IBM Watson für Schweizer Privatbankiers

» Von Mark Schröder , 29.10.2014 04:10.

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Die interaktive Aufbereitung von strukturierten und unstrukturierten Daten überträgt IBM auch für die Anwendungsfälle Onkologie und Kochen. Für die Medizin wird die Maschine mit den Inhalten von rund einer Million schriftlichen Quellen wie Büchern und Fachzeitschriften gespeist. Aufgrund der Angaben des behandelnden Arztes präsentiert Watson mögliche (wahrscheinliche) und Therapie-Empfehlungen. Dabei werden Unverträglichkeiten sowohl des Patienten als auch von Medikamenten untereinander berücksichtigt. Wie IBM-Manager Rhodin sagte, ist das Resultat vergleichbar mit der Konsultation eines weltweit anerkannten Spezialisten. Auch hier sei der Unterschied, dass die Software natürlich nicht selbst operiert und lediglich Wahrscheinlichkeitsaussagen macht.

Watson schreibt Kochbuch

Die chemische Zusammensetzung von Medikamenten hat Watson mit der Arzt-Anwendung einmal gelernt. Diese Fähigkeit überträgt IBM für den Chefkoch auf Lebensmittel. Für die Rezepte ergänzt die Software einen Faktor für landestypische oder regionale Geschmacksvorlieben. So hätten zum Beispiel Asiaten eine andere Einschätzung von scharf gewürzten Speisen als die Europäer. Aber auch auf dem «alten Kontinent» seien die Vorlieben noch unterschiedlich. Was für einen Schweizer scharf gewürzt ist, ist für einen Holländer noch lange nicht scharf, wusste Rhodin. 

Wie geschmackvoll Watsons Kreationen wirklich sind, testet IBM aktuell in einem öffentlichen Betatest der Software. Die besten Rezepte der Küchenhilfe Watson will Big Blue Ende Jahr in einem Kochbuch vermarkten.

Den Produktivbetrieb seit drei Wochen erreicht hat die Entwicklerplattform von Watson. Manager Rhodin war erfreut vom regen Zuspruch. Nach seinen Worten hätten sich in den 21 Tagen bereits 1500 Entwickler und Firmen registriert, die an insgesamt 2500 Apps arbeiteten. Unterdessen sei die Watson-API bis anhin rund eine Million Mal abgerufen worden – sei es für Testzwecke oder von produktiven Applikationen.

Zeitgemässe Ferienplanung 

Jenseits der Entwicklerplattform haben Unternehmen wie WayBlazer ihre eigenen Ideen mit Watson-Technologie umgesetzt. Die Plattform für Online-Reisebüros verzichtet darauf, den User zum Eintippen von Eckdaten seiner Ferien in Formulare zu nötigen. Stattdessen kann er in ein Suchfeld eintippen, wie er sich die Ferien vorstellt: «mit Frau und den beiden Kindern in den Schulferien auf die Azoren in ein Vier-Sterne-Hotel mit Kinderbetreuung und Wellness-Paket». Aus diesem Satz extrahiert die Watson-Software alle notwendigen Informationen und macht Buchungsvorschläge.

Zusätzlich werden dem User Insider-Tipps oder populäre Ausflugsziele angezeigt. Diese Informationen bezieht WayBlazer von Reise-Webseiten und zum Beispiel den Social-Kanälen wie Facebook oder Foursquare. WayBlazer-Gründer Terry Jones äusserte sich an der «Insight» überzeugt, dass seine Watson-Anwendung erst am Anfang steht und Potential hat, die Reisebranche aufzumischen. Jones weiss, wovon er spricht, ist WayBlazer doch schon sein drittes erfolgreiches Projekt in dem Bereich. Auch an den Gründungen von Travelocity und Kayak war er beteiligt. Zuvor amtierte er jahrelang als CIO des Reise-Reservierungssystems Sabre.

Wie WayBlazer können auch andere Unternehmen die Algorithmen und Technologien von Watson heute nutzen – wenn sie mit einer Software aus der Cloud arbeiten dürfen, können und wollen. Dem steht bei Finanzinformationen und Patientendaten steht allenfalls der Datenschutz entgegen. IBM ist sich den Herausforderung bei Sicherheitsvorbehalten seiner Kunden bewusst, betont Steve Mills Senior Vice President and Group Executive Software and Systems, im Gespräch mit Computerworld. Watson sei aktuell eine reine Cloud-App. Allerdings würden die Ingenieure auch einer Version der Software arbeiten, die sich Firmen in ihrem eigenen Rechenzentrum installieren könnten, sagte der Software-Chef von IBM. Dann könnte Watson tatsächlich eine Hilfe für Schweizer Finanzdienstleister werden.

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