Open-Source-Nutzung steigt - spart mehr, als erwartet

Klare Erkenntnis der Open Source Studie Schweiz 2015: Schweizer Verwaltungen schmeissen Geld zum Fenster hinaus. Alte Legacy-Systeme in den Firmen verhindern die Migration

» Von Michael Kurzidim , 05.06.2015 11:40.

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Open-Source spart bares Geld. Das hat die Open Source Studie 2015 "bewiesen", die alle drei Jahre von swissICT und der Swiss Open Systems User Group durchgeführt wird. Höhere Einsparungen gehen mit einem höheren Anteil intensiver Open-Source-Nutzung einher. Je mehr Open Source, desto grösser die Kostengewinne. Die Top-Sparer unter den Schweizer Unternehmen stellen mit über 80 Prozent auch den höchsten Anteil an Vielnutzern. Top-Sparer konnten ihr IT-Budget durch den Einsatz von Open Source um 20 Prozent und mehr reduzieren.

Die Kosteneinsparungen sind in der Schweiz jedoch sehr ungleich verteilt. Das wird deutlich, wenn man sich die sehr wichtigen Vielnutzer genauer anschaut. Vielnutzer setzen in mindestens der Hälfte der Einsatzgebiete offene Technologien ein. Nur ein Prozent der Verwaltungen tut das, aber ein Drittel der Schweizer ICT-Unternehmen. Die Schweizer Verwaltung hat also punkto Open-Source noch viel brach liegendes Potenzial. Eine interessante Erkenntnis: Die open-source-scheuen Schweizer Verwaltungen werfen Geld zum Fenster hinaus.

Riesenvorteil: innovative Community

SwissICT und die Swiss Open Systems User Group befragten 200 Schweizer Unternehmen. Kosteneinsparungen rangierten mit einer Nennung von 77 Prozent jedoch erst an dritter Stelle. Wichtiger sind den Schweizern die Einhaltung offener Standards (86 Prozent) und der Wissensaustausch mit der Open-Source-Community (82 Prozent). Die Community wird von Anbietern wie Red Hat als Argument für eine stärkere und schnellere Innovationsfähigkeit vorgebracht. Anbieter proprietärer Software reagieren träger und langsamer.

Hohe Hürde: alte Legacy-Systeme

In vielen Schweizer Unternehmen verrichten noch alte (proprietäre) Legacy-Systeme zuverlässig ihren Dienst. Kunden, die wegen der oben genannten Vorteile trotzdem migrieren wollen, haben einige Hürden zu nehmen. Fehlende Schnittstellen (65 Prozent) und die Abhängigkeit von proprietären Systemen (64 Prozent) werden am häufigsten als Hinderungsgründe genannt. Denn die starren Strukturen bestehender Legacy-Systeme, die ohne den jeweiligen Hersteller gar nicht zu überwinden seien, verhinderten einen einfachen Wechsel, schreiben die Autoren. Auch die Frage der fehlenden Lieferantenhaftung und der Mangel an kommerziellem Support verunsicherten nach wie vor viele Kunden, die eigentlich Open Source viel Positives abgewinnen könnten.

Harte Nuss: Desktop-Apps

Besonders die Anwendungsgebiete Web Server, Programmiersprachen, Datenbanken, Server-Betriebssysteme, Content Management Systeme und Sicherheit/Verschlüsselung setzen stärker als noch vor drei Jahren auf Open Source. Darunter finden sich die meisten der sehr IT-affinen Bereiche. Der Einsatz von quelloffenen Desktop-Anwendungen und Data Warehousing ist jedoch zurückgegangen. Offensichtlich ist es schwerer,  im klassischen Office-Desktop-Umfeld die versprochenen Kosteneimsparungen zu realisieren, weil durch Anwenderschulungen und Anwender-Support zusätzliche Investitionen anfallen. Auch der Einsatz von quelloffenen ERP-Systemen ist von 14 Prozent (2012) auf 4,5 Prozent (2015) stark gefallen.

Die Schweizer Post habe im letzten Jahr Maria DB als alternative Technologie in ihren Standard für relationale Datenbanken aufgenommen, schreibt Christian Zeller im Vorwort der Studie. Der Leiter Informationstechnologie der Post CH AG nennt ausserdem Apache, Tomcat, Linux, Android, Docker und graphite - Open-Source-Technologien, die die Post im operativen Umfeld unterstützen. Um den zuverlässigen Einsatz zu gewährleisten, nutzt die Post die Support- und Wartungsdienstleistungen qualifizierter Unternehmen.

 

 

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