Legacy-Systeme: Neu bauen oder renovieren?
Kaum ein Thema, das heftiger diskutiert wird, als der Umgang mit Legacy-Systemen. Die komplette Ablösung dieser historisch gewachsenen IT eines Unternehmens birgt kaum kalkulierbare Risiken. Stattdessen bietet sich die gezielte Modernisierung der bewährten Applikationen als möglicher Ausweg an.

» Von , 24.09.2007 09:20.
Joachim Blome ist Chef der deutschen Dependance von Micro Focus.
Allen Unkenrufen zum Trotz: Die Legacy-Systeme sind nicht tot zu kriegen. Ungeachtetet aller in der Business-IT erfolgten Neuerungen stellen sie weiterhin den harten Kern der Applikationslandschaft dar.
Wundern darf das nicht. Der weltweite Bestand an ausgereifter, bewährter Legacy-Software ist riesig. Insbesondere bei kritischen Aufgaben, grossem Transaktionsaufkommen und hohen Benutzerzahlen sind sie punkto Performance und Stabilität kaum zu übertreffen. Sie stehen in den Warenwirtschaftssystemen von Grossfirmen ebenso im Einsatz wie in der Kontenführung der Banken oder in der Vertragsverwaltung der Versicherungen.
So stehen die IT-Verantwortlichen vor einem Dilemma: Soll eine aufwändige und risikoreiche Softwareentwicklung für komplett neue Applikationen initiiert werden? Oder soll man einfach weiter machen wie bisher und so tun, als schrieben wir noch immer das Jahr 1992?
Offensichtliches Dilemma
Beides funktioniert in der Praxis nicht. Eine komplette Neuentwicklung der Anwendungen mit «modernen» Technologien würde die Entwicklungsabteilungen über Jahre blockieren und Millionen kosten. Dabei würde sie hinsichtlich der Geschäftslogik keinen funktionellen Vorteil bringen. Überdies wäre die Ablösung der alten Systeme enorm riskant, weil ausgereifte Applikationen und Prozesse durch solche ersetzt würden, deren Bewährungsprobe nach Abschluss der Arbeiten noch ausstünde. Wobei auch für das gesamte Umfeld, vom Requirements-Management bis hin zum Testen mit anderen Technologien von vorne begonnen werden müsste. Andererseits stellen die Millionen von Code-Zeilen der Altsysteme einen enormen Wert dar - den kein Unternehmen einfach abschreiben kann.
Dieser Problematik ungeachtet zwingen jedoch die neuen Geschäftsmodelle und -prozesse, das allgegenwärtige Web, neue Infrastrukturen und Architekturen die Firmen, zu handeln. Grosse, monolithische Anwendungssysteme, die auf teuren, proprietären Plattformen laufen, passen nicht mehr in eine Zeit, die ganz auf Flexibilität und Agilität ausgerichtet ist. Sie lassen sich nur schwer mit anderen Systemen verbinden oder auf neue Anforderungen ausrichten. Kein Anwender versteht heute noch, weshalb er horrende Beträge selbst für geringste Erweiterungen, etwa beim Speicher oder bei der CPU-Leistung, bezahlen soll. Die Unix-, Linux- und Windows-Server haben in diesem Bereich die Massstäbe unwiderruflich verändert.



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