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Daten sind selten verloren

14.01.2005 | 00:00 Uhr

Der Einsatz von Datenrettern beim vermeintlichen Verlust-Gau ist zwar teuer, führt aber meistens zum Erfolg. Denn solange die physikalischen Informationen auf einem Träger vorhanden sind, lassen sie sich auch auslesen.

Michael Keller

Die einzige und beste Prophylaxe gegen Datenverlust ist ein konsequent durchgeführtes Backup. Vorbeugende Massnahmen zur Datensicherung werden aber häufig nicht getroffen oder unsauber durchgeführt. Dies erstaunt angesichts der Tatsache, dass der Verlust von Daten für Unternehmen wenn nicht existenziell bedrohend, so doch zumindest finanziell schmerzhaft sein kann: Der Wert von 20 MByte Vertriebsdaten wird mit rund 25'000 Franken beziffert. Die gleiche Menge Finanzdaten entspricht rund 30'000 Franken, während CADLexikon-Daten mit bis zu 150'000 Franken zu Buche schlagen können.

Basteln vermeiden

Kommt es zum Verlust von Daten, so sollte möglichst vermieden werden, dass nichtfachkundige Personen an den beschädigten Systemen Hand anlegen. Datenrettungsversuche in Eigenregie versprechen lediglich dann Erfolg, wenn keine Hardware-Defekte vorliegen und sich das Speichermedium noch ansprechen lässt. Ansonsten sollte auf professionelle Hilfe zurückgegriffen werden.

Bei reinen Software-Defekten lassen sich mit geeigneten Recovery-Werkzeugen zwar teilweise selbst Reparaturen durchführen, Spezialisten raten jedoch davon ab. Handelt es sich um Hardwaredefekte, was meist an ungewöhnlichen Geräuschen zu erkennen ist, sollten Rechner sofort ausgeschaltet werden, weil durch den weiteren Betrieb Daten effektiv zerstört werden können. Datenretter wie Kroll Ontrack, Ibas oder Vogon warnen daher zu Recht davor, Speichermedien selbst zu reparieren.

Hohe Rettungschancen

Glaubt man professionellen Datenrettern, so gelingt es, Daten in rund 80 Prozent aller Fälle wieder herzustellen. Dies gilt auch für benässte, verbrannte oder sonstwie beschädigte Datenträger. Die grundlegende Voraussetzung für jeden Rettungsversuch ist jedoch, dass die Information physika Glaubt man professionellen Datenrettern, so gelingt es, Daten in rund 80 Prozent aller Fälle wieder herzustellen. Dies gilt auch für benässte, verbrannte oder sonstwie beschädigte Datenträger. Die grundlegende Voraussetzung für jeden Rettungsversuch ist jedoch, dass die Information physikalisch noch vorhanden ist, also in Form unterschiedlicher Polung von Magnetpartikeln existiert. Die Hitzetoleranzgrenze von Magnetscheiben in Festplatten beispielsweise variiert je nach Typ zwischen 300 bis 700 Grad Celsius, so dass ein normaler Brand den Daten meist nichts anhaben kann. Rettungsversuche sind erst sinnlos, wenn die Daten effektiv durch starke Magnetfelder, hohe Temperaturen oder durch gezieltes Überschreiben zerstört oder gelöscht wurden.

Arbeit am Spiegelbild

Beschädigte Datenträger sollten sicher verpackt in die Labors einer Rettungsfirma geschickt werden. Datenretter haben es in rund 80 Prozent aller Fälle mit Festplatten zu tun. Im Rahmen einer ersten Schadensanalyse erstellt die Dienstleisterin eine Prognose, inwiefern die Daten rettbar sind und zu welchem Preis dies erfolgen kann. Kroll Ontrack etwa verlangt für eine Diagnose rund 130 Franken pro Desktop-Festplatte und 300 für eine Server-Harddisc. Die Kosten für die nachfolgenden Massnahmen beginnen bei 1200 Franken können aber in Abhängigkeit des Aufwands um Faktoren höher ausfallen.

Der erste Schritt im Labor ist immer der Versuch, alles, was physikalisch auf dem beschädigten Medium gespeichert ist, auf ein intaktes Speichersystem zu übertragen. Wiederherstellungsversuche werden grundsätzlich nicht am Originalmedium, sondern an dessen Image durchgeführt. Gerade Daten, die unbewusst oder absichtlich gelöscht wurden, jedoch auf der Festplatte noch nicht überschrieben sind, lassen sich auf diese Weise relativ einfach wiederherstellen. Genaue Systemkenntnisse und das Wissen, welche Daten in welchen Sektoren oder Segmenten von Datenträgern gespeichert sind, bilden dafür eine wichtige Grundlage.

Reinraum für harte Fälle

Auch bei frisch formatierten oder beschädigten Festplatten ist eine Rettung der Daten möglich. Selbst wenn sich durch physische Zerstörung nur Teile eines Datenträgers wiederherstellen lassen, können die gesicherten Daten unter Umständen für die spätere Rekonstruktion der Dateien genügen. Die Schadenssanierung ist in s Auch bei frisch formatierten oder beschädigten Festplatten ist eine Rettung der Daten möglich. Selbst wenn sich durch physische Zerstörung nur Teile eines Datenträgers wiederherstellen lassen, können die gesicherten Daten unter Umständen für die spätere Rekonstruktion der Dateien genügen. Die Schadenssanierung ist in solchen Fällen jedoch sehr aufwändig.

Drehen die Platten einer Harddisc nicht mehr, oder sind die Schreib-/Leseköpfe defekt, so muss der Magnetscheibenstapel im Reinraum unter gleichen Bedingungen wie in den Produktionsstätten geöffnet und zerlegt werden. Mit speziellen Geräten können einzelne Magnetscheiben aufgenommen und spurweise jeder noch intakte Sektor ausgelesen werden. Oft werden die einzelnen Platten auch in einem neuen Gehäuse mit funktionierenden Schnittstellen wieder zusammengesetzt, um die Daten dann auf ein sicheres Medium zu übertragen.

Den Vorgehensweisen für Datenträger mit mechanischen Defekten geht im Fall von Wasserschäden ein Trocknungsverfahren voraus. Brandgeräte wiederum erfordern in der Regel, Platten und Köpfe unter Einsatz von Feinmechanik und Mikroskop voneinander zu trennen.

Ist die logische Struktur der Daten durch Softwarefehler oder Viren gestört, so muss ebenfalls der gesamte Festplatteninhalt Byte für Byte kopiert werden.

Knifflige Rekonstruktion

Ist das Image des Datenträgers einmal vorhanden, so wird mit Spezialsoftware versucht, aus den Nullen und Einsen die ursprünglichen Datenstrukturen zu bilden. Die Rekonstruktion der Dateisysteme und der Techniken, mit der Festplatten Daten ablegen und verwalten, zählen zu den schwierigsten Aufgaben der Datenretter.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Festplattenherstellerinnen auch gegenüber den Datenrettungslabors mit Informationen über die Organisation der Daten sowie über verwendete Algorithmen sehr zurückhalten. Daher erleichtert es die Arbeit der Datenretter erheblich, wenn die Anwender jeweils genaue Informationen über den Inhalt ihrer Speichermedien liefern können.

http://www.datenrettung.ch

http://www.ibas.ch

http://www.vogon.ch

Festplatten krönen die Schadensbilanz der Datenretter

Aktuelle Statistiken über die Ursachen von Datenverlust machen Viren erstaunlicherweise nur in fünf Prozent aller Fälle verantwortlich. Seltener noch mit zwei Prozent sind Naturkatastrophen. Korrupte Software fällt mit neun Prozent i Aktuelle Statistiken über die Ursachen von Datenverlust machen Viren erstaunlicherweise nur in fünf Prozent aller Fälle verantwortlich. Seltener noch mit zwei Prozent sind Naturkatastrophen. Korrupte Software fällt mit neun Prozent ins Gewicht, während Anwenderfehler immerhin mit 27 Prozent beziffert werden. Den Löwenanteil jedoch verschlingen Hardwareschäden: Sie machen ursächlich 57 Prozent der Vorkommnisse aus.

Elektronikdefekte, gerissene Bänder oder defekte Schreib-/Leseköpfe von Festplatten gehören somit zur Tagesordnung bei Datenrettern. Bezüglich Speichermedium betreffen rund 80 Prozent aller Rettungsversuche Festplatten. Hierbei ist das häufigste Problem der sogenannte Headcrash, also das Aufschlagen des Schreib-/Lesekopfes auf die Oberfläche der Magnetscheibe. Des Weiteren fallen Festplatten aus, wenn sie überhitzen. Dabei kann der Schutzfilm der Scheiben harzig werden. Die Magnetköpfe können in diesem Fall bei Berührung des Schutzfilms auf der Oberfläche der Platten kleben bleiben.

Schäden bei der Laufwerkselektronik entstehen am häufigsten durch zu hohe Versorgungsspannungen, hervorgerufen durch Blitzeinschläge oder defekte Netzteile.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Computerworld 02/2005. Ausgabe bestellen

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