Freundlicher Emulator

Mit dem Emulator Qemu werden Windows- und Linux-Maschinen zu freundlichen Gastgebern für praktisch alle Betriebssysteme.

  

» Von Claudia Bardola, 04.07.2006 10:33.

Virtualisierung ist im Trend: Gemäss der Marktforscherin IDC wird der Virtualisierungsmarkt bis 2009 ein jährliches Volumen von rund 15 Milliarden Dollar generieren. Doch nicht nur die kommerziellen Anbieter wie die EMC-Tochter VM-Ware und Microsoft haben entsprechende Produkte im Angebot. Auch die Open-Source-Community hat in Sachen Virtualisierung einiges im Köcher. Ein Beispiel dafür ist das vom französischen Programmierer Fabrice Bellard entwickelte System Qemu.

Dieses ist streng genommen zwar ein modularer Emulator für verschiedene Prozessorarten, verfügt aber über ausgeklügelte Virtualisierungskapazitäten. Qemu stellt nicht wie etwa die VM-Ware-Software eine virtualisierte Schicht der Hardware bereit, sondern emuliert diese. Dazu wird jede CPU-Instruktion des Gast-Betriebssystems übersetzt und vom Prozessor des Hostsystems ausgeführt. So kann praktisch jedes Betriebssystem, unabhängig vom Prozessor, auf Windows- und Linux-Maschinen zum Laufen gebracht werden.

Unser Testcenter hat das Open-Source-Tool genauer unter die Lupe genommen. Das Fazit: Qemu legt zwar nicht ganz das Tempo von kommerzieller Virtualisierungssoftware hin, macht diesen Nachteil aber mit seiner weitreichenden Plattform-Unterstützung wieder wett.

Ausserdem lässt sich das Werkzeug mit dem optional erhältlichen Qemu Accelerator Module beschleunigen. Dieses ist zwar proprietär, aber dennoch kostenlos erhältlich. Es kommt vor allem bei der Emulation eines vollständigen Systems auf einem PC zum Einsatz und ermöglicht es Qemu, einen Grossteil des Applikationscodes direkt auf dem Host-Prozessor laufen zu lassen. Auf diese Weise kann beinahe native Geschwindigkeit erreicht werden.

Pluspunkte im Test gabs für das einfache Setup und Handling. Die grössten Abzüge erhielt das quelloffene Werkzeug für die mangelhafte Dokumentation. Insgesamt holte Qemu 8,5 von zehn möglichen Punkten und damit die Note «sehr gut».

www.qemu.org

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