Vorgeschmack auf Longhorn

Die Alpha-Entwicklerversion des Windows-XP-Nachfolgers Longhorn legt viel Wert auf Organisation, bringt aber kaum mehr Security. VON CATHARINA BUJNOCH

» Von , 19.05.2005 15:17. Letztes Update, 19.05.2005 19:12.

Longhorn ist der Codename des Windows-XP-Nachfolgers, der frühestens Ende 2006 verfügbar sein wird. Selbst dann wird der Version eine ganze Anzahl eigentlich fest geplanter Features abgehen. Die kürzlich auf der Winhec (Windows Hardware Engineering Conference) verteilte Alpha-Vorabversion gibt nun eine Ahnung dessen, was das fertige Longhorn bieten wird. Zunächst fallen die detaillierten dreidimensionalen Icons der Benutzeroberfläche ins Auge. Anstelle des kaskadierenden «Start»-Menüs zeigt sich eine Programmliste, die der Anwender in Untermenüs und Unter-Untermenüs nach eigenem Gusto feingliedern kann. Fragt sich allerdings, ob die meisten Nutzer das dazu erforderliche Organisationsgeschick überhaupt entwickeln wollen.

Auch der Windows Explorer kleidet sich in ein neues Gewand. Pro Festplattenpartition informiert eine Ressourcenanzeige, wie viel freier Platz noch verfügbar ist. Nach den klassischen Pfaden für die Dateiablage sucht man in Longhorn vergeblich, zumindest in der Standardkonfiguration: Die Buchstaben, die bislang die Partitionierung anzeigten, verschweigt das System und macht damit unmissverständlich klar, dass es sich endgültig von der DOS-Vergangenheit abwendet. Der Pfad erschliesst sich nur mehr durch eine Serie von Pull-Down-Menüs von Ordnern.

Nützlich macht sich die Zoom-Funktion für Icons. Dies besonders deshalb, weil Longhorns Icons oft winzige Screenshots vom Inhalt sind und nicht, wie bisher, lediglich Symbole für einen bestimmten Dateityp. Generell war das Wiederfinden von Informationen auf dem Desktop einer der Schwerpunkte bei der Konzeption dieser Version. Dies, obwohl die Erstversion ausgerechnet auf das von Microsoft mit viel Brimborium angekündigte Dateiorganisationssystem Win-FS verzichtet. Doch auch ohne Win-FS stehen in der Alpha verschiedene Suchkriterien zur Verfügung, um Dateien anhand formaler Eigenschaften aufzuspüren. Alternativ lassen sich die Festplatten nach individuellen Textinhalten durchkämmen. All diese Suchkriterien können beliebig kombiniert werden.

Gleichwohl unterscheidet Longhorn fein säuberlich zwischen Internet- und Desktopsuche. Das überrascht - hatte Microsoft doch erst im letzten Dezember ihr Suchtool «Toolbar Suite» lanciert, das Suchvorgänge aus dem Internet Explorer und den Office-Anwendungen kombiniert. Doch jetzt lässt Microsoft erklären, sie sei zur Ansicht gelangt, dass User künftig immer seltener das Web nach Informationen durchkämmen würden, sondern sich lieber gezielt bedienten, etwa per RSS Feeds. Daher habe man die Suchfunktion auf Desktop-Daten konzentriert. Branchenkenner wie Danny Sullivan von Searchenginewatch.com bezweifeln diese Prognose allerdings heftig.

Longhorns üppige Organisations-und Such-Features können nicht darüber hinwegtrösten, dass in Sachen Security die ursprünglichen Zielsetzungen weit verfehlt werden. Seit bald einem Jahrzehnt skizziert Redmond Visionen von im Betriebssystem verankerten Datensicherungsmechanismen - das Stichwort
hierzu ist Next Generation Secure Computing Base (NGSCB) respektive Palladium. Auf der Winhec versuchte Redmond nun, seine TPM-Hardware (Trusted Platform Module) und das Longhorn-Feature «Secure Startup» als NGSCB-Konkretisierung zu verkaufen. Doch TPM haben etwa IBM und Hewlett-Packard längst in ihren PC eingebaut. Und Secure Startup ist ein einzelner, isolierter Sicherungsmechanismus, der nur beim Hochfahren mobiler Rechner greift.

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