Big Data: Der Datenschutz als Auslaufmodell?

» Von Roland Mathys*, 03.08.2017 14:53.

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Ruf nach neuen Lösungsansätzen

Die Zeit scheint reif für einen Paradigmenwechsel im Datenschutz. Verschiedene innovative Lösungsansätze werden im Folgenden kurz auf ihre Tauglichkeit hin untersucht:

  • Bestrebungen gehen einerseits dahin, dem Individuum die Verfügungsgewalt über alle ihn betreffenden Daten zu verschaffen und jeden Zugriff Dritter auf diese Daten vom Einverständnis des Betroffenen abhängig zu machen. Neben praktischen Umsetzungsschwierigkeiten stellt sich hier vor allem das Problem, dass der Einzelne mit der Komplexität dieser Aufgabe überfordert werden dürfte; dies zeigt sich aktuell bei der Gesetzgebung zum elektronischen Patientendossier, wo der Patient subtil abgestufte Zugriffsberechtigungen an unterschiedliche Kategorien von Datenempfängern erteilen müsste.
  • In der EU wird mit dem Entwurf einer Datenschutzgrundverordnung derzeit versucht, auf die Profilbildung gerichtete Datenbearbeitungen stärker zu regulieren; demnach sollen Massnahmen, welche die automatisierte Auswertung wesentlicher Eigenschaften (z.B. finanzielle Verhältnisse) oder der Verhaltensweise einer Person ermöglichen, nur mit deren Zustimmung erfolgen können.
  • In die entgegengesetzte Richtung tendieren Ansätze, bei denen die Anwendungen und Algorithmen, die Big Data auswerten, einer datenschutzrechtlichen Konformitätsprüfung (im Sinne eines Privacy Impact Assessment) durch eine unabhängige Stelle unterzogen werden, wobei insbesondere die Grundsätze von Privacy by Design und Privacy by Default angewendet werden sollen. Obwohl sich auch bei diesem Modell Umsetzungsschwierigkeiten ergeben dürften, erscheinen Ansatzpunkt und Stossrichtung effektiv. Unzureichend ist das Modell jedoch insoweit, als die eigentliche Datenbeschaffung nicht erfasst wird.
  • Vor allem von Seiten der Big-Data-Industrie wird propagiert, die Balance zwischen Datenschutz und Nutzen von Big Data neu auszutarieren, beispielsweise indem der Begriff der Personendaten enger gefasst wird als bisher oder es jedem Einzelnen freigestellt wird, auf den Datenschutz zu Gunsten der Vorteile von Big Data zu verzichten. Erste Gesetzesentwürfe und jüngere Gerichtsentscheide tendieren in diese Richtung. Gegen einen Verzicht des Einzelnen auf Privacy (oder einen Teil davon) ist solange nichts einzuwenden, als dieser Entscheid bewusst in Kenntnis aller Vor- und Nachteile (und nicht bloss beiläufig) und freiwillig (d.h. nicht aus einer Notsituation heraus und mit echten Alternativen) getroffen wird.

Welche dieser Modelle sich künftig durchsetzen werden, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. 

Fazit zu Big Data

Big Data stellt den Datenschutz auf die Probe. Die traditionellen Grundsätze des Datenschutzes lassen sich kaum mit den Eigenheiten von Big Data in Einklang bringen. Die herkömmlichen Lösungsansätze sind ebenfalls nicht geeignet, die Herausforderungen von Big Data adäquat zu meistern.

Der Datenschutz wird deswegen nicht zum Auslaufmodell, muss aber renoviert werden. Diverse neuartige Ansätze werden derzeit diskutiert. Diese setzen teilweise beim Einzelnen an, teilweise bei der Big Data Industrie. Über deren Praxistauglichkeit kann derzeit noch wenig gesagt werden.

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