Test: Oracle Database 11g - Grosser Sprung nach vorn

Die Oracle Database 11g bringt viele nützliche Neuerungen. Sie beeindruckt durch Leistung, Administrationshilfen, eine ausgeklügelte Testumgebung und geringen Speicherbedarf.

    

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» Von Sean McCown, 20.06.2008 14:07. Letztes Update, 20.06.2008 14:37.

Sean McCown ist Redaktor beim Testcenter unserer Schwesterzeitschrift InfoWorld.

Es gibt eine ganz einfach Methode, um herauszufinden, ob sich ein neues
Datenbank-Update lohnt oder nicht: Wenn die neue Version das Anwenderleben nicht in mindestens fünf Punkten verbessert, ist sie unnötig. Am besten berechnen Sie, wie viele Stunden pro Woche Sie für bestimmte Aufgaben benötigen. Danach schätzen Sie, wie viel Zeit Sie mit dem Upgrade sparen würden.
Für die neue Oracle-Datenbank fällt das Resümee positiv aus: Die meisten Oracle-Nutzer dürften mindestens fünf lebenswichtige Features in der Database 11g finden. Es gibt sogar eine Top-Funktion, die schon alleine ein Update rechtfertigen würde: das sogenannte «Real Application Testing». Mehr zu diesem Feature lesen Sie im nächsten Abschnitt.

Wichtig: Nicht alle vorgestellten Funktionen sind standardmässig enthalten. Welche Sie optional dazu kaufen können, lesen Sie in der Testbox auf der nächsten Seite.

Stresstest ohne Risiko

Jeder Betrieb nimmt Änderungen an Programmcodes vor. Und alle benötigen einen sicheren Weg, um diese ohne Einfluss auf die reale Produktionsumgebung zu testen.

Genau dabei hilft «Real Application Testing». Die Funktion umfasst die Module «Database Replay» und «SQL Performance Analyzer». Mit ihr können Sie Arbeitsabläufe erfassen, auf demselben oder einem anderen System reproduzieren und die Ergebnisse danach miteinander vergleichen.
Dabei wird der Arbeitsprozess genauso ausgeführt wie in Wirklichkeit.

Im Test liess sich «Database Replay» einfach konfigurieren und funktionierte genauso wie erwartet. Es müssen nur ein paar simple Konzepte gelernt werden, z.B. wie man ein Verzeichnisobjekt zum Erfassen der Arbeitsabläufe in der Datenbank anlegt.

Einfaches Optimieren

Werden die Entwickler schlechter, während die Datenbanken immer mehr bieten? Oder sind sie nicht in der Lage, ihre Fähigkeiten gleich schnell wie die Anforderungen zu verbessern? Auch egal - Oracle macht für Datenbankadministratoren sehr viel, um ressourcenhungrigen Code zu entdecken und zu optimieren.
Die Database 11g erweitert das automatische SQL-Tuning um Lernfähigkeiten. Anspruchsvolle SQL-Statements werden entdeckt und für die spätere Optimierung gespeichert. Die Software kann automatisch Verbesserungen durchführen oder strukturelle Änderungen vorschlagen.

Wenn die Datenbankauslastung zu sehr ansteigt, sind oft Prozessor, Speicher oder Diskinput/Output Schuld. Meist werden deshalb CPU und Speicher überwacht. Oracle Database 11g unterstützt zusätzlich Limiten für den Diskinput/Output. Es lassen sich Maximalwerte definieren, die jemand während einer Datenbanksitzung ausführen darf.

Zwischenspeicher für Abfragen

«Result Cache» ist ein Feature, das helfen oder schaden kann - abhängig davon, wer es benutzt. Mit ihm lassen sich Datenbankabfragen in einen Speicherpuffer ablegen und damit Festplattenzugriffe für sich wiederholende Abfragen umschiffen. Nutzer können ganze Abfragen, Teilabfragen oder sogar PL/SQL-Funktionen im Zwischenspeicher ablegen. Natürlich muss die Datenbankabfrage dieselbe sein wie die im Zwischenspeicher. Und hier liegt der Haken: Oft unterscheiden sich Abfragen nur in den mitgegebenen Parametern. So landen viele Datenbankabfragen im Zwischenspeicher, ohne häufig genutzt zu werden.

Eine übersichtliche Oberfläche und Administrationshilfen erleichtern die Bedienung.
Eine übersichtliche Oberfläche und Administrationshilfen erleichtern die Bedienung.
Deshalb spendiert Oracle drei unterschiedliche Stufen für den «Result Cache»: Datenbank-Level, Session-Level und Such-Level. In diesen Optionen liegt viel Macht; zum Guten wie zum Bösen. Sie sollten ausschliesslich auf Session- oder Such-Level arbeiten. Den Datenbank-Level sollten Sie nur verwenden, wenn alles getestet wurde und Sie genau wissen, was Sie erwartet.

Oracle hat den «Result Cache» ziemlich gut implementiert. Im Test liessen sich grosse Verbesserungen bei der Abfragezeit erreichen. Nachdem jedoch die Zahl der Abfragen erhöht und diese parametrisiert wurden, waren die Veränderungen nicht mehr so gross. Das zeigt, dass Administratoren beim Einsatz der Funktion genau planen müssen. Darüber hinaus hilft sie nur bei diskgebundenen Systemen und nicht bei speichergebundenen.

Mächtige Sicherheitsfunktionen

Oracle Database 11g unternimmt viele Anstrengungen, um eine Korrumpierung des Systems frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen. Das automatische Monitoring verwendet sowohl reagierende als auch manuelle Checks. Erstere starten, wenn ein kritischer Fehler auftritt. Sie untersuchen die Datenbankstruktur, die Integrität von Datenblöcken sowie weitere Bedingungen. Dabei werden Reports erstellt und Lösungsvorschläge gemacht.

Sehr schön: Wenn die Datenbank korrupte Undo-Segmente entdeckt, werden diese in Quarantäne geschickt. Dadurch dämmt das System den Schaden ein und verhindert dessen Ausbreiten. Die Funktion «Fast Analyze» nimmt Administratoren von grossen Datenbanken eine Last von den Schultern. Sie ermöglicht es, sehr schnell nach korrupten Tabellenindices zu suchen.

Ebenso wichtig ist das Feature «Data Guard». Es erstellt eine komplette Stand-by-Datenbank mit allen Daten des Originals für den Fall einer Katastrophe. Die Technik schützt gegen jede Art von System- und Netzwerkausfällen und ist nicht ortsgebunden. Die Stand-by-Datenbank kann sich im selben Raum oder viele Kilometer entfernt befinden. Eine neue Funktion namens «Snapshot Standby» ermöglicht es, die Spiegeldatenbank temporär in einen Lese/Schreibmodus zu versetzen und als Testumgebung zu nutzen. So lassen sich Änderungen zuerst auf der Stand-by-Datenbank ausführen und danach überschreiben.

Weniger Platzverbrauch

Eine Zusatzoption ist «Advanced Compression». Es handelt sich um eine Speichermethode, die den Platzverbrauch reduziert. Die Funktion verringert Kosten, Speicherplatz und die Netzwerkauslastung. Sogar die Leistung lässt sich verbessern. Das Feature komprimiert die Daten nicht tatsächlich, sondern normalisiert sie. Doppelte Werte werden durch zentrale Symbole ersetzt. Je mehr sich wiederholende Werte Sie haben, desto mehr bringt Ihnen «Advanced Compression». Da die Technik auf Blockstufe arbeitet, hängt das Resultat davon ab, wie die Daten in den Tabellen angeordnet sind.

Fazit

Oracles Database 11g bringt sehr viele nützliche Neuerungen. Besonders erwähnenswert ist «Real Application Testing» zum risikofreien Prüfen von Codeänderungen. Im Zusammenspiel mit «Data Guard» gibt sie Datenbankadministratoren ein mächtiges Werkzeug in die Hände. Genauso gefallen die vielen Verbesserungen punkto Stabilität und Sicherheit. Features wie «Fast Analyze» nehmen Administratoren viele Sorgen ab. Durchdacht ist ebenfalls «Advanced Compression». Mit dieser Technik lassen sich je nach Datenbank beträchtlich Speicherplatz und Kosten sparen.

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