IBM will Big Data entzaubern

Datenintensive Anwendungen wie eine Echtzeit-Vorhersage von Eisschollen-Bewegungen ist ein plakatives Beispiel für Big Data. In der Realität geht es oft um grundlegendere Fragen.

An der Konferenz «IOD» diskutieren 12'000 Fachleute über Big Data (Bild: IBM)An der Konferenz «IOD» diskutieren 12'000 Fachleute über Big Data (Bild: IBM)

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» Von Mark Schröder , 23.10.2012 09:08.

In der Arktis befinden sich grosse, heute noch nicht ausgeschöpfte Rohstoffvorkommen. Diese Tatsache ist auch dem Energiekonzern ConocoPhillips nicht entgangen. Wenn es die Ölvorkommen in der Arktis erschliessen will, muss sich das US-amerikanische Unternehmen allerdings mit den stetig bewegten Eismassen arrangieren. Bohrungen sind nur drei Monate pro Jahr möglich, anderenfalls besteht die Gefahr, dass herumtreibende Eisschollen die teuren Bohrer beschädigen. Phil Anno, Wissenschaftler bei ConocoPhillips, sah die Möglichkeit, dass Vorhersagen über die Eisbewegungen in der Arktis allenfalls eine längere Bohrzeit bedeuten könnten. Innert fünf Monaten entwickelte Anno gemeinsam mit Ingenieuren von IBM eine Applikation für die satellitengestützte Beobachtung von Schollenverschiebungen. Auf der InfoSphere-Plattform entstand eine Anwendung, die Eis-Bewegungen in einer Förderregion vorhersagen kann. «Die Anwendung verlängert den Bohrzeitraum um einen Monat und spart ConocoPhillips bis zu 300 Millionen US-Dollar», sagte Anno an der IBM-Konferenz «Information On Demand» (IOD).

Das spektakuläre Beispiel für ein Big-Data-Projekt war Grund genug für Robert LeBlanc, den Forscher Anno an die mit rund 12'000 Teilnehmern fast ausgebuchte Konferenz nach Las Vegas einzuladen. LeBlanc, selbst Senior Vice President Middleware Software bei IBM, weiss, dass auch seine Kunden ihre Arktis haben: die hohen Kosten für den IT-Betrieb. Laut den Marktforschern von IDC wenden Unternehmen weltweit auch im nächsten Jahr noch 68 Prozent ihrer IT-Ausgaben für Administration und Management ihrer Systeme auf. Nur eines von fünf Unternehmen allokiert 50 Prozent oder mehr seines IT-Budgets in neue Projekte.

Neue Projekte sind aber längst nicht immer so plakativ wie das Eisschollen-«Management», sagt Ken Bisconti, Vice President Enterprise Content Management Products and Strategy bei IBM. Bei Versicherungskonzernen geht es zum Beispiel um das Entdecken von betrügerischen Vorgängen. Für das Case Management arbeitet «Big Blue» auch in der Schweiz mit Kunden zusammen, die Geschäftsabläufe automatisieren wollen. Normale Schadensfälle leitet die Software ohne manuellen Eingriff weiter. Auffällige Fälle sortiert die Software aus. Für diese Ausnahmen haben Fachleute typische Muster identifiziert und Grenzwerte oder Trigger definiert. So soll die Zahl der erforderlichen Prüfungen durch Sachbearbeiter massiv gesenkt werden.

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