Razzia im Darknet - Tor ist verwundbar

Strafverfolgungsbehörden in den USA und Europa haben 400 Webseiten stillgelegt, auf denen Drogen, Waffen, Falschgeld und Kreditkartennummern gehandelt wurden. Die Razzia lässt Zweifel aufkommen an der Sicherheit von Tor.

» Von Jens Stark , 10.11.2014 15:54.

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Wie die Betreiber von Tor selbst bestätigen, seien gut 27 Websites mit 400 «Diensten» von den Strafverfolgungsbehörden stillgelegt und die Betreiber der Services - 17 an der Zahl - verhaftet worden. Auf den nun geschlossenen Seiten wurden alle möglichen illiegalen Waren und Dienste verdealt. Neben Drogen und Waffen mit abgefeilter Seriennummer hehlten die Verdächtigen auch mit Kreditkartennummern und kompletten gefälschten Identitäten.

Für ihr Tun missbrauchten die mutmasslichen Dealer offensichtlich das Anonymisiernetzwerk «The Onion Router» (Tor), so endeten die verwendeten Adressen auf .onion.

Schlag gegen Tor

Der Schlag gegen die Darknet-Händler ist aber auch indirekt ein Schlag gegen Tor, respektive gegen dessen «Hidden Service». Denn die Behörden haben offensichtlich den Anonymisierschutz des Netzwerks aushebeln können. Dies geben die Betreiber von Tor in einem Blogeintrag offen zu. Wie dies geschehen konnte, weiss niemand - auch die Tor-Fachleute nicht. Und die beteiligten Polizeien wären die Letzten, die entsprechende Informationen an die grosse Glocke hängen würden.

«Das ist etwas, das wir gerne für uns behalten wollen», kommentiert Troels Oerting, Leiter des europäischen Cybercrime-Zentrums. «Wie wir das machen, können wir nicht mit der ganzen Welt teilen. Denn wir wollen wieder und wieder zuschlagen können», bedeutet er. Und in Hinblick auf Tor sagt der Däne: «Wir zerschlagen diese Art Dienstleistungen nicht nur im offenen Internet. Diesmal haben wir Services im Darknet, die Tor nutzen, getroffen». Hier hätten sich Kriminelle zu lange tummeln und sich vor dem Zugriff der Polizei sicher fühlen können, fährt Oerting fort. «Wir haben nun gezeigt, dass sie weder unsichtbar noch unantastbar sind», berichtet er nicht ohne Stolz und fügt drohend hinzu:«Und unsere Arbeit wird fortgesetzt».

Unter den legitimen Nutzern von Tor, die den Dienst verwenden, um ihre Privatsphäre zu schützen und unliebsame Schnüffeleien von Geheimdiensten umgehen wollen, stellt sich nun natürlich die bange Frage, wie umfassend die Behörden die Anonymisierfunktion aushebeln konnten.

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