Endloser Kampf gegen Cyberkriminelle
Die diplomierte Mathematikerin Natalya Kaspersky ist CEO der gleichnamigen Software-Anbieterin. Eugene Kaspersky leitet die Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Im Interview mit unserer Schwesterpublikation Network World sagen sie, wo die IT-Welt in Sicherheitsfragen heute steht. Und sie mutmassen, dass der Kampf gegen Hacker nie gewonnen werden kann.

» Von , 02.08.2007 08:55.
Network World: Siegen wir im Kampf gegen die Cyberkriminellen, oder verlieren wir?
Eugene Kaspersky (E.K.): Die IT-Branche verliert klar.
Natalya Kaspersky (N.K.).: Wir versuchen, Schritt zu halten, aber leider muss ich sagen, dass wir je länger desto weniger Cyberkriminelle entlarven. Wir entwickeln zwar neue Techniken, die ihnen Einhalt gebieten sollen - doch prompt finden sie eine andere Technik, um die Barrieren zu umgehen. Wir spüren einen Teil ihrer Angriffe auf, aber den bösartigen Code können wir nicht unterbinden. Darum fürchten wir, dass wir Hacker auch in Zukunft nicht aufhalten können.
Früher glaubten wir, Antivirenmassnahmen seien ausreichend. Aber das ist lang vorbei. Und sie reichen nicht, das ist offensichtlich. Wir brauchen Unterstützung vom Staat und von den Herstellern von Betriebssystemen. Ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt ist Ausbildung. Viele User holen sich einen Virus, weil sie nicht informiert sind.
In den USA pflegt man Angriffe und Exploits der russischen Mafia in die Schuhe zu schieben. Sie als Russen - für wie plausibel halten Sie das?
E.K.: Gewöhnliche Verbrecher haben keinen Kontakt zu Computerkriminellen. Vermutlich deshalb, weil sie nichts davon verstehen. Die Aktivitäten der russischen Mafia sind Drogen, Prostitution, Waffenschieberei. Die Vorstellung, dass die Russenmafia hinter der weltweit verbreiteten Computerkriminalität steckt, halte ich daher für einen Mythos.
In welchen Ländern ist die kriminelle Energie am höchsten?
E.K.: Nummer eins ist klar China. Der bösartige Code variiert je nach Land. Chinesische Hacker entwickeln multi-vektorielle Backdoor-Trojaner und Trojaner, die Daten aus Onlinespielen abschöpfen. Nummer zwei sind die spanischsprachigen Länder und Brasilien. Dort hat man sich auf Trojaner für Banken spezialisiert, die Geld aus privaten Bankkonten abzweigen. Nummer drei war einmal Russland, aber das Land ist in jüngster Zeit auf den vierten Platz gerückt. Nun gilt die Türkei als Nummer drei. Dort gibt es immer mehr Internetnutzer und prompt auch immer mehr Internetkriminelle. Russische Hacker sind spezialisiert auf Proxy-Trojaner, die Spam versenden sowie Spyware, die alles klaut, was sie kriegen kann: persönliche Daten, Zugangscodes, Log-ins.



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