Alle loben Tapit. Wir finden: Kritik ist auch angebracht

Swisscoms NFC-Bezahlsystem «Tapit» wird in einer Woche lanciert. Der Dienst wird es nicht leicht haben.

» Von Fabian Vogt, Luca Diggelmann , 25.06.2014 10:38.

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«Tapit» heisst der neue Swisscom-Dienst der in der nächsten Woche gestartet wird. Nutzer des Dienstes können an Kassen mit NFC-Terminals mit dem Smartphone bezahlen. Einfach die App öffnen, das Terminal mit dem Smartphone berühren und die Transaktion wird ausgeführt.

Obwohl NFC-Terminals fast überall in der Schweiz verfügbar sind, wird es Tapit nicht leicht haben. Das System hat drei grosse Haken:

  1. Apple hat kein NFC
    Das iPhone ist nach wie vor das beliebteste Smartphone der Schweiz. Jeder zweite Schweizer besitzt eines. Apple unterstützt die von Tapit verwendete Technologie NFC jedoch nicht. Das heisst: iPhone-Besitzer schauen bei Tapit in die Röhre und Swisscom schliesst die Hälfte der Schweizer schon einmal von ihrem Dienst aus. Ausser, Swisscom findet einen Workaround. Damit der Dienst trotz Apple-Abstinenz genügend benutzt wird, hat Swisscom Orange und Sunrise eingeladen, ebenfalls am Projekt beteiligt zu sein. So können auch deren Kunden Tapit einsetzen.
  2. NFC interessierte bisher kaum jemanden
    Bezahlen per NFC ist nichts Neues. Praktisch jede Kreditkarte ab Erscheinungsdatum 2013 besitzt einen eingebauten NFC-Chip. Die Terminals dazu gibt es ebenfalls seit mehreren Monaten. Migros, Coop, die SBB und viele weitere Händler haben bereits umgerüstet. Genutzt wird das Angebot jedoch nur spärlich. 
  3. Umständlicher als die Kreditkarte
    Smartphone zücken, entsperren, App öffnen, bezahlen ist einfach. Kreditkarte zücken, bezahlen ist einfacher. Die App fügt einen weiteren Schritt zum Bezahlvorgang hinzu, was das Angebot weniger attraktiv macht.

Trotz dieser Schwächen wird der Dienst, der später mehr als nur ein virtuelles Portemonnaie sein soll, auf einiges Interesse stossen. Wer ihn nutzen will, kann sich aber nicht einfach die App herunterladen und los geht's. Es ist eine spezielle SIM-Karte von Nöten, welche Swisscom, Orange und Sunrise ihren Kunden austeilen werden. Der Vorteil daran: ist die SIM im Gerät, können neue Tapit-Anwendungen von den Betreibern automatisch aufgeschaltet werden.

Der Erfolg von Tapit ist völlig von der Kundenakzeptanz abhängig. Zwar ist davon auszugehen, dass Swisscom bei der Präsentation am 1. Juli bereits namhafte Partner bekanntgeben kann. Doch erst wenn noch unbeteiligte Firmen sehen, dass Tapit häufig genutzt wird, wird das Ökosystem derart gross werden, dass Swisscom mit dem Dienst die Benutzung des Smartphones um eine Funktion erweitert hat. 

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KOMMENTARE

René Schwendeler: 01-07-14 10:36

Endlich... kommt Tapit !! Ich bezahle bald 2 Jahre mit meiner MasterCard mit PayPass ( Kontaktlos). Jeden Monat zwischen 500 bis 1000 Franken. Wenn das Mobile zum Zahlen mit Tapit wirklich nicht entsperrt werden muss, ist das eine super Sache. Die Sicherheit ist ja die selbe wie mit der Karte. Einziger Nachteil ist vielleicht, dass man das Natel eher mal irgendwo liegen lässt oder vergisst. Was mir in den ganzen Medienmitteilungen fehlt, dass der maximale Betrag der mit Tapit bezahlt wird, irgendwo begrenzt ist. Bei Migro habe ich gehört ist diese Grenze bei 200 CHF pro Tag.

Adrian Kobler: 26-06-14 14:02

Hinweis zu einem redaktionellen Fehler: Punkt 3 stimmt nicht! Das Handy muss nicht entsperrt werden, sondern Tapit funktioniert auch im Standby. Nur bei Beiträgen über 40.- braucht es eine Interaktion, nämlich das Eintippen des Tapit-PINs.
Und zu Punkt 2: Ich bin überzeugt, dass die meisten Schweizer schlichtweg noch nicht wissen, dass sie mit ihrer Kreditkarte diese Möglichkeit bereits besitzen. Wenn dies (u.a. durch Tapit) bekannter wird, wird auch die Nutzung steigen.

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