Test: Apple AirPods

» Von Klaus Zellweger , 28.12.2016 06:08.

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Sound-Qualität und Latenz

Es lohnt sich nicht, an dieser Stelle langatmig über die Tonqualität zu referieren. Die meisten Interessenten der AirPods dürften bereits ein iPhone mit kabelgebundenen EarPods besitzen. Das macht die Einschätzung leicht: Die AirPods klingen sehr ähnlich, aber dennoch hörbar besser und ein wenig lauter. Sie liefern ausserdem einen Tick mehr Bass, ohne es dabei zu übertreiben.

Kurz, wenn Sie mit den EarPods zufrieden sind, sind Sie es mit den AirPods erst recht. Wenn Sie sich hingegen zu den Audiophilen zählen, die für die alten EarPods nur ein verächtliches Schnauben übrighaben, sollten Sie vom Kauf absehen.

Für eine angenehme Überraschung sorgte auch die nicht wahrnehmbare Latenz: Filme aller Art und YouTube-Videos wirkten absolut lippensynchron, was längst nicht bei jedem kabellosen Kopfhörer der Fall ist.

Die Sache mit der Kompatibilität

Bis jetzt haben wir immer nur von Apple-Geräten gesprochen und wie toll die automatische Koppelung funktioniert. Grundsätzlich lassen sich die AirPods jedoch mit jedem Bluetooth-fähigen Gerät koppeln, indem die Verbindungstaste auf der Ladeschale gedrückt wird. Nebenbei: Diese Taste muss auch bemüht werden, um die AirPods mit einem Apple TV zu verbandeln.

Leider verlieren die AirPods mit der manuellen Verbindung alle Eigenschaften, die sie so clever machen. Und das sind einige.

W1-Chip

Denn die «Intelligenz» bei der Koppelung und der Steuerung kommt praktisch ausschliesslich durch Apples eigenen, brandneuen W1-Chip zustande. Auch die Steuerung über Siri, die wir uns gleich vornehmen werden, fällt in seine Zuständigkeit. Ohne die Kompatibilität zu diesem Chip sind die AirPods einfach nur elegante, aber strunzdumme Bluetooth-Kopfhörer ohne jeden Mehrwert – von der Ladeschale einmal abgesehen.

Ob Apple den W1 für andere Anbieter freigibt, steht in den Sternen. Sicher ist, dass die hauseigenen Beats-Kopfhörer damit ausgestattet werden. Den Anfang machen der bereits erhältliche Beats Solo3 und der genauso neue Sportkopfhörer Powerbeats3.

Kein aptX-Codec

Die AirPods bieten keine Unterstützung für den aptX-Codec von Qualcomm. aptX hat unterdessen in vielen Audio- und Android-Geräten Einzug gehalten. Er verbessert gegenüber dem nackten Bluetooth-Protokoll nicht nur die Tonqualität, sondern erhöht auch die Reichweite und verringert die Latenz, die bei kabellosen Verbindungen fast zwangsläufig auftritt. Apple beschreitet mit dem W1-Chip jedoch einen eigenen Weg. Wenn Sie also die AirPods mit einem aptX-fähigen Android-Gerät koppeln, gereicht das weder dem Smartphone noch den Kopfhörern zum Vorteil.

Reichweite

Der W1-Chip sorgte in unserem Test stets für eine zuverlässige, stabile Verbindung ohne das geringste Knacken oder Rauschen. Im Zusammenspiel mit einem iPhone 7 (zum Test) deckt die Reichweite locker eine gesamte Etage im Einfamilienhaus ab, solange nicht mehr als eine Wand dazwischenliegt. Die Verbindung riss im Test erst ab, als das Stockwerk gewechselt wurde.

Siri-lastige Steuerung

So weit, so gefällig. Die Steuerung sorgt jedoch zurecht für einige Kontroversen. Ich bevorzuge die Manipulation an der Quelle: Um die Lautstärke zu ändern, werden einfach die Lautstärke-Tasten am iPhone gedrückt, noch während es in der Tasche steckt. Siri wird aktiviert, indem die Home-Taste länger gedrückt bleibt.

Doch solche Handgriffe sind beim Sport und bei chronisch überfüllten Damenhandtaschen keine Option. Stattdessen erfolgt die Steuerung über Siri. Leider kann Apples digitale Assistentin nicht mit dem Zuruf «Hey, Siri!» geweckt werden. Stattdessen wird einer der beiden AirPods zweimal angetippt, gefolgt von Kommandos wie «Erhöhe die Lautstärke» oder «Springe zum nächsten Titel.»

Das sorgt für ein Wechselbad der Gefühle. Wenn Sie mit Siri nur an der Lautstärke schrauben oder Titel wechseln, hören Sie bei der Bedienung vielleicht ein entferntes Blubbern: Das ist Ihre Galle, die im nächsten Moment überkochen wird. Andererseits ist die Siri-Steuerung sehr praktisch und elegant, wenn nützliche Kommandos ins Spiel kommen, wie etwa: «Rufe meine Frau an.» Oder: «Wann ist mein nächster Termin?»

Wie auch immer. Es handelt sich hier um die 1.0-Version einer Software, die noch viel Raum für Optimierungen bietet.

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