwei Experten, die es wissen müssen – George Sarpong, Chefredaktor der ICT-Fachpublikation Computerworld und Marcel Nieder, Marktforscher im selben Haus. Und eines zeigt sich gleich zu Beginn: Ein Thema wurde ziemlich unterschätzt – die Security. Die Berichterstattung über Datenklau und Cyberspionage lässt grüssen – kein Tag vergeht ohne neue Meldung.

Geld fliesst vermehrt in Penetration Testing

Nicht nur bei der Frage nach den Trends, sondern auch bei der Verteilung der Budgets in den Unternehmen ist dieses Thema zurzeit hoch im Kurs. Zum Beispiel investieren Firmen markant mehr in Penetration Testing, um ihre IT-Infrastruktur auf eine Nagelprobe zu stellen.
Herausgefunden hat die Computerworld dies in der jährlichen Swiss-IT-Studie, die im März dieses Jahres publiziert und gemeinsam mit IDC erhoben wurde. Die hohe Relevanz von Security hat auch mit der Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union (EU-DSGVO) zu tun, an der im vergangenen Jahr kein IT-Entscheider vorbeikam.
Wobei sich aber auch ein markanter Wahrnehmungsunterschied der IT-Entscheider zum Management zeigte. Während das Thema DSGVO bei IT-Entscheidern sehr hohe Priorität geniesst, ist die Sensibilität dafür im Management noch nicht ganz so gross.
Unterschiedliche Wahrnehmungen zeigen sich auch beim Einsatz von Cloud Computing, wie die Computerworld in Interviews mit Exponenten der Schweizer ICT-Branche herausgefunden hat: Business-Entscheider gehen das Thema zum Teil unbedarfter an als IT-Entscheider, wobei ein Bedürfnis dann die beiden Perspektiven eint: Die Daten sollten eben doch am besten in der Schweiz sein. Die Cloud – und da lagen für einmal Teilnehmerinnen des Breakfasts und die Studienmacher gleich – ist sowohl in der Wahrnehmung als auch in der tatsächlichen Welt der Unternehmen hochrelevant.

Business Software: Faktor SAP

Eine zweite, wenn auch nicht so grosse Überraschung am Breakfast ist das Thema «Business Software», welches bei den Firmen den zweiten Platz im Ranking der Budgets belegt. Je digitaler die Welt wird, desto mehr wird in Software investiert. Und viele Firmen sitzen auf veralteten Systemen. So könnte man meinen.
Das ist aber nur die halbe Wahrheit. In der Diskussion stellte sich heraus, dass vor allem der Global Player SAP einen massgebenden Einfluss auf ebendiese Prioritätensetzung hatte. Bis 2025 müssen nämlich die Unternehmen ihre bewährten ERP-Systeme auf die neue S/4Hana-Plattform migriert haben, sonst drohen zusätzliche Kosten für den Weiterbetrieb einer veralteten Software, wie diese Publikation bereits berichtet hat. Ein Input aus dem Teilnehmerkreis bestätigt, dass gerade SAP-Dienstleister zurzeit alle Hände voll zu tun haben.
Auf der anderen Seite – so hat Computerworld in ihrer Zufriedenheitsstudie herausgefunden -  zeigt die Zufriedenheitskurve mit SAP talwärts. Die hohen Investitionen in Business Software hat also nicht nur, aber auch mit dem Druck von Herstellern zu tun.

KI hat noch Luft nach oben

Ein Thema wurde von den Teilnehmerinnen angesichts der Allgegenwärtigkeit in den Medien und der ICT-Branche generell überschätzt: Die künstliche Intelligenz. Gemäss der Swiss-IT-Studie wurde hierin noch nicht wirklich signifikant investiert. Allerdings, so zeigt es sich in der Diskussion, ist KI auch nur schwer abzugrenzen von anderen ICT-Themen. «KI ist ja heute überall drin», sagt etwa ein Teilnehmer.
Möglicherweise hat die eher tiefe Priorität von KI zudem auch damit zu tun, dass «klassische» IT-Themen wie die Modernisierung der IT-Infrastruktur und nicht zuletzt auch deren Absicherung (Security) budgettechnisch mehr einschenken. «Bei Start-ups sähe die Prioritätenliste klar anders aus», wendete denn auch ein anderer Teilnehmer ein. Wer auf der grünen Wiese beginnt, muss nicht einen «Koloss» mitschleppen und setzt häufig von Beginn an auf eine schlanke IT, Cloud-Tools und KI.

Mit frischen Erkenntnissen zurück ins Büro

Abschliessend bündelte Moderator Oliver Müller die Learnings der Gäste des Breakfast Events:
  • Bei den Ergebnissen der Studie gibt es mitunter hohen Interpretationsspielraum. Jedes Ergebnis bedarf also einer Reflektion.
  • Zwischen eigener Wahrnehmung und den Tatsachen in der realen Welt bestehen auch im ICT-Business häufig Diskrepanzen.
  • Es gibt sowohl die kurz- wie auch die langfristige Perspektive. Die Studie ist eine Momentaufnahme.
  • Die verschiedenen Trends lassen sich nicht immer scharf abgrenzen. In Business Software kann also auch KI drin sein – und umgekehrt.
  • Eine bessere Kommunikation – und damit auch ein besseres Verständnis der verschiedenen Rollen untereinander - zwischen Business, IT und Management lohnt sich immer.
Das nächste Digital Performance Marketing Breakfast findet am 4. Juli statt, erneut in den Räumlichkeiten von swissICT. Dann wird es darum gehen, wie Social Selling und Corporate Influencing zu verstehen sind und was es für eine erfolgreiche Umsetzung braucht.
Über den Autor
Simon Zaugg arbeitet im Bereich Kommunikation & Marketing beim Branchenverband swissICT und ist Mitorganisator des Digital Performance Marketing Breakfasts.


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