Migros digitalisiert mit SAP Schweiz

SAP Forum Basel: Migros-Direktor Andreas Münch erhielt tosenden Beifall. Technikchef Irfan Khan erklärte den 2400 Teilnehmern den digitalen Kern S/4Hana. SAP spricht von der grössten ICT-Messe der Schweiz.

» Von Michael Kurzidim , 10.03.2016 14:47.

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Tosenden Beifall erhielt die Keynote von Migros-Direktor Andreas Münch. Auf dem SAP Forum in Basel erläuterte Münch die innovative Digitalstrategie der Migros, des grössten Discounters der Schweiz. Währenddessen bekannte sich Moderator Sascha Ruefer als enthusiastischer Fan des Migros-Butterzöpfli, wie mit ihm Millionen von Schweizern. Er habe nichts gegen Coop, so Ruefer, aber tief im Herzen sei er doch ein Migros-Fan. Was besser schmeckt, das Butterzöpfli von Coop oder Migros, diese Frage konnten wir nicht abschliessend beantworten. Aber klar wurde: das Butterzöpfli und die IT der SAP sind die beiden Säulen des Erfolges der Migros in der Schweiz.

"Der Kunde ist heute besser informiert als der Verkäufer und wechselt während des Kaufprozesses mehrmals die Kanäle", analysierte Münch. Er erwarte 24/7 Einkaufsmöglichkeiten - anytime und anywhere -  fixe Öffnungszeiten seien passe. Das habe massive Auswirkungen auf die rund 2000 physischen Standorte des Discounters. Die Migros erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen E-Commerce-Umsatz von 1,8 Milliarden Franken, das sind 6,5 Prozent des Gesamtumsatzes. Riesig sei die Wachstumsrate der Online-Verkäufe im Jahr/Jahr-Vergleich: 73 Prozent. Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Abholorte ergänzen deshalb strategisch den Online-Handel. Kunden kaufen zum Beispiel morgens in LeShop.ch ein und nehmen abends im Fitness Park nach dem Duschen oder in der Migros-Filiale nebenan ihren fertig gepackten Einkaufskorb entgegen. Die höheren Aufwände fürs Cross Chanelling zahlen sich für die Migros aus, den 53 Prozent der Kunden kauften beim Abholen ihres Online-Paketes zusätzlich ein, verriet Münch. Echte Cross-Channel-Kunden, die also alle drei Kanälen nutzen (physische Niederlassung, Online-Kauf plus Abholort), geben nach internen Analysen mehr als doppelt so viel Geld aus als die Nur-Niederlassungs-Shopper.

SpeedyShop's 30-Minuten-Delivery

Innovativ ist auch der SpeedyShop, den Migros zusammen mit der Post und den SBB betreibt. Kunden, die zum Beispiel mit den SBB von Bern nach Zürich reisen, bestellen online und können am Zürcher Hauptbahnhof den fertig geschnürten Einkaufskorb in Empfang nehmen. Migros bietet den Service fast 24 Stunden am Tag, von 6 Uhr 30 in der Frühe bis spät abends eine halbe Stunde nach Mitternacht an. 1000 Artikel, darunter Lebensmittel, Haushalts- und Hygieneprodukte, sind im SpeedyShop erhältlich. Das Pilotprojekt läuft bis Mai 2016.

So schnell auf Kundenwünsche zu reagieren, das geht nur mit einer sehr schnellen Echtzeit-Plattform, die (Bestell-)Daten in Sekundenbruchteilen auswertet. SAPs Irfan Khan war extra aus London eingeflogen, um den etwa 1200 Teilnehmern des SAP Technology Day in Basel zu zeigen, wie SAP das anstellt.  Der Technologiechef strich den digitalen Kern - die SAP S/4Hana - heraus. S/4Hana ist wesentlich flexibler als das alte ERP und bietet für weitere Service-Komponenten mehr Andockstationen, zum Beispiel Mobile, das Internet der Dinge, Platform as a Service, Data Warehousing, Business Intelligence oder Identity & Security.

"Wir in Finance werden transformiert, ob wir wollen oder nicht"

Ein wesentlicher Bestandteil des S/4-Kerns ist das SAPs Finanzpaket aus der Hana-Cloud S/4Finance, mit den Komponenten Financial Planning & Analysis, Accounting, Risiko-Management, Finance Operations und integrierter Compliance. Durch die enge Verzahnung mit dem Business-Netzwerk Ariba ist es zum Beispiel möglich, mit S/4Finance Aufträge entgegen zu nehmen, zu buchen und mit Ariba Pay auch gleich zu bezahlen. "Wir in Finance werden transformiert, ob wir wollen oder nicht", stellte Pascal Bassin von den Novo Business Consultants klar. Das Verlagshaus Ringier - ein SAP-Referenzkunde - hat mit S/4Finance einen Greenfield-Ansatz gewählt und einen Grossteil seiner Business-Prozesse neu gestaltet.

"Wie sehen die Geschäftsprozesse der Zukunft aus?"

Wie sehen die Geschäftsprozesse der Zukunft aus?, das ist eine der entscheidenden Fragen. Bassin schlug vor, sich an Skype ein Beispiel zu nehmen, das den vorderen Teil der Wertschöpfungskette - die Kupfer- und Glasfaserkabel im Boden - einfach übersprungen habe. Skype hat telefonieren zum Nulltarif möglich gemacht. Auch in Finance komme es darauf an, so viel wie möglich kostenfrei anzubieten. Schaut man auf die neuen FinTechs und die Blockchain-Technologie, scheint den etablierten Banken auch gar nichts anderes übrig zu bleiben.

Kritisch äusserte sich Anna Kremer, Manager Finance & Controlling bei der Q_Perior AG. Aus Finanz- und Controlling-Sicht herrschte lange Zeit Skepsis gegenüber dem Argument, mit S/4Hana/Finance werde alles schneller, erzählte Kremer. Die typische Antwort der Finanzexperten sei gewesen: "Aber wir sind doch auch ohne Hana schon sehr schnell".  Seit Kurzem aber wachse auch in Finance die Begeisterung. Denn das Reporting, so ein Benefit der Hana-Plattform, werde ins ERP zurückgeholt, und das sehen die Finanzexperten als echten Vorteil.

SAP Forum - Schweizer Rekordmesse

Das SAP Forum in Basel war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Schon eine Woche vor dem Forumsstart musste SAP den Ticketverkauf einstellen. Zum Business Day (Dienstag) kamen laut SAP etwa 1400 Besucher, der Technology Day (Mittwoch) zählte gut 1200 Teilnehmer. Damit hat die Besucherzahl im Vergleich zum Vorjahr noch einmal spürbar zugelegt. SAP spricht von "der grössten ICT-Messe der Schweiz".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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