Spionageskandal 10.03.2015, 19:13 Uhr

Überwacht SAP Schweizer Firmen?

In vielen Schweizer Unternehmen läuft Software von SAP. Jetzt stellt sich heraus, dass der deutsche Softwarekonzern mit der NSA und dem BND zusammenarbeitet. Spioniert SAP Schweizer Firmen aus?
Der deutsche ERP-Weltmarktführer SAP arbeitet mit dem amerikanischen Geheimdienst NSA zusammen. Das schreibt Spiegel Online und beruft sich seinerseits auf einen Beitrag des MDR-Fernsehmagazins FAKT. Eine Schlüsselrolle dabei spielt SAPs In-Memory-Datenbank Hana, die riesige Datenmengen im Terabytebereich in Sekundenbruchteilen auswerten kann. Auch der deutsche Nachrichtendienst BND soll an Hana interessiert sein. Der Macher des Fernsehbeitrags Christian Bergmann schreibt auf Zeit online, dass SAP seit 2007 amerikanische Firmen systematisch aufgekauft oder Verträge mit ihnen abgeschlossen habe, um Hana für die Massenüberwachung tauglich zu machen. Dazu gehören der Datenbankanbieter Sybase, den SAP 2010 für 5,8 Milliarden Dollar akquiriert hat, ausserdem die Dienstleister Palantir und der Suchtechnikspezialist Inxight. Sybase mit seinen beiden Datenbanken ASE und besonders IQ gilt als Spezialist für die extrem performante Analyse grosser Datenvolumina. Teile der Software-Technologie von Sybase dürften auch in die In-Memory-Datenbank Hana Eingang gefunden haben. Um Kunden in den USA zu bedienen, hat SAP speziell zu diesem Zweck die Tochterfirma SAP National Security Services gegründet (NS2), die amerikanischen Sicherheitsgesetzen wie dem Patriot Act unterliegt. Kunden müssen also auf Anfrage auch sensible Kundeninformationen offenlegen. Für den deutschen Softwarekonzern SAP ergibt sich jetzt die pikante Situation, mit einer Organisation zusammenzuarbeiten (der NSA), die das Handy der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merckel abgehört hat.

Gibt es eine SAP-Backdoor?

Der amerikanische Netzwerkspezialist Cisco geriet in die Schlagzeilen, weil er auf seinen Routern von Werk aus eine sogenannte Backdoor installiert hat, die es der NSA ermöglicht, den über die Cisco-Router laufenden Datenverkehr zu überwachen. Die entsprechend präparierten Router waren für den Export gedacht. (Cisco selbst streitet das vehement ab.) Ob eine ähnliche Technologie möglicherweise auch auf SAP Hana zum Einsatz kommt, gehört ins Feld der reinen Spekulation. Auf Anfrage von Spiegel Online bestätigte SAP, eine amerikanische Tochterfirma (NS2) gegründet zu haben, um den Sicherheitsbedürfnissen bestimmter Kunden entsprechen zu können. SAP respektiere jedoch den Wunsch der Kunden und veröffentliche keine Kundeninformationen. Weiter nahm das Unternehmen dazu keine Stellung.

Schweizer SAP-Kunden

Auch in Schweizer Unternehmen ist SAP-Software vielerorts im Einsatz. Die In-Memory-Appliance Hana gilt als Rückgrat von SAPs Datenbankstrategie, mit der sich das Unternehmen von Konkurrenten wie Oracle oder IBM langfristig emanzipieren will. "Hana ist das Herz all dessen, was wir tun", betonte der damalige SAP-CTO Vishal Sikka immer wieder. In vielen Unternehmen läuft SAP-Software auf Datenbanken aus dem Hause Oracle oder IBM. Bei SAP sorgte das regelmässig für schlechte Laune. Hana, der laut FAKT zurzeit schnellsten Datenbanktechnologie der Branche, war der Konkurrenz lange Zeit ein Dorn im Auge. Hana sei zu teuer, das Preis-Leistungsverhältnis sei zu schlecht, so lauteten einige der Vorwürfe. Wàhrenddessen bastelten IBM, Oracle und andere insgeheim an einer eigenen In-Memory-Datenbank, um Hana konkurrenzieren zu können. Zum Kriegsarsenal der Worte und Technologien könnte natürlich auch gehören, die Lösungen der Konkurrenz, also von SAP, ganz gezielt in Verruf zu bringen



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