«Smart City ist Teil unserer Digital-Strategie 2020»

Luciano Bergamin, Abteilungsleiter Informatikdienste, über die Smart-City-Strategie der Stadt Bern

» Von George Sarpong , 24.10.2017 14:35.

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Wie smart ist Ihre Stadt und weshalb?

Die Stadt Bern ist in vielen Bereichen sehr «smart». Seit Langem entwickelt und pflegt die Stadt Bern «kluge» Lösungen für die zu meisternden Herausforderungen, beispielsweise im Bereich städtischer Infrastrukturen. So hat sie zum Beispiel vor über 100 Jahren eine Wasserversorgung gebaut, die noch heute als fortschrittlich und nachhaltig, also gewissermassen als «supersmart» gilt. Bern verfügt über ein öffentliches Transportsystem auf Weltklasseniveau und entsorgt und verwertet vorbildlich.

Die Stadt Bern verfügt über einen Energierichtplan und ein Stadtentwicklungskonzept – beides wird im In- und Ausland als Muster verwendet.

Vergleicht man das Niveau der «smarten» Lösungen und Leistungen der Stadt Bern mit jenem von Städten, die sich als Vorreiterinnen eines breit und umfassend verstandenen Smart-City-Ansatzes sehen, so bewegt sich Bern durchaus auf Augenhöhe. Auch im Bereich der Digitalisierung von Prozessen und Dienstleistungen schreitet die Stadt Bern voran. Als eines der ersten Gemeinwesen in der Schweiz hat die Stadt Bern etwa bereits vor vielen Jahren eine sämtliche Organisationseinheiten umfassende, medienbruchfreie elektronische Geschäftsverwaltung und – damit einhergehend – das Primat der elektronischen Dokumentenversion eingeführt. Natürlich besteht in verschiedenen Bereichen städtischer Tätigkeiten weiteres Digitalisierungspotenzial. Die Stadt Bern digitalisiert nicht um der Digitalisierung Willen, sondern berücksichtigt immer auch den effektiven Mehrwert einer neuen digitalen Lösung.


Wie sieht die Smart-City-Strategie von Bern aus?


Die Stadt Bern verfügt zurzeit über keine offizielle Smart-City-Strategie. Grundsätzlich war es aber schon immer das Ziel, Dienstleistungen möglichst effizient, effektiv und nachhaltig zu erbringen. An diesem Grundsatz ändert auch die seit mehr als 20 Jahren anhaltende und sich derzeit stark beschleunigende Digitalisierung nichts. In diesem Sinne ist die sukzessive Entwicklung und Bereitstellung von Dienstleistungen auch in digitaler Form ein Selbstverständnis.


Welche Rolle spielen Sie als IT-Verantwortlicher bei den Smart-City-Projekten Ihrer Stadt?


Alle IT-Rollen und Organisationseinheiten werden aktuell im Rahmen der Erarbeitung der Digital-Strategie 2020 unter der Federführung des Lenkungsausschusses für Informatik in der Stadt Bern überdacht und wo sinnvoll neu definiert. Die Digital-Strategie 2020 soll unter anderem auch das Thema Smart City berücksichtigen.


Wie verknüpfen Sie die verschiedenen Zuständigkeiten aus den Bereichen Stadtwerke, Verkehr, IT, Finanzen etc.?


Erste Roundtables mit der Universität Bern mit der Wirtschaft, mit Vertreterinnen und Vertretern der städtischen Betriebe und mit der öffentlichen Verwaltung haben stattgefunden. Nun geht es darum, die Gespräche zu intensivieren und mögliche Lösungsfelder auszuloten. Die Zuständigkeit hierfür ist in der aktuellen Phase bei der Stadtkanzlei angesiedelt.


Smart-City-Projekte erfordern finanzielle und personelle Ressourcen. Wie gehen Sie mit diesen Herausforderungen um?


Auch «kluge» Projekte der Vergangenheit erforderten finanzielle und personelle Ressourcen. An den insbesondere auch demokratischen Prozessen der Bereitstellung der notwendigen Mittel hat sich nichts geändert. Auch wenn smarte Projekte zunehmend technologiebasiert respektive gestützt auf digitalisierte Lösungen durchgeführt werden. Tatsache ist jedoch, dass der Mittelbedarf enorm und im Vergleich zu analogen Lösungen zumindest in der Initialphase höher ist. Das erfordert eine kritische Evaluation digitaler Ansätze. Technologiebasierte Smart-City-Ansätze weisen nicht selten eine starke Tendenz zum Hype auf. Das kann einerseits positiv verwertet werden, da es eine Sogwirkung und Dynamik gibt. Andererseits braucht es eine umso nüchternere Abwägung der Vor- und Nachteile.


Experten raten Städten, die Funktion des Smart-City-CIOs zu schaffen. Inwieweit braucht es einen Smart-City-CIO?


Dies werden wir bei der Erarbeitung unserer Digital-Strategie 2020 herausfinden müssen. Selbstverständlich schielen wir in alle Richtungen und sehen, wie sich andere Städte gleicher Grössenordnung wie Bern zu diesem Thema äussern und welche Erfahrungen sie mit einer solchen Funktion machen.


Wie wird sich die Rolle des CIOs einer Stadt in den nächsten Jahren weiterentwickeln?


Die Informatik einer öffentlichen Verwaltung fokussiert heute im Wesentlichen auf die internen Bedürfnisse und Prozesse der Verwaltung und der Volksschulen. Die zentrale IT-Abteilung ist somit organisatorisch und personell so aufgebaut, um diesen Auftrag erfüllen zu können. Die Digitalisierung wird sich beschleunigen und dies führt unweigerlich dazu, dass die zentrale IT-Abteilung sich wandeln muss. Damit einhergehend wird sich auch die Rolle des CIOs verändern. Dabei geht es nicht nur um die Erbringung der typischen Aufgaben eines IT-Verantwortlichen, sondern eine wesentliche Aufgabe wird sein, die IT bestmöglich auf die Geschäftsprozesse abzustimmen. Damit leistet die IT-Abteilung einen wichtigen Beitrag zu höherer Effizienz und Effektivität. Zudem soll sie technologische Innovationen in die öffentliche Verwaltung bringen und nutzbar machen.

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