Meine Woche mit der Apple Watch

» Von Fabian Vogt , 25.06.2015 10:07.

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Tag 5

Apropos Modell Sport. Ich denke, an dieser Stelle sollte ich ein paar Worte über das Design verlieren: Mein Modell gefällt mir ja nicht wirklich. Das liegt einerseits an der Grösse des Displays, andererseits am Armband. Würde ich eine Uhr kaufen, hätte ich einige Möglichkeiten, sie nach meinen Wünschen zusammenzustellen. Die Uhr gibt es mit einem 38mm oder 42mm Display, wobei ich letzteres klar bevorzuge. Dazu kann ich aus verschiedenen Gehäusefarben und noch mehr Armband-Formen und –Farben auswählen. Diese kosten aber zwischen 59 und 500 Franken, eine Frechheit sondergleichen. Das hat dazu geführt, dass es mittlerweile diverse Firmen gibt, die günstigere Alternativarmbänder anbieten. Aber man stelle sich das mal vor: Ich kaufe eine Uhr – und muss für ein (schöneres) Armband noch zusätzlich bezahlen. Gut, müssen die Grand-Seigneurs der Schweizer Uhrenindustrie das nicht mehr erleben.

Aber auch sonst ist Apple wahrlich keine Design-Perle gelungen. Über die Verarbeitung kann zwar nicht gemeckert werden, Kanten lassen sich keine ertasten. Die eckige Form wirkt aber klobig, kein Vergleich mit der Eleganz von iPhone und iPad. Alle, die sich Apple-Produkte nur aus Stilgründen besorgen, brauchen die aktuelle Uhr nicht zu kaufen.

Zum Design gehört auch das Scrollrad. Dieses funktioniert flüssig und ist sehr praktisch. Emails lesen, in Karten reinzoomen, alles kein Problem. Und es lässt sich, ähnlich dem Home-Knopf am iPhone, auch drücken. Anders als der Home-Button hat das Rad aber mehrere Funktionen,  je nachdem, wo man sich auf der Uhr befindet. Mit einigem herumexperimentieren hat man die aber schnell raus und danach ist es ziemlich intuitiv. Intuitiver jedenfalls als die Menüführung von der Uhr. Ich wiederhole: Die Menüführung. Bisher Apples absoluter Pluspunkt gegenüber der gesamten Smartphone- und Tabletkonkurrenz. Keine Ahnung darum, was sich die Entwickler hier gedacht haben. Manche Einstellungen müssen zwingend in den Apps auf dem iPhone vorgenommen werden, andere im Unter-Menü der Apple Watch. Und als wäre das noch nicht genug, werden manche Einstellungen – beispielsweise Nachrichten - direkt aus den Grundeinstellungen des iPhones gezogen. Ich weiss nicht mehr, wo was weshalb zu finden ist. Einfach nur schwach.

Unter dem Scrollrad befindet sich noch eine Taste, die im Gegensatz zur «Krone» nur einen Zweck erfüllt: die zwölf wichtigsten Kontakte zu öffnen, die dann mit dem Rad angewählt werden können. Hat der Gesprächspartner ebenfalls eine Apple Watch, stehen noch weitere Möglichkeiten zur Auswahl: Man kann beispielsweise Zeichnungen verschicken, indem man mit dem Finger auf das Display kritzelt. Oder die Herzfrequenz aufzeichnen und sie dem Gegenüber schicken. Was das aber bringen soll, ist mir unklar.

Tag 6

Ich bin ziemlich frustriert. Da freut man sich, mal wieder etwas potenziell disruptives testen zu können. Und erhält das wohl unnützeste Produkt, das Apple bislang gemacht hat. Aber noch gibt es einige Tests, die ich machen will, bevor ich mir ein endgültiges Urteil erlaube. Beispielsweise, mit der Navigationsfunktion ein rund  zwei Kilometer entferntes Kino an meinem Wohnort finden. Dazu sage ich Siri wo ich hinmöchte und erhalte eine Mini-Karte mit Route angezeigt. Mit einem Wisch zur Seite gibt es detailliertere Richtungshinweise. Die Uhr macht sich am Handgelenk bemerkbar, wenn ich nach rechts oder links abbiegen muss. Alles sehr durchdacht und ich finde den Weg problemlos (auch wenn ich zu Beginn jedes Mal dachte, nun ruft mich jemand an). Was fehlt sind einzig gesprochene Routenanweisungen, aber dieses Feature ist trotzdem das bisher klar sinnvollste der Uhr. Im Gegensatz zu Fussgängern, die bei jeder Weggabelung ihr iPhone hervorholen müssen, habe ich hier einen echten Vorteil.

Was dagegen nicht gelungen ist: Das Display der Uhr leuchtet immer dann, wenn man das Handgelenk dreht. Lässt man den Arm beispielsweise runterhängen, ist das Display aus. Was eigentlich gut klingt, ist in der Praxis naja. Denn die Funktion arbeitet teilweise mit Verzögerung, so dass man stets ein paar Millisekunden warten muss, bis der Bildschirm leuchtet. Klar, das ist nicht dramatisch, aber eben auch nicht optimal. Und von wegen Energiesparen: Der Akku könnte länger halten. Er ist besser als befürchtet und wer die Uhr jeweils auf der kreativen designten Ladestation lässt, kann sie den ganzen Tag nicht zu exzessiv benutzen. Aber nur weil einmal am Tag aufladen bei Tech-Gadgets «courant normal» bedeutet, muss ich das noch lange nicht gut finden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: «Tag 7 - das Fazit»

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