Oracles supersicherer M7-Chip - IaaS-Kampfpreise (arme Amazon)

Oracle greift mit aggressiven Dumpingpreisen den Cloud-Marktführer Amazon an. Und erfindet mit dem neuen Sparc-M7-Prozessor eine hardware-kodierte Sicherheitstechnologie.

» Von Michael Kurzidim , 28.10.2015 04:16.

Amazon ist Marktführer in Sachen Compute und Storage aus der Cloud (Infrastruktur as a Service). Damit mieten Kunden Rechenkapazität und Speicher an, und bezahlen pro GigaByte, CPU und Nutzungsdauer. Ein praktisches Mietmodell, denn nach Gebrauch lassen sich die Cloud-Ressourcen bequem wieder abbestellen.

Aggressive Dumpingpreise

Aber der Marktführerschaft von Amazon geht es jetzt wohl an den Kragen, denn Oracle hält mit aggressiven Kampfpreisen dagegen. "Oracles dedizierte Server-Kapazitäten kosten halb so viel wie Amazons Server, die sich Kunden mit anderen teilen müssen (shared)", kündigte Oracle-CTO Larry Ellison auf der Hausmesse OpenWorld in San Francisco an. Das ist eine klare Ansage in Richtung Konkurrenz, denn mit der goldenen Treue ihrer Kunden können Infrastruktur-as-a-Service-Anbieter in der Regel nicht rechnen. Zu leicht ist es, in der Cloud - insbesondere auf dem IaaS-Level - den Provider zu wechseln. 

Bereits vor einigen Wochen hatte Oracle das Cloud-Storage-Angebot von Amazon unterlaufen. Archiv-Speicher bei Oracle verursacht nur ein Zehntel der Kosten, die Kunden bei Amazon aufwenden müssen: 1 Dollar pro TeraByte pro Monat. Aktuell verlangt Amazon für das erste TeraByte S3-Speicher (mit seltenem Zugriff) 18 Dollar pro Monat. Die Preisersparnis ist also noch höher.

Oracle bedient alle drei Cloud-Layer: Software (SaaS), Entwickler-Plattform (PaaS) und Infrastruktur (IaaS), stiess aber erst relativ spät auf den IaaS-Markt. Zurzeit stehen Object-, File-Storage, Archivspeicher sowie ein Datei- und Datenbank-Backup auf der Angebotsliste. Mit verführerischen Schnäppchen-Angeboten will Spätstarter Oracle dem Marktführer Amazon Kunden abluchsen.

'Wir haben das weltweit erste Komplett-Angebot von Enterprise Software in der Cloud' (Larry Ellison)

Die zweite Keynote, die Oracle-CTO Larry Ellison auf der Hausmesse OpenWorld in San Francisco hielt, wartete gleich mit mehrere Highlights auf. Ellison zog seine Trümpfe nacheinander aus dem Ärmel. Ein dickes Ass war sicher der neue Sparc-Chip M7, der nicht nur mehr Kerne (8) enthält und mehr Threads pro Kern (256) verarbeiten kann als das alte Modell. Der neue M7, und das ist die eigentliche Neuheit, hat Sicherheit hardware-codiert gleich eingebaut. Sicherheitsattacken wie Heartbleed hätte der neue M7, wenn es ihn denn damals schon gegeben hätte, in Echtzeit erkannt und verhindert.

Verschlüsselte Memory-Bereiche

Ellison erläuterte im Detail, wie das neue Intrusion Detection System des M7 funktioniert. Die Idee sei so simpel wie genial, sodass er erstaunt sei, dass nicht schon eher jemand darauf gekommen sei, so der Oracle-Gründer. Jede Software benötigt reservierte Bereiche im Arbeitsspeicher (Memory) des Rechners oder Servers, um laufen zu können. Der alloziierte Speicher hat eine Anfangs- und eine Endadresse. Oracles Idee besteht nun darin, denn Zugang eines Programms zu 'seinem' Speicherbereich zu verschlüsseln, so wie eine verschlossene Tür den Zugang zu einem Gebäude verwehrt. Nur wenn der Schlüssel der Software zum Schloss des Arbeitsspeicherbereichs passt, kann die Software dort - und nur dort - laufen. Realisiert wird die Verschlüsselung vom M7 über versteckte Bits in Pointern (Software) und im Memory. Der Einfluss auf die Performance gehe, so Ellison, gegen Null.

Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn die Software initial sauber ist. Das muss sichergestellt sein. Ansonsten hält der Dieb bereits den Schlüssel in der Hand.

Hardware-kodiertes SQL

Ebenfalls in Silizium - also im neuen M7 - kodiert hat Oracle Befehle der Daten-Abfragesprache SQL, Kompressions- und Verschlüsselungsalgorithmen. Bei den teils extrem rechenintensiven Operationen lassen sich dadurch grosse Performance-Gewinne erzielen. Das im M7 kodierte Silizium-SQL soll insbesondere In-Memory-Datenbanken signifikant beschleunigen. 

Eine weitere Neuankündigung war die 'Oracle Private Cloud Machine for PaaS & SaaS', mit der Oracle das Angebot seiner sogenannten Pre-engineered Systems erweitert. Ellison entschuldigte sich für den langen und komplizierten Namen, aber dadurch wisse man schliesslich sofort, wofür die neue Appliance zu gebrauchen sei. Hübsche Marketing-Namen sind offensichtlich Oracles Sache nicht.

'In ein paar Monaten sollten wir IBM überholt haben'

Die Engineered Systems sind vorkonfigurierte Appliances, die Software und Hardware optimal aufeinander abstimmen, um dadurch eine optimale Performance garantieren. Oracle ist neben Apple und IBM die einzige Firma, die von der Hardware bis zur Business-App den gesamten Stack anbietet. Weltweit habe Oracle 15'267 seiner Appliances verkauft, gab Ellison an. Fast die Hälfte der Verkäufe, nämlich 7'321, geht dabei auf das Konto der Datenbank-Appliance Exadata. "Auf dem Markt der Appliances liefern wir uns mit IBM zurzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen", meinte der Oracle-Gründer. "In ein paar Monaten sollten wir IBM überholt haben". 

 

 

 

 

 

 

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