Werkzeuge fürs Business-Publishing
Die Open-Source-Software Scribus bringt Gedrucktes kostenlos in Form. Doch deswegen werden Gestaltungsveteranen wie Ragtime nicht arbeitslos.

» Von , 11.10.2006 09:12.
Matthias Schüssler ist Journalist und Fachbuchautor in Winterthur.
Der Begriff des Business-Publishings wurde in den letzten Jahren geprägt. Er trägt dem Umstand Rechnung, dass das Gestalten von Drucksachen vermehrt zu den Büroaufgaben zählt. Gestiegen sind auch die Qualitätsansprüche. Mit Textwüsten oder einer aus der Schreibmaschinen-Ära stammenden Aufmachung lockt man das Publikum nicht hinter dem Ofen hervor.
Im harten Kampf um die Aufmerksamkeit braucht es neue Geschütze. Eine Layoutsoftware wie Scribus beispielsweise. Sie bietet die ganze Palette an Möglichkeiten, mit denen man seine Drucksachen interessant, leserfreundlich und augenfällig gestaltet. Scribus erlaubt einen flexiblen Umgang mit Textelementen, rückt Bilder auch in grösserer Zahl in die Publikation und bringt die Sache am Schluss ohne Umstandskrämerei aufs Papier.
Mit vielen Wassern gewaschen
Scribus ist ein Open-Source-Projekt, das es seit 2003 für Linux gibt und das Ende 2005 auf Windows und den Mac portiert wurde. Das neunköpfige Entwicklerteam kennt die professionellen Layoutboliden offensichtlich gut. Viele Konzepte funktionieren genauso wie in Indesign und Quark-Xpress. Der Rahmen übernimmt die Rolle als zent-rales Gestaltungselement, in das man Bilder und Texte einfüllt. Das Verknüpfungswerkzeug stellt die Verbindung zwischen Rahmen her und steuert den Textfluss. In manchen Bereichen braucht sich das freie DTP-Programm nicht hinter seinen Vorbildern zu verstecken. So gibt es ein Farbmanagement, eine Ebenen-Verwaltung und Unterstützung für ICC-Profile (International Color Consortium). Scribus beherrscht die Vierfarbseparation, erstellt direkt PDF-Dateien und war die erste Layoutsoftware überhaupt, die den rigiden PDF/X-3-Standard erfüllte. Er sorgt für Produktionssicherheit, weil die Druckvorstufenüberprüfung, auch Preflight genannt, Ausgabeprob-leme rechtzeitig erkennt.
Bei vielen kleinen Details hat das Scribus-Team weiter gedacht als die Entwickler bei Adobe oder Quark. Der Farbkreis hilft beim Aussuchen gefälliger Kombinationen, indem er auch Komplementärfarben, triadische Kombinationen oder analoge Farben bietet. Er zeigt aber auch, wie die gewählten Farben auf Farbenblinde wirken, und lässt Rückschlüsse auf die Lesbarkeit zu.
Das Programm leidet in der aktuellen Version aber noch an Kinderkrankheiten: Der Import von Dateien klappt nicht immer wunschgemäss, und der Umgang mit Druckformaten ist verbesserungsfähig. Es gibt keinen Import von GIF-Grafiken, wohl aus mittlerweile eigentlich hinfälligen lizenzrechtlichen Gründen. Die Menüs wechseln mitunter willkürlich von Deutsch nach Englisch. Es treten auch Abstürze auf, und die gemächliche Arbeitsgeschwindigkeit bei grossen Dokumenten zerrt an den Nerven. Für kleine Projekte darf man Scribus aber ungeniert empfehlen.






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