Business Analytics? Ja klar - so investieren die Schweizer Branchen

Schweizer Firmen stehen Business Analytics recht aufgeschlossen gegenüber. Ihre Investitionen fliessen jedoch - je nach Branche - in ganz andere Geschäftsbereiche. Das sind die Investitionspläne der Schweizer Branchen.

» Von Michael Kurzidim , 29.02.2016 16:45.

Von Business Analytics versprechen sich Unternehmen einen ganzen Katalog von Verbesserungen: reduzierte Kosten, effizientere Prozesse, bessere Entscheidungen und letzten Endes höhere Umsätze. Solche Ergebnisse sind bekannt und wurden vielfach publiziert. Was aber ins Auge sticht: Die Branchen beschreiten ganz unterschiedliche Wege, um Business Analytics im eigenen Unternehmen zu implementieren, und auch die Investitionen fliessen in unterschiedliche Geschäftsbereiche.

Die Telekommunikationsbranche nutzt fortgeschrittene Analysen am häufigsten, und das bereits sehr lange. Das Business Application Research Center (BARC) führt das darauf zurück, dass die Telkos sehr marketinggetrieben aufgestellt sind. Es geht um Kundengewinnung. Zudem verfügt die Branche über hohe Kundenzahlen, grosse Datenmengen und Betrugsfälle tauchen häufiger auf. All das befeuert den Einsatz von Business Analytics. Als bevorzugte Einsatzbereiche haben die Teilnehmer der BARC-Umfrage angegeben: Absatz- und Umsatzplanung/-optimierung, Bedarfsplanung auf Kundenseite, Cross Selling, Maschinenausfallvorhersagen, Netzwerkauslastung und Prognosen zur "Lebensdauer" einer Kundenbeziehung.

52 Prozent der Telko-Investitionen fliessen in die Anschaffung von Analytics-Software.

Unter Banken und Versicherungen ist der Einsatz von Business Analytics ebenfalls sehr verbreitet. Typischerweise will die Finanz- und Versicherungsbranche damit ihre Kundengewinnung optimieren (Kampagnenmanagement), die Kundenbindung stärken, die Kreditvergabe verbessern und Betrügereien etwa bei der Schadenangabe aufdecken. Die Gelder der Finanz- und Versicherungshäuser fliessen zum Grossteil in die externe technische und fachliche Beratung. Aber auch die Implementierung und Migration verschlingt grosse Summen (siehe Grafik).

Die erzeugende und verarbeitende Industrie plant, fortgeschrittene und prädiktive Analytics entlang der gesamten Wertschöpfungskette einzusetzen. Unternehmen wie ThyssenKrupp Elevators nutzen beispielsweise Sensoren, um die Wartung ihrer Aufzüge zu optimieren (predictive Maintenance). Absatz- und Beschaffungspreisprognosen, die Bestandsoptimierung und Kapazitätsauslastung, Lieferoptimierungen und Qualitätsverbesserungen in der Produktion stehen dabei im Fokus. Die Prozessindustrie (Chemie, Pharma und Lebensmittelherstellung) will mithilfe von Business Analytics ausserdem die Risiken, den Nutzen sowie die Sicherheit und Wirksamkeit bei der Entwicklung von neuen Wirkstoffen vorhersagen.

Die Industrie investiert vor allem in die Weiterbildung des bestehenden Personals. Aber auch der Posten Software-Anschaffungen verschlingt einen signifikanten Anteil am Budget.

Ein prominenter Business Case des Öffentlichen Sektors ist das sogenannte "Predictive Policing", also die Vorhersage potenzieller Straftaten, um den Einsatz der Polizei zu optimieren. Die Kantone Zürich und Aargau haben entsprechende Vorhersage-Programme im Einsatz, und tatsächlich soll dadurch die Verbrechensrate zurückgegangen sein. Als weitere lohnende Anwendungsfelder für Business Analytics wurden genannt: Kundensegmentierung zur Optimierung der Beratungsleistungen, Sequenz-Analysen in Beratungsprojekten, Bestandsoptimierung und Fraud Detection, also das Aufdecken von Betrügereien (zum Beispiel Steuererhebung, Sozialleistungen). Der öffentliche Sektor investiert am meisten in die Weiterbildung des bestehenden Personals.

Auffallend ist: Die Investitionen in Hardware dümpeln über alle Branchen auf recht niedrigem Niveau vor sich hin. Angesichts der Cloud überrascht das allerdings nicht. Am meisten investieren noch der Finanzsektor (20 Prozent) und die Dienstleister (19 Prozent) in neue, eigene Hardware. Auch von einer eigenen Organisationseinheit "Business/Advanced Analytics" wird mehrheitlich, also branchenübergreifend Abstand genommen.

Auffallend aber auch: Die Branchen wollen investieren. Ausnahme: Einige Finanzdienstleister gaben an, Ihr Geld vorerst nicht in neue Business-Analytics-Projekte stecken zu wollen (30 Prozent). Der Finanzsektor ist von den befragten Branchen aber auch schon der stärksten Nein-Sager. Am analytics-affinsten und investitionsfreudigsten, das überrascht nicht, sind die ITler und die Telekommunikationsindustrie.

Das BARC hat etwa 200 Unternehmen aus der DACH-Region (Deutschland, Schweiz, Österreich) befragt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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