Google Pixel XL im ersten Test

Das erste «Made by Google»-Handy gibt es bei uns in der Schweiz noch nicht. Computerworld hat trotzdem schon einen ersten Blick auf das teure Google-Phablet geworfen.

» Von Simon Gröflin , 08.11.2016 14:45.

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Man nehme ein Nexus 6P und ein iPhone 7 Plus: So oder ähnlich fühlt sich das erste Riesentelefon an, das Google selber bauen liess. Anders als bei den günstigen Nexus-Smartphones, bei denen der Suchmaschinist jeweils eine Partnerschaft mit den Handy-Herstellern eingegangen ist, kontrolliert Google bei seinen neuen «Pixel»-Smartphones Design und Hardware-Herstellung selber. Der Hersteller (HTC) fungierte hierbei nur als Auftragnehmer. Von HTC haftet keine Spur mehr an dem Eigenkonstrukt. Lediglich ein markantes «G» prangt an der unteren Gehäuseseite, das aber für Google steht. Beim Preis legt man sich direkt mit Apple an: Gut 820 Franken würde man für die XL-Variante in der 32-GB-Speicherbestückung hinblättern. Das lässt aufhorchen. Noch gibt es die beiden Pixel-Handys nicht bei uns zu kaufen. Das könnte womöglich an Googles intelligenten Assistenten liegen, den man hierzulande gleich in drei Landessprachen mit lokalen Suchergebnissen anreichern müsste, so unsere Vermutung. Trotzdem konnten wir es uns nicht nehmen lassen, einen ersten Blick auf das erste Smartphone aus Mountain View zu werfen.

Ist es ein iPhone? 

Bei der Erstbefühlung ist man sich – in der Tat – nicht ganz sicher, ob man ein iPhone in den Händen hält. Der Aluminium-Unibody und die frontseitige Verglasung fühlen sich genauso an, als wäre das Gerät direkt aus Cupertino statt aus Mountain View gekommen. Da wäre höchstens noch der Unterschied zum Touch-Sensor, den man hier wie bei den Nexus-Telefonen mit dem Zeigefinger über die Gehäuserückseite erreicht. Gegen längeres Eintauchen in Wasser geschützt ist das funkelnagelneue Phablet im Vergleich zum letzten iPhone nicht. Was aber freut: Vom selben Glaselement der Vorderseite ist der Laser-Autofokus der Rückkamera abgeschirmt. Eine sehr gute Entscheidung, die Google hier den Taiwanesen diktiert hat. Hier schwingt aber meine persönliche Erfahrung mit HTC-Bauteilen mit: Damals, sowohl beim HTC One (M7) als auch beim HTC One (M8), hat sich bei mir das Kameraglas schnell abgenutzt. Fotos wurden schon nach anderthalb Jahren schwammig, weil der Sensor durch die Kratzer am Glas nicht mehr genug Licht aufnehmen konnte. Daher auch meine anfängliche Skepsis, ob ich persönlich HTC als Bauteilzulieferer bei der Kamera wieder trauen kann. Löblich: Die zweifarbigen LED-Linsen ragen nicht aus dem Gehäuse. Allerdings auch, weil es hier keinen optischen Bildstabilisator gibt. 

Speicherknappheit

Fast schon Pflicht ist der USB-C-Anschluss, mit dem man auch rechnen konnte. Die Möglichkeit, den Speicher mit SD-Karte zu erweitern, fehlt. Schade: Die Standardausführung mit 32 GB ist ein wenig knapp bemessen. Bedenkt man, dass Samsungs Oculus-Plattform bei Erstinstallation gut 100 MB für die VR-Software verschlingt und viele Video- und Spiele-Apps zum Ausprobieren einladen, dürfte das bei Googles kommender Virtual-Reality-Plattform («Daydream») wahrscheinlich nicht viel anders aussehen. Neugierige, die sich eine solche Brille zulegen, werden hier mit Sicherheit gleich zahlreiche Unterhaltungs-Apps installieren wollen. Eine Ausführung des Pixel XL mit 128 GB Speicher gibt es nur gegen einen Aufpreis von rund 120 Franken. Immerhin: Für unbegrenzten Upload von Fotos offeriert dafür Google uneingeschränkten Gratisspeicher.

Riesen-Display mit scharfer Optik

Die Qual der Wahl hat man bei der Display-Grösse. Das 5,5-Zoll-Modell (Pixel XL), das wir vor uns hatten, ist nur wenig kleiner als das iPhone 7 Plus (5,7) und vielleicht für manche Hände schon zu gross. Wer sich riesige Smartphones wie das Nexus 6P gewohnt ist, wird das grosse Telefon gerne in den Händen halten. Normal grosse Hände erreichen den oberen Bildschirmbereich mit dem Daumen gerade noch. Abstriche nimmt man beim 5-Zoll-Display des kleineren Bruders bei der Full-HD-Auflösung in Kauf. Auch Letzteres wird für all jene Anwender ein Unterscheidungskriterium sein, die sich später noch Googles eigene VR-Brille («Daydream View») zulegen wollen, die am 10. November in Deutschland auf den Markt kommt. Denn die hohe Auflösung des grossen Telefons mit 2560 x 1440 Pixeln bewirkt eine höhere Pixeldichte (von über 500 ppi). Im Test haben wir das Google-Phablet vor allem mit einem Galaxy S7 verglichen, das ebenfalls über ein Amoled-Display verfügt. Allgemein fiel uns dabei kein gewaltiger Unterschied auf, den man von blossem Auge sieht. Einzig die Weisswerte unterstreichen beim Pixel-Gerät die bessere Helligkeit. Im Direktvergleich hat man den Eindruck, als lasse der Helligkeitsregler des Pixel-Telefons gefühlt 10 bis 15 Prozent mehr Helligkeit zu. 

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