Forscher entwickeln den «ultimativen» Ad-Blocker

Forscher der US-Universitäten Princeton und Stanford haben einen neuartigen Ad-Blocker entwickelt. Der «Perceptual Ad Blocker» hat buchstäblich ein Auge für Werbung.

» Von Luca Perler , 18.04.2017 15:30.

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Ein vierköpfiges Team der amerikanischen Universitäten Princeton und Standford hat das Ad-Blocking neu erfunden. Ihre Methode solle sich allen möglichen Massnahmen gegen das Filtern von Werbungen auf Webseiten entziehen können. Es sei ein Versuch, dem ständigen Wettlauf zwischen Ad-Blockern und Anti-Ad-Blockern ein Ende zu setzen, schreiben die Forscher in ihrem Bericht.

Die Entwickler setzten beim Programmieren ihrer Anwendung auf eine visuelle Herangehensweise. Der sogenannte «Perceptual Ad Blocker» arbeitet mit optischer Zeichenerkennung, die Reklame auf Webseiten anhand verwendeter Zeichen, Icons oder Designs untersucht und lokalisiert. Innerhalb von Boxen, in denen die Anzeigen untergebracht sind, sucht die Software zudem nach Wörtern wie «sponsored» oder «close ad». Dadurch kann der neuartige Ad-Blocker etwa auch gesponserte Inhalte auf News- oder Social-Media-Portalen erkennen. Der «Perceptual Ad Blocker» operiert zudem unter einer Tarnkappe. Auf 50 Webseiten mit Anti-Ad-Blocker-Software surften die Forscher, während ihre Anwendung aktiviert war. Keine der getesteten Seiten verwehrte ihnen den Zugang.

Der «Perceptual Ad Blocker» funktioniert gemäss dem Magazin «Motherboard» somit ganz anders als herkömmliche Ad-Blocker. Diese konzentrieren sich beim Filtern jeweils auf Codes, welche bei Standard-Anzeigen hinterlegt sind. Auf riesigen Open-Source-Datenbanken im Netz sind diese öffentlich einsehbar. Werbe-Blocker wie «Adblock Plus» nutzen diese Listen anschliessend, um Anzeigen aufzuspüren und zu blockieren. Laut «Motherboard» hat dieses Vorgehen mehrere Nachteile: Einerseits kann es von Anti-Ad-Blockern schnell erkannt werden, andererseits können Werber Codes einfach auswechseln, sodass die Ad-Blocker Reklamen nicht mehr als solche identifizieren können. Native Ads fallen ebenfalls durch die Maschen der herkömmlichen Filter.

Funktionstüchtig dank gesetzlichen Vorschriften

Möglich ist die von den Forschern entwickelte Art des Ad-Blockings, weil in den USA Werbung im Internet stets klar als solche gekennzeichnet werden muss. Die Forscher sind deshalb von der Funktionstüchtigkeit ihrer Methode überzeugt: «So lange die Standards unmissverständlich eingehalten werden, erkennt der visuelle Ad-Blocker 100 Prozent der Anzeigen».

Mittlerweile ist ein Wirksamkeitsnachweis (proof of concept) des «Perceptual Ad Blocker» als Browser-Extension für Google Chrome erhältlich. Die Anwendung ist aber nicht voll funktionsfähig. Die Software markiert auf Webseiten stattdessen lediglich die erkannten Anzeigen und Reklamen. Denn man wolle sich nicht in die ethische Debatte rund um das Blockieren von Werbung einmischen, schreiben sie in ihrem Bericht.

Ad-Blocker sind in der Tat ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann Werbung auf Webseiten etwa die Geschwindigkeit des Browsers verringern, andererseits stellen Anzeigen wichtige Einnahmequellen dar. Denn gerade Medienunternehmen sind heute auch auf Werbeeinkünfte aus dem Netz angewiesen – davon ist die Computerworld nicht ausgenommen. Ad-Blocker könnten dazu führen, dass diese Einnahmequelle künftig austrocknet, was weitreichende Folgen für Webseitenbetreiber und Medienhäuser hätte.

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