Meine Woche mit der Apple Watch

» Von Fabian Vogt , 25.06.2015 10:07.

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Tag 3

Zufälligerweise erhalte ich eine iMessage – mal wieder eine Werbung von einem grösseren Telekomanbieter der Schweiz. Meine Apple-Watch vibriert leicht, sehr angenehm. Das würde sie auch bei einem Telefonanruf oder einem bevorstehenden Termin tun. Die Nachricht hätte ich dank des gut reagierenden Scroll-Rads (Apple nennt es «Digital Crown») auch sehr schnell lesen können. Wäre da nicht das sehr kleine Display gewesen. Meine Augen sind grundsätzlich nicht so schlecht, aber wenn ich den ganzen Tag auf so einem Bildschirm meine Benachrichtigungen anschaue, werden sie es bald sein. Das 42-mm-Model ist da etwas besser, aber nicht nur für Weitsichtige kein richtiges Lesevergnügen. Antworten könnte ich aber ohnehin nicht richtig, eine Tastatur fehlt nämlich. Ich kann entweder eine vorgefertigte Antwort auswählen oder via Siri versuchen, eine Antwort zu diktieren. Das klappte beim Test im Büro ganz gut, inmitten einer Menschenmasse aber überhaupt nicht.

Aber die Uhr kann ja noch viel mehr. Telefonanrufe machen beispielsweise. Der Ablauf ist gleich wie beim iPhone: einfach das Kontaktbuch anklicken und den Namen suchen. Ich versuche, auf diese Weise meine Mutter anzurufen, während ich am Bahnhof auf den Zug warte. Ein Desaster. Einerseits hört sie mich fast nicht, so dass ich meinen Arm ziemlich nahe an den Mund führen muss. Ja, das sieht so doof aus, wie es klingt. Andererseits höre ich sie fast nicht, weil der Lautsprecher für stille Orte gut genug sein mag, für Plätze voller Leute aber definitiv nicht. Nichtsdestotrotz ist die Funktion nicht ein völliger Flop, da man sehr einfach Anrufe abweisen (einfach die Hand aufs Display legen), halten oder ans iPhone weiterleiten kann. Das ist aber, wie ich mittlerweile merke, das grösste Problem, welches ich mit der Apple-Watch habe: Ich sehe den Mehrwert zum iPhone nicht. Was bringt mir die Anruffunktion, wenn ich trotzdem das Telefon für ein Gespräch brauche? Ob ich nun mein Telefon aus der Hosentasche ziehe oder die Uhr an den Mund führe, wahrlich kein grosser Unterschied.

Wirklich nützlich ist dafür die Kalenderfunktion. Wer einen Termin nach dem anderen hat, kann problemlos in einer Besprechung auf seiner Uhr sehen, was als Nächstes ansteht. Wer dagegen die ganze Zeit auf sein Handy blickt, dürfte merkwürdig angeschaut werden. Trotzdem, bisher überzeugt mich die Uhr überhaupt nicht.

Tag 4

Vielleicht gelingt ihr das ja mit einer App, die es nur für die Apple Watch gibt. Sie nennt sich «Workout». Da ich passionierter Läufer bin, teste ich sie direkt in der Praxis. Vor Beginn kann ein persönliches Ziel für das Training eingetragen werden oder einfach drauflosgelaufen werden (die App eignet sich auch für andere Sportarten wie Radfahren oder Rudern). Die Uhr misst die Herzfrequenz und errechnet die Zahl der verbrauchten Kalorien. Die Pulsmessung dünkt mich allerdings nicht sehr akkurat. Das weiss ich, weil ich vor drei Tagen beim Arzt einen Fitnesscheck gemacht habe und er mir dort einen Ruhepuls mass, der 10 Schläge tiefer war, als mir die Apple Watch weismachen will. Auch während dem Rennen ist der Puls im Schnitt knapp 10 Schläge höher, als er sonst ist. Ich werde darum für das nächste Training wieder den Brustgurt montieren. Während diese Messfehler der Varianz zugeordnet werden könnten, ist es Fakt, dass die Uhr kein GPS besitzt. Somit ist sie für mich nicht brauchbar, denn ohne GPS sind die Aufzeichnungen zu ungenau. Und will ich GPS, brauche ich wieder das iPhone. Dann kann ich aber auch gleich wieder eine App eines anderen Anbieters wie Runtastic verwenden, die eigene Apps, mit mehr Optionen, für die Apple Watch lanciert haben. Allerdings ist bei 3rd-Party-Apps das Problem, dass diese bisweilen ewig brauchen, bis sie starten. 10-20 Sekunden sind keine Seltenheit. Dafür laufen sämtliche Apps, die von Apple selbst kommen, wirklich flüssig.

Nebst Workout gibt es mit Activity noch eine Art Fitness-App von Apple für die Uhr. Diese soll den Träger zu mehr Bewegung animieren, indem sie aufzeigt, wie lange er heute schon gesessen ist, gestanden hat oder trainieren ging. Immer schön mit Diagrammen unterlegt, die auch den Kalorienverbrauch messen. Die Idee ist gut, die App aber so nervig mit ihren ständigen Benachrichtigungen, dass ich diese nach rund drei Stunden ausgeschaltet habe. Gewisse Parameter scheinen hier nicht berücksichtigt worden zu sein. Obwohl mein Uhrenmodell «Sport» heisst, ist es dafür also nur mit Abstrichen zu gebrauchen. 

Lesen Sie auf der nächsten Seite: «Tag 5&6»

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