Pionier des Schweizer Internets tritt ab

» Von Inke Witten, ETH News, 01.06.2015 11:43.

Erwartungen an die Zukunft des Internet

Für die Zukunft erwartet Bernhard Plattner ein immer stärkeres Verschmelzen der virtuellen mit der realen Welt. Dazu gehört für ihn zum Beispiel, dass ein Auto nach einem Unfall selbständig Polizei und Rettungswagen alarmiert oder dass ein Smartphone nach einem Lawinenniedergang einen Notruf absetzt – so wie es die vom ETH Spin-Off «Uepaa Swiss Alpine Technology» entwickelte App kann.

Es steht eine Renovation des Internets selbst an, denn die Basistechnik ist mittlerweile 30 Jahre alt.»

Aus Plattners Sicht sind künftig aber auch grundsätzliche Neuerungen im Netz notwendig. «Es steht eine Renovation des Internets selbst an, denn die Basistechnik ist mittlerweile 30 Jahre alt.» Entsprechend forschen die Wissenschaftler am Institut für Technische Informatik und Kommunikationsnetze (TIK), das er gemeinsam mit Professor Albert Kündig 1990 gründete, an der Frage, wie sich die Steuerung des Internets verbessern lassen könnte.

Das Stichwort lautet «Software Defined Network» (SDN). Diese neue Technologie hat zum Ziel, das Internet durch eine bessere Koordination effizienter zu verwalten. Offen ist bislang vor allem die Frage, wo und wie die Koordination stattfinden soll und inwieweit das die Sicherheit des Netzes beeinflusst.

Generell sieht der Professor für Technische Informatik den Schutz der Privatsphäre als weiteres wichtiges Thema. Er rate all seinen Studierenden stets zu einer gesunden Vorsicht bei der Nutzung des World Wide Web. Übertrieben ängstlich solle man aber auch nicht sein, fügt er hinzu. «Jede neue Technologie hat positive und negative Seiten – das ist unvermeidbar.»

Seine Anliegen leben weiter

Um den Fortgang der Forschung an seinem Institut, das zum Departement für Informationstechnologie und Elektrotechnik gehört, macht Plattner sich keine Sorgen. Er weiss, es wird auch ohne ihn weiterbestehen. Laurent Vanbever, seit Januar 2015 Assistenzprofessor an der ETH, wird die Forschung in diesem Fachgebiet weiterführen. Und auch sonst werden Plattners Ideen weiterleben.

So meint er denn mit einem leichten Schmunzeln: Es habe vielleicht nicht für den Nobelpreis gereicht, doch dafür habe er 52 Doktoranden promoviert und 300 bis 400 Masterstudierende begleitet. «Dies ist» – und das sagt er aus tiefer Überzeugung und mit gewissem Stolz – «die bedeutendste Wirkung, die man als Professor erreichen kann.»

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